Montag, 23. September 2019

Solarboom Die 52-Gigawatt-Frage

Verbraucher gesucht: Wie Deutschland der Stromschwemme Herr wird
DDP

2. Teil: Unflexible Altkraftwerke behindern grünen Strom

"Wenn der Anteil erneuerbarer Energien im Netz auf 30 bis 50 Prozent steigt, werden die Ausschläge deutlich zunehmen", sagt Vorstand Thomas Schulz vom Energiedienstleister Entelios, mit dem Paulaner kooperiert. Um 10 bis 15 Gigawatt Leistung könnte die Stromproduktion dann in wenigen Minuten schwanken.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Kern- und sogar neue Kohlekraftwerke überwiegend nicht auf Null herunter- und kurze Zeit später wieder anfahren lassen. So kann Vattenfall die Leistung seiner vier Braunkohlekraftwerke nach eigenen Angaben nur von 7,42 auf etwa 3,4 Gigawatt dimmen, ohne die Feuer zu löschen.

Als Lösung Nummer eins des Problems gilt eigentlich der zügige Ausbau des Stromnetzes. Denn bisher ist noch nicht einmal immer gewährleistet, dass plötzlich und massiv auftretende Strommengen immer dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden.

Netzausbau stockt

Zum einen geht es um neue und optimierte Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung. Sie sollen den Windstrom von Nord- nach Süd auf insgesamt 4400 Kilometern transportieren, aber auch Solarstrom aus Bayern und Baden-Württemberg nach Norddeutschland. Zum anderen ist manches Verteilnetz in Städten und Gemeinden bald mit dem Sonnenstrom überfordert. "Mehr Trafos, mehr Kupferleitungen" seien vonnöten, sagt Mayer.

Doch der Trassenbau stockt. Netzbetreibern fehlt Geld, Anwohner stellen sich quer. Zudem wird das Abtransportieren allein nicht das Problem lösen, dass oft schlicht zu viel Strom vorhanden ist. Weil Speichermöglichkeiten wie Pumpspeicherkraftwerke oder Maschinen zur Erzeugung von Wasserstoff und Methan aus überschüssigem Strom noch nicht in der benötigten Zahl vorhanden sind, sind kurzfristig auch andere Maßnahmen gefragt. Experten erörtern beispielsweise, welche Unternehmen kurzfristig mehr Strom abnehmen können.

Paulaner gehört dazu. Die Brauerei könnte genau in dem Moment Maschinen anwerfen, wenn viel billiger Strom im Netz ist. "Es ist denkbar, dass wir die Kühlleistung auf minus fünf Grad verstärken und die Wasserspeicher vollpumpen", sagt der Umweltbeauftragte Fischer. Weil der Strom an der Börse in solchen Phasen billig ist, könnte die Firma so Geld sparen.

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