Samstag, 23. November 2019

Gasleck in der Nordsee Windspiele am "Bohrloch der Hölle"

Desaster: Die teuersten Ölkatastrophen im Überblick
DPA/ Total

Wie akut ist die Explosionsgefahr der leckgeschlagenen Bohrinsel? Experten fürchten, Gas könne aufgewirbelt und von der brennenden Fackel entzündet werden. Der Total-Sicherheitschef verweist lapidar auf die Windvorhersage.

London - Der französische Energiekonzern Total versucht fieberhaft, das Leck an der Gasplattform "Elgin PUQ" in der Nordsee zu finden. Derweil strömt weiter unkontrolliert hoch giftiges, explosives Gas ins Meer. Die Plattform sein von einer Gaswolke umgeben, teilte Total mit.

Experten zeigten sich beunruhigt über die brennende Gasfackel an der Spitze der Plattform. Es könne zu einer Explosion kommen, wenn das durch ein Leck austretende Gas mit der Fackel in Kontakt kommt.

Der Total-Sicherheitschef für Großbritannien, David Hainsworth, wiegelte ab. Das ausströmende Gas werde durch den Wind von der Flamme weggeweht, sagte er am Dienstagabend der BBC. Laut Wetterbericht werde die Windrichtung in den kommenden Tagen gleich bleiben. Derzeit würden Möglichkeiten geprüft, die Fackel zu löschen.

Ein Experte der Universität Liverpool zeigte sich überrascht, dass die Flamme drei Tage nach Stilllegung der Plattform noch nicht erloschen sei. Die Explosionsgefahr sei "sehr schwer vorauszusagen". Vermutlich konzentriere sich das ausströmende Gas am Fuße der Plattform. Durch Windwirbel könnte es jedoch in Kontakt mit der Fackel geraten. Solange die Flamme nicht gelöscht sei, könne aus Sicherheitsgründen niemand sich der Anlage nähern.

Gezielte Explosion nicht ausgeschlossen

Total flog nach eigenen Angaben bis zu 20 Spezialisten ein und heuerte den Dienstleister Wild Well Control an, der auch bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zum Einsatz kam. Der Konzern teilte mit, er halte sich alle Optionen offen, darunter auch eine Entlastungsbohrung, was aber rund sechs Monate dauern dürfte. Die andere Alternative sei das "Kill"-Verfahren mittels einer gezielten Explosion, was aber deutlich riskanter wäre.

Ein Total-Sprecher bezeichnete die Gefahr, dass die Plattform von selbst explodieren könne, als gering. "Aber man sollte niemals nie sagen", betonte er und schloss auch eine Vergrößerung der Sperrzone nicht aus. Der Vorfall weckt Erinnerungen an die Explosion der BP-Förderplattform "Deepwater Horizon" und die anschließende Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren.

Die Behörden haben eine Sperrzone um die Bohrinsel eingerichtet. Wie die britische Küstenwache mitteilte, müssen Schiffe mindestens zwei Seemeilen (rund 3,8 Kilometer) Abstand zur Plattform halten, Flugzeuge mindestens drei Seemeilen (rund 5,7 Kilometer). Nach Einschätzung von Total traten von Sonntag bis Dienstag insgesamt 23 Tonnen flüssiges Gas aus. Auf dem Wasser habe sich ein Film gebildet. Umweltaktivisten sprachen von einem "Bohrloch der Hölle".

An der Pariser Börse verlor die Aktie von Total Börsen-Chart zeigen sechs Prozent und war damit der mit Abstand größte Verlierer im Pariser Leitindex CAC 40 Börsen-Chart zeigen sowie im Euro Stoxx 50 Börsen-Chart zeigen. Der Kurssturz vernichtete mehr als fünf Milliarden Euro an Marktkapitalisierung von Total und drückte die Titel auf ein Zweieinhalb-Monatstief.

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