Montag, 23. September 2019

RWE-Manager Hans Bünting "Solarstrom ist in Deutschland bald wettbewerbsfähig"

Solaranlage auf Firmendach: RWE will verstärkt ins Geschäft mit der Fotovoltaik einsteigen

Der Energiekonzern RWE bricht mit der Vergangenheit. Statt auf Atomenergie setzen die Essener verstärkt auf Wind- und Solarstrom. Hans Bünting, Chef der Erneuerbarensparte Innogy, beschreibt den Kulturwandel im Konzern und wie RWE mit Fotovoltaik in Deutschland Geld verdienen will.

mm: Herr Bünting, der ausgeschiedene RWE-Chef Jürgen Großmann sagte vor wenigen Monaten, Fotovoltaik in Deutschland sei so sinnvoll wie Ananaszucht in Alaska. Nun steigen Sie trotzdem in das Geschäft ein. Ein bemerkenswerter Sinneswandel.

Bünting: Den Ananas-Vergleich unterstreiche ich - auch heute noch. Deutschland hat so viel Sonneneinstrahlung wie Alaska, das ist Fakt. Wir sehen aber, dass die Politik in Deutschland auf diese Erzeugungsform setzt und sie nutzen will. Da ist es doch selbstverständlich, wenn wir uns damit auch auseinandersetzen.

mm: Der Solarboom hat Sie also kalt erwischt.

Bünting: Die Entwicklung der Kosten für Fotovoltaikmodule haben wir vor drei Jahren so nicht gesehen. Das haben auch viele deutsche Solarunternehmen so nicht eingeschätzt, sonst müssten sie jetzt nicht in Insolvenz gehen. Offensichtlich auch nicht der Gesetzgeber, sonst hätte er die Absenkung der Förderung auch schon vorher beschlossen. Da wurde ja ebenfalls nachjustiert.

mm: RWE Börsen-Chart zeigen will in Deutschland nun Solardächer installieren. Wie Hunderte andere Firmen auch.

Bünting: Wir werden jetzt nicht überall in kleinen Einheiten Solardächer montieren, die dann RWE gehören. Wir werden zwar mit Partnern, allen voran den Kommunen, die Installation großer Fotovoltaik-Dachanlagen vorantreiben. Was RWE aber mehr interessiert ist die Integration in das System. Unsere Kompetenz ist es zu zeigen, wie das geht. Dieses Geschäft wird derzeit von unserem Schwesterunternehmen RWE Deutschland entwickelt.

mm: Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nützt Ihren neuen Solaraktivitäten, schadet aber dem klassischen Geschäft des RWE-Konzerns. Wenn noch mehr Solaranlagen gebaut werden, müssen Kohlekraftwerke häufiger vom Netz.

Bünting: Das ist so. Und ich sage es ganz offen. Der Zubau wird weiterhin ungehemmt weitergehen. Das ist nicht unbedingt gut. Denn so wird eine vergleichsweise ineffiziente Erzeugungsart gefördert. Auch der Netzausbau muss ja hinterherkommen. Wenn wir erst einmal die jetzt festgelegte Solarkapazität von 52 Gigawatt erreicht haben, und die Sonne scheint mal richtig, dann wird ganz Deutschland mit Strom aus Fotovoltaik überversorgt. Was machen wir dann mit dem Strom aus Wind, Biomasse und Blockheizkraftwerken?

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