Donnerstag, 19. September 2019

Kräftiger Gewinnanstieg Gazprom-Deal gibt Eon kräftigen Schub

Eon-Gasnetz bei Köln: Deutschlands größter Energiekonzern meldet Gewinnsprung dank günstigerer Gaslieferträgen

Es war eine einzige Übereinkunft, aber die hatte es in sich: Deutschlands größtem Enerigiekonzern Eon gelang es vor Wochen, die Verträge mit seinem Gaslieferanten Gazprom erheblich günstiger zu gestalten. Heute beweist Eon, was das wert war. Der Eon-Aktienkurs steigt deutlich.

Düsseldorf - Die schlechten Nachrichten hat Eon erst einmal hinter sich gelassen: Nach Atomausstieg, Personalabbau und Verlusten im Gashandel im vergangenen Jahr steigen nun wieder die Gewinne und die Zuversicht. Anfang Juli hatte der Versorger bereits mit der Bekanntgabe des Gasdeals mit dem russischen Staatskonzern Gazprom die Prognose kräftig nach oben geschraubt. Am Dienstag legte der Versorger nun überraschend erste Zahlen für die ersten sechs Monate des Jahres vor: Die Düsseldorfer haben stark von verbesserten Konditionen für den Gasbezug von Gazprom profitiert.

Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss sei im ersten Halbjahr von rund 900 Millionen Euro auf etwa 3,3 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 56 Prozent auf zirka 6,7 Milliarden Euro zu.

Eon Börsen-Chart zeigen begründete den deutlichen Ergebnisanstieg mit den niedrigeren Gaspreisen sowie dem Wegfall von einmaligen Belastungen aus dem Atomkraftausstieg, die noch im ersten Halbjahr 2011 angefallen sind. Der Energieversorger bestätigte zudem die Anfang Juli angehobenen Gewinnprognosen.

Der Ergebnisschub machte sich prompt auch im Aktienkurs des Düsseldorfer Unternehmens bemerkbar. Der Eon-Kurs stieg nach Veröffentlichung des Ergebnisses bis 13.30 Uhr um knapp 1,55 Prozent auf 17,90 Euro.

Jeder Kubikmeter verkauftes Gas brachte Verlust

Der Versorger litt in den vergangenen Monaten nicht nur unter Einbußen infolge des Atomausstiegs, sondern verlor auch im Gashandel Millionen. Denn trotz des stark gefallenen Gaspreises auf dem Weltmarkt musste Eon den Rohstoff teuer aus Russland einkaufen, weil es langfristige, an den Ölpreis gekoppelte Lieferverträge geschlossen hatte. Aufgrund neuer Fördermethoden, wie der Gewinnung von Gas aus Schieferböden, hatte sich der Gaspreis jedoch vom Ölpreis entkoppelt und war deutlich gesunken. Dies hatte zur Folge, dass Eon das Gas zum Teil unter Einkaufspreis an seine Kunden abgeben musste. Mit jedem Kubikmeter verkauften Gas verlor Eon Geld. im vergangenen Jahr hatte die Eon-Gassparte dann auch 700 Millionen Euro durch die ungünstigen Verträge verloren. Dieses Millionenproblem zumindest scheint Eon nun gelöst zu haben.

Eon hat darüber hinaus ein teils drakonisches Sparprogramm angekündigt, um die Verluste aus dem Atomausstieg zumindest teilweise aufzufangen. Mehrere Tausend stellen sind bedroht, das Unternehmen konzentriert seine Standorte in Deutschland unter anderem auf Essen und den Konzernsitz in Düsseldorf, Fachabteilungen droht auch die Verlagerung in das Ausland - dorthin, wo die Lohnkosten niedriger sind. das betrifft beispielsweise das Rechnungswesen des Konzerns, das zumindest teilweise aus Regensburg in das rumänische Cluj-Napoca verlagert werden soll.

Eon-Aktionäre hatten in den vergangenen Monaten bereits bemerkt, wie sich die Einschätzung vieler Anleger für Eon offenbar zu wandeln begann. Im vergangenen Monat zählten die Eon-Titel zu den Gewinnern in dem europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen. Auch Analysten sehen für Eon wieder etwas bessere Zeiten kommen: Alberto Ponti, Ashley Thomas und Jorge Alonso von der Société Générale halten Kurse von 21,00 Euro für Eon-Titel für wahrscheinlich. Aktuell notiert das Papier rund 15 Prozent unter diesem Wert.

Der Aufschwung ist bisher allerdings homöopathisch verglichen mit der Stärke, die der Eon-Aktie einst etwa im deutschen Aktienleitindex Dax Börsen-Chart zeigen zugekommen ist. Eon war zwischenzeitlich sogar nach Börsenwert gerechnet das wertvollste deutsche Unternehmen überhaupt, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Seit dem Atomausstieg rangiert das Düsseldorfer Unternehmen aber in dieser Rangliste unter ferner liefen - und daran ändert auch der Kursaufschwung der vergangenen Wochen nichts.

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