Dienstag, 10. Dezember 2019

Energiekonzerne in Not Solarboom drängt Kohlekraft ins Abseits

Neue Kohlekraftwerke: Cash Cow oder Milliardengrab?
manager magazin online

RWE, Eon, Vattenfall, EnBW stecken Milliarden in neue Steinkohlekraftwerke in Deutschland. Doch angesichts steigender Mengen Ökostrom im Netz ist fraglich, ob sich die Anlagen je rechnen werden. Händeringend sucht die Branche nach Auswegen.

Hamburg - Das braune Wasser der Süderelbe trennt in Hamburg-Moorburg die alte von der neuen Energiewelt. Träge schiebt sich der Strom in Richtung Nordsee, vorbei an Kränen, Baggern und den Rohbauten des Vattenfall-Kraftwerks.

Zwei gewaltige Kohleförderer recken ihre Arme schon über den Fluss. Ab 2014 soll alle fünf Tage ein Schiff mit 60.000 Tonnen Brennstoff anlegen. Etwa 1500 Arbeiter errichten die Zwei-Milliarden-Euro-Anlage am linken Elbufer, manche sind schon seit Jahren hier im Einsatz.

Schneller waren die Erbauer der beiden Windräder, die sich am Ufer gegenüber drehen. Eine Konkurrenz für die Kohleblöcke? Die Besuchsgruppenführerin von Vattenfall wiegelt ab. "Die haben eine Leistung von knapp zwei Megawatt. Man bräuchte 800 davon, um die Kapazität unseres Kraftwerks zu erreichen."

Wenn der Wind auffrischt, gehen Kohleblöcke vom Netz

Dennoch werden die Vattenfall-Leute wohl mit gemischten Gefühlen auf die Rotoren blicken, wenn ihre Blöcke einmal fertig sind. Nehmen die Flügel Tempo auf, ahnen die Kraftwerker: Ihr Kohlestrom ist weniger gefragt - zumal eine frische Brise in Norddeutschland an die 10.000 Windräder auf Touren bringen kann, und Tausende weitere sind geplant.

Für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken ist der rapide Ausbau der erneuerbaren Energien schon jetzt ein Ärgernis. Immer wenn der Wind kräftig weht und die Sonne scheint, müssen sie ihre Anlagen runterregeln. Denn die Erneuerbaren haben Vorrang im Netz.

Ob sich milliardenteure Kraftwerke wie Moorburg je rechnen werden, steht in den Sternen. "Im aktuellen Rahmen ist ein wirtschaftlicher Betrieb nicht ohne weiteres selbstverständlich", sagt Energieexperte Kurt Oswald von der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

Unter dieser Unsicherheit leiden praktisch alle namhaften Energieversorger in Deutschland. RWE Börsen-Chart zeigen baut in Hamm, Eon Börsen-Chart zeigen in Datteln, EnBW Börsen-Chart zeigen in Karlsruhe, GDF Suez Börsen-Chart zeigen in Wilhelmshaven - insgesamt entstehen Kraftwerke mit einer Leistung von 8500 Megawatt.

"Der Spaß, den die Betreiber mit den neuen Anlagen haben, hält sich in Grenzen", sagt der Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure, Erich Schmitz, gegenüber manager magazin online.

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