Mittwoch, 26. Juni 2019

RWE Neuer Chef will Erneuerbare drastisch ausbauen

Offshore-Installationsschiff "Victoria Mathias": Startschuss in das Zeitalter kommerzieller Windkraftnutzung

Der designierte RWE-Chef Peter Terium hat angekündigt, bis 2025 Hochsee-Windparks mit einer Gesamtkapazität von mehr als 6500 Megawatt zu errichten. Darüber hinaus reagiert der Konzern auf den Preisverfall für Fotovoltaikmodule - und setzt dabei auf Afrika.

Bremerhaven - Der künftige RWE-Chef Peter Terium will die Position des zweitgrößten deutschen Energieversorgers bei erneuerbaren Energien deutlich ausbauen. Der Manager kündigte am Montag in Bremerhaven an, der Energiekonzern wolle bis 2025 Hochsee-Windparks mit einer Gesamtkapazität von über 6500 Megawatt errichten. Außerdem beabsichtige RWE sein Windportfolio an Land in Europa auf bis zu 5000 Megawatt zu verdreifachen.

"RWE war ja lange Zeit nicht gerade die Spitze der Bewegung im Bereich der Erneuerbaren. Das hat sich geändert", sagte der Manager, der am 1. Juli die Leitung des Konzerns von seinem häufig als Atomdinosaurier kritisierten Vorgänger Jürgen Großmann übernimmt.

Anlass für die Ankündigung war die Taufe des 100 Millionen Euro kostenden Spezialschiffs "Victoria Mathias" durch Großmanns Ehefrau Dagmar Sikorski-Großmann. Das RWE-Schiff soll die Errichtung von Windkraftanlagen spürbar beschleunigen.

Als weltweit erstes Schiff seiner Klasse kann es laut RWE Börsen-Chart zeigen bis zu vier Windturbinen der Multi-Megawattklasse gleichzeitig transportieren und anschließend in Wassertiefen von über 40 Meter errichten. Dazu verfügt es über ausfahrbare Stahlbeine, die auf dem Meeresboden für einen sicheren Stand sorgen. Außerdem besitzt das Schiff einen Kran mit 1000 Tonnen Hebekraft.

Auch Wasserkraft und Biomasse im Blick

Die Schiffstaufe sei für den Konzern der Startschuss in das Zeitalter kommerzieller Windkraftnutzung in der deutschen Nordsee, sagte Terium. Bereits im Sommer soll die "Victoria Mathias" die Fundamente für den Windpark Nordsee legen.

Der Offshore-Windpark Nordsee Ost ist eines der größten kommerziellen Windkraftprojekte vor der deutschen Küste. Rund 30 Kilometer nördlich von Helgoland will der Energiekonzern RWE mit 48 Windturbinen jährlich rund eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen. Die Baukosten beziffert RWE mit rund einer Milliarde Euro.

Einige Zahlen verdeutlichen die Dimension des Projekts. Mit einer Gesamthöhe von rund 160 Metern - vom Meeresspiegel an gerechnet - würden die Windkraftanlagen sogar den Kölner Dom überragen. Die Rotoren überstreichen die Fläche zweier Fußballfelder. Allein die Gondel mit der Windturbine hat die Abmessungen eines Einfamilienhauses und wiegt rund 350 Tonnen. Jede einzelne von ihnen deckt rechnerisch den Stromverbrauch von rund 6.000 Haushalten. Der Windpark erstreckt sich über eine Fläche von rund 24 Quadratkilometern.

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