Freitag, 6. Dezember 2019

Leck an Gasplattform Explosion könnte Total 7,5 Milliarden kosten

Elgin PUQ: Links neben der Plattform treibt der Ölfilm auf dem Wasser
AP / Greenpeace
Elgin PUQ: Links neben der Plattform treibt der Ölfilm auf dem Wasser

Knapp neun Milliarden Euro an Börsenwert hat Total bereits verbrannt. Weitere Kosten in Höhe von 7,5 Milliarden könnten hinzukommen, sollte die leckgeschlagene Gasplattform in der Nordsee explodieren. Total will das Leck inzwischen entdeckt haben - doch das Abdichten dürfte Monate dauern.

Paris/London/Aberdeen - Nach Schätzungen von Analysten würde eine Explosion der Gasförderplattform "Elgin PUQ" in der Nordsee Kosten in Höhe von 7,5 Milliarden Euro nach sich ziehen. Bleibe die gefürchtete Explosion aus, die Reparatur ziehe sich jedoch über Monate hin, fielen noch rund 2,25 Milliarden Dollar an, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Sollte es Total gelingen, das Leck schnell in den Griff zu bekommen und die Produktion würde lediglich für zwei Wochen ausfallen, könnte der französische Ölmulti mit rund 113 Millionen Euro davonkommen, so die Analysten.

Im Vergleich zum britischen Konkurrenten BP rechnen die Experten damit, dass Total auch im schlimmsten Fall noch glimpflich davon kommt. BP hat inzwischen insgesamt 32 Milliarden Dollar für die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren zurückgelegt. Damals war die BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" explodiert. Über Wochen strömte Öl ungehindert in das Meer.

Total Börsen-Chart zeigen bekommt die Furcht vor einer Umweltkatastrophe derzeit an der Börse zu spüren. Das Unternehmen hat binnen zwei Tagen fast neun Milliarden Euro an Börsenwert eingebüßt. Am Mittwochabend hatte Total mitgeteilt, die undichte Stelle lokalisiert zu haben. "Wir glauben, wir wissen wo es ist", sagte der Sicherheitschef für Großbritannien, David Hainsworth, der BBC. Demnach befindet sich das Leck an einer vor einem Jahr stillgelegten Gasquelle in etwa 4000 Metern Tiefe unter dem Meeresboden. Die Nachricht konnte den Absturz der Aktie vorerst bremsen.

Nach Angaben von Hainsworth will das Unternehmen nun zwei Optionen zur Schließung des Lecks vorantreiben - neben einer bis zu sechs Monate dauernden Entlastungsbohrung auch einen so genannten "Kill". Dabei wird Schlamm von oben in das Bohrloch gepresst. Diese Variante ist schneller, gilt aber auch als risikoreicher. Es werde noch Tage dauern, bis alle Informationen gesammelt seien und eine Entscheidung getroffen werden könne, so Hainsworth. Bis dahin sollen beide Optionen vorangetrieben werden.

Vier Löschschiffe vor Ort

An der "Elgin PUQ" haben sich für den Fall einer Explosion zwei Löschschiffe in Position gebracht. Sie befänden sich in einem Sicherheitsabstand von rund 3,8 Kilometern von der Plattform entfernt, sagte ein Total-Sprecher. Insgesamt seien damit nun vier Schiffe im Notfall bereit, einzugreifen. Eines ist mit einem Unterwasserroboter ausgestattet, der mit einer Kamera das Leck an der Plattform untersuchen soll. Noch steht aber nicht fest, wann er zum Einsatz kommen könnte.

Das Gasleck am Sonntag entdeckt worden. Mehr als 300 Arbeiter mussten deshalb in Sicherheit gebracht werden, eine Sicherheitszone von zwei Seemeilen (rund 3,8 Kilometer) wurde eingerichtet. Experten warnten am Mittwoch vor einer drohenden Explosion, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der Fackel an der Spitze der Förderplattform in Kontakt kommt. Mit der Fackel wird normalerweise nicht genutztes Gas über der Plattform verbrannt.

Umweltschützer fürchten eine massive Verschmutzung durch das austretende Gas, das als Ölfilm auf der Wasseroberfläche treibt. Experten sprachen von "Todeszonen" und einem "Bohrloch der Hölle". Total bemühte sich zu beschwichtigen, das austretende Gasgemisch beinhalte keine giftigen Substanzen. "Wir können mit Sicherheit ausschließen, dass sich in dem Gas giftige Substanzen befinden", sagte eine Total-Sprecherin. Nach Angaben von Umweltschützern sollen jedoch giftige Schwefelverbindungen in dem Gas enthalten sein.

ts/rtr/dpa-afx/afp

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