Ansaldo Energia Siemens will Finmeccania-Tochter kaufen

Der Ausverkauf südeuropäischer Konzerne geht weiter: Weil Italiens Industrieikone Finmeccania dringend Geld benötigt, will sich der Konzern offenbar von seiner leicht defizitären Tochter Ansaldo Energia trennen - und Siemens scheint zuzuschlagen. Zum Preis von 1,3 Milliarden Euro.
Ansaldo Energia: Interesse von Siemens noch nicht bestätigt

Ansaldo Energia: Interesse von Siemens noch nicht bestätigt

Foto: Ansaldo Energia

Mailand/München - Die kritische Situation wird für nicht wenige südeuropäische Konzerne immer bedrohlicher. Die Finanzkrise in Italien und Spanien schlägt längst auch auf die Unternehmen in diesen Staaten durch, die Finanzierung neuer Kredite für den Geschäftsbetrieb wird teurer, weil sich die Kreditkonditionen insgesamt verschlechtert. Selbst Industriegrößen wie Italiens Finmeccania scheint das mittlerweile zu belasten. Die Norditaliener stellen deshalb - wie auch viele andere Firmen - nach italienischen Medienangaben ein Tochterunternehmen aus der Energiesparte zum Verkauf - und der deutsche Siemens-Konzern soll der Käufer sein.

Siemens  steht einem Zeitungsbericht zufolge vor der Übernahme des italienischen Gaskraftwerk-Spezialisten Ansaldo Energia. Die Münchner seien bereit, der Konzernmutter Finmeccanica für ihren Mehrheitsanteil von 55 Prozent rund 1,3 Milliarden Euro zu zahlen, berichtet die Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" am Donnerstag. Siemens wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Die Finmeccanica-Aktie legte im frühen Handel um bis zu 6,6 Prozent zu. Das Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ansaldo Energia leidet seit mehreren Jahren unter einem Umsatzschwund und rutschte 2011 in die roten Zahlen. Bei Erlösen von rund 1,2 Milliarden Euro erwirtschafteten die Italiener zuletzt einen Jahresverlust von 16 Millionen Euro.

Der Rüstungskonzern Finnmeccanica ringt derzeit mit den Folgen der Schuldenkrise und einem Korruptionsskandal. Um die Wende im laufenden Jahr zu schaffen, will Italiens zweitgrößtes Industrieunternehmen mehrere Töchter verkaufen. Dazu gehört neben der Energiesparte auch die Bahntechniktochter Ansaldo STS, an der Siemens ebenfalls interessiert sein soll.

Siemens-Chef Peter Löscher hatte mehrfach angekündigt, sein Haus werde sich punktuell mit Zukäufen verstärken, die auch einige Milliarden Euro kosten dürften. Im Fokus steht dabei die Energietechnik. Während Siemens in der Netztechnik, der Starkstromtechnik und der Windkraft zuletzt mit Problemen zu kämpfen hatte, brummt das Geschäft mit herkömmlicher Energietechnik wie Gasturbinen. Die Sparte zählt zu den einträglichsten Feldern des Konzerns.

kst/rtr
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