Samstag, 19. Oktober 2019

Eon, RWE und Co. Atomriesen auf Ökotrip

Rückenwind: Welche Versorger mit erneuerbaren Energien Gewinne machen
Eon

Lange waren die erneuerbaren Energien Feindbild Nummer eins für die Stromkonzerne. Inzwischen verdienen sie selbst prächtig an Sonne und Wind, wie die Eon-Bilanz zeigt. Bald könnte Ökostrom sogar mehr Gewinn bringen als Atom und Kohle.

Hamburg - Dass die Vorstände des Energieversorgers Eon sich einmal um den zügigen Ausbau der Windenergie in Deutschland sorgen würde, hätten sie vor wenigen Jahren vermutlich selbst nicht geglaubt. Doch nun dies: "Die Situation ist katastrophal", schlug Konzernmanager Mike Winkel unlängst Alarm. Aufgrund fehlender Netzanschlüsse drohten Verzögerungen von mehr als einem Jahr bei zahlreichen Offshoreprojekten in der Nordsee.

Der Hilfeschrei aus Düsseldorf kommt nicht von ungefähr. Die Kabelprobleme bedrohen Eons wachstumsstärkstes Segment - die erneuerbaren Energien. Im vergangenen Jahr hat die Sparte Climate and Renewables ihren Ertrag erneut gesteigert. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen beträgt er inzwischen 1,46 Milliarden Euro, wie der Konzern heute mitteilte. Damit tragen die erneuerbaren Energien fast jeden sechsten Euro zum Ebitda bei. Alle anderen Segmente mit Ausnahme des Russlandgeschäfts rutschten ab.

Nicht nur für Eon Börsen-Chart zeigen ist Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse inzwischen eine Säule des Geschäftsmodells geworden. Auch RWE Börsen-Chart zeigen, Vattenfall und EnBW sowie ausländische Versorger wie EdF Börsen-Chart zeigen (Frankreich), Enel Börsen-Chart zeigen (Italien) oder Iberdrola Börsen-Chart zeigen (Spanien) mischen seit einigen Jahren den Ökomarkt auf.

Den hatten zuvor unzählige Kleininvestoren dominiert, während die Versorger den Vormarsch der Erneuerbaren mit teils polemischen Anzeigenkampagnen stoppen wollten. "Der Markt wird umverteilt - zulasten der großen Versorger", sagt WestLB-Analyst Peter Wirtz mit Blick auf die Dezentralisierung der Stromerzeugung.

Ganz freiwillig ist der Schwenk nicht

Doch die Konzerne treten die Flucht nach vorn an - und erzielen erste Erfolge. "Dass die Erneuerbaren einmal zum Ergebnistreiber werden, hätten unsere Kraftwerker vor ein paar Jahren nicht geglaubt", heißt es bei einem Energieversorger.

Ganz freiwillig haben die Topmanager der Energiemanager indes nicht umgedacht. Auch Atomausstieg, Emissionshandel und attraktive gesetzliche Förderprogramme ließen den Versorgern praktisch keine andere Wahl, als sich selbst mit dem vorher verpönten "Zufallsstrom" zu beschäftigen.

Jetzt haben die Konzerne aus der Not eine Tugend gemacht. "Die Versorger haben lange geschlafen, nun sind sie aufgewacht", sagt NordLB-Analyst Heino Hammann. Als Eon, RWE und die anderen vor einigen Jahren in das Segment eingestiegen sind, hätten sie ihr Engagement nicht ernst gemeint. "Inzwischen hat sich die Lage gedreht."

Dass es die Versorger inzwischen ernst meinen, untermauern sie mit ambitionierten Investionsprogrammen. Eon will in den kommenden fünf Jahren sieben Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. RWE plant neue Anlagen im Wert von einer Milliarde Euro pro Jahr und will bis 2020 jede fünfte Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Sein Unternehmen wolle bei der Energiewende "Teil der Lösung" sein, betonte RWE-Chef Peter Terium.

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