Dienstag, 12. November 2019

Atomausstieg Eon schreibt ersten Verlust überhaupt

Biomassekraftwerk im britischen Lockerbie: Eon muss neue Geschäftsfelder erschließen

Der Atomausstieg brockt Eon ein Minus von mehr als zwei Milliarden Euro ein. Die Aktie legt dennoch zu, weil Chef Johannes Teyssen Besserung in Aussicht stellt. Zudem ist dem Konzern ein Durchbruch im Gasgeschäft gelungen.

Düsseldorf - Eon habe im Geschäftsjahr 2011 einen Fehlbetrag von 2,22 Milliarden Euro verbucht, teilte der größte deutsche Versorger mit. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 5,85 Milliarden Euro erzielt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 30 Prozent auf 9,29 Milliarden Euro gefallen.

Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Überschuss sank um 49 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, teilte Eon mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem nachhaltigen Überschuss von 2,37 Milliarden Euro gerechnet. Die Eon-Aktionäre sollen eine Dividende von einem Euro je Aktie erhalten nach 1,50 Euro in den beiden Vorjahren.

Die Energiewende trifft die Versorger hart: Neben Eon Börsen-Chart zeigen müssen auch RWE Börsen-Chart zeigen, EnBW Börsen-Chart zeigen und Vattenfall Börsen-Chart zeigen Atomkraftwerke abschalten. Die Konzerne suchen nach neuen Geschäftsmodellen in Deutschland, vor allem im Bereich Erneuerbare Energien. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrieb auch RWE einen Milliardenverlust und kappte die Dividende. EnBW will 2012 eine Kapitalerhöhung durchführen. Zahlen von Vattenfall werden im April erwartet.

Erneuerbare Energien wachsen weiter

Schon in diesem Jahr soll es aber langsam wieder bergauf gehen. "Wir werden schon 2012 einen Ergebnisanstieg sehen, der sich in den Folgejahren fortsetzen wird", sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen am Mittwoch in Düsseldorf laut Mitteilung. Eine überraschende Wende könnte dabei helfen: Erst am Vorabend hatte der Konzern mit der norwegischen Statoil seine Gaszulieferverträge neu verhandelt. Die Aktie legte zum Handelsauftakt um gut 3,5 Prozent zu.

Laut Teyssen hat der Konzern 2011 die Talsohle durchschritten und erwarte in diesem Jahr wieder einen Anstieg des Ergebnisses. So solle das Ebitda auf 9,6 bis 10,2 Milliarden Euro klettern. Der nachhaltige Überschuss solle zwischen 2,3 und 2,7 Milliarden Euro betragen. Der Konzern peile für 2012 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie an.

Der Umsatz stieg zwar im Gesamtjahr 2011 dank eines regen Strom- und Gashandels um 22 Prozent auf 113 Milliarden Euro. Dabei belasteten aber allein die sofortige Stilllegung einiger Kernkraftwerke nach dem Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg und die Kernbrennstoffsteuer das Ergebnis um 2,5 Milliarden Euro.

Auch eine niedrigere Auslastung von Kraftwerken in Südeuropa angesichts der Euro-Schuldenkrise und ein Ergebnisrückgang beim Gas machten sich negativ bemerkbar. Der Handel war trotz hoher Volumen nicht auskömmlich und rutschte ins Minus. Zuwächse verzeichnete Eon bei den erneuerbaren Energien dank neuer Kapazitäten bei Windkraft und Solar sowie in Russland.

ts/rtr/dpa-afx

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