Freitag, 24. Mai 2019

Gewinnschwäche RWE schafft die Wende noch nicht

Scheidender RWE-Chef Jürgen Grossmann: Teure Gaslieferverträge nachverhandelt

Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE leidet weiter unter dem Atomausstieg und einer schwächeren Nachfrage in Europa. Umsatz und Gewinn sanken im ersten Quartal 2012. Die Essener wollen dennoch im laufenden Jahr zumindest ihr Vorjahresergebnis halten.

Essen - Der Energiekonzern RWE kehrt nach der Atomwende noch nicht auf Wachstumskurs zurück. Nach Einbußen im ersten Quartal bestätigte der scheidende Vorstandschef Jürgen Großmann am Donnerstag die Prognose, wonach sowohl das betriebliche Ergebnis als auch das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis 2012 wohl auf dem Vorjahresniveau liegen werden.

Die Abschaltung des AKW Biblis und das weiter schwächelnde Gasgeschäft drückten auf die Erträge. Bei einem um ein Prozent auf 15,6 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz schrumpfte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 8,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Das nachhaltige Nettoergebnis fiel um 20 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Damit traf RWE Börsen-Chart zeigen in etwa die Markterwartungen.

Der RWE-Konkurrent Eon Börsen-Chart zeigen, dessen Hauptsitz nur 20 Autofahrminuten von der RWE-Zentrale in Essen entfernt liegt, hatte am Vortag für das erste Quartal ein Wachstum beim operativen Ergebnis vorgelegt, wobei der Konzern von einer Trendwende im lange verlustreichen Gasgeschäft profitierte. Auch RWE-Chef Großmann verwies darauf, eine Reihe von Gaslieferverträgen neu ausgehandelt zu haben. Er hat aber darüber hinaus noch großen Handlungsbedarf. "Unser besonderes Augenmerk gilt nun den verbleibenden Preisrevisionen mit drei großen internationalen Öl- und Gasunternehmen", schrieb er an die Aktionäre. Namen nannte er nicht. Es dürfte sich dabei aber unter anderem um den russischen Gazprom -Konzern handeln, bei dem auch Eon bislang auf Granit beißt.

RWE will die Gasverhandlungen 2013 abschließen und erwartet dann erheblich Entlastungen. Der Versorger schrieb in seiner Sparte Trading/Gas Midstream im ersten Quartal einen Verlust von rund 220 Millionen Euro. RWE müsse an seine Gaslieferanten zum Teil deutlich höhere Preise bezahlen als die eigenen Kunden berappen wollten, hieß es im Geschäftsbericht.

Neben den Einbußen in der Stromerzeugung schmolzen auch die Gewinne in Großbritannien und Osteuropa. Zulegen konnte hingegen die Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. Vorstandschef Großmann gibt im Juli den Chefposten an Peter Terium ab. Der 48-jährige Niederländer will das Geschäft mit Ökostrom ausbauen und zugleich 2013 und 2014 zusätzlich eine Milliarde Euro einsparen.

Er will darüber hinaus weitere Beteiligungen in Milliardenhöhe abstoßen. Zur Disposition steht unter anderem die Beteiligung an den Berliner Wasserbetrieben, der tschechische Ferngasnetzbetreiber NET4Gas sowie Geschäfte von RWE Dea.

kst/rtr

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