Mittwoch, 11. Dezember 2019

Energieversorger Atomausstieg treibt EnBW in die Verlustzone

Scheidender EnBW-Chef: Hans-Peter Villis

Der Atomausstieg macht EnBW zu schaffen: In der Bilanz des baden-württembergischen Versorgers steht ein dickes Minus. Doch die für 2012 geplante Kapitalerhöhung dürfte EnBW wieder Luft zum Atmen verschaffen.

Karlsruhe - Wegen außerordentlicher Belastungen habe sich ein Fehlbetrag von 816 Millionen Euro ergeben, teilte EnBW mit. Im Vorjahr hatte der Versorger noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. "In Folge der energiepolitischen Beschlüsse sind und werden unsere Geschäftsergebnisse erheblich belastet", sagte der scheidende Vorstandschef Hans-Peter Villis bei der Vorstellung der Zahlen. EnBW werde auch seine ursprünglichen Wachstums- und Ergebnisziele für 2012 und 2013 nicht erreichen,

Beim Umsatz immerhin konnte EnBW Börsen-Chart zeigen zulegen. Er stieg von 17,5 auf knapp 18,8 Milliarden Euro. Davon wurden knapp 16,2 Milliarden Euro mit Strom verdient. Dies ist im Vergleich zu 2010 ein Plus von 7,9 Prozent.

Noch in diesem Jahr solle die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Energiewende über die Bühne gehen, sagte Villis. Die Bereitschaft dazu zeige das Vertrauen der beiden Großaktionäre, des Landes Baden-Württemberg und des kommunalen Zweckverbandes OEW. Beide hatten grundsätzlich grünes Licht für die auf 800 Millionen Euro taxierte Kapitalerhöhung gegeben. Villis äußerte sich nicht zum Zeitplan. Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) hatte die Erhöhung für Sommer in Aussicht gestellt.

Aktionäre müssen im Gegenzug mit einer geringeren Ausschüttung rechnen. Die Dividende soll auf 85 Cent (2010: 1,53 Euro) gesenkt werden. Damit kassieren das Land und die OEW jeweils knapp 100 Millionen Euro. Für Baden-Württemberg reicht dies nicht, um wie erhofft daraus die Zinsen auf den Milliardenkredit zur Übernahme des Anteile des französischen Energiekonzerns EdF vor einem Jahr zu zahlen.

Für Villis war es die letzte Präsentation einer stellte EnBW-Jahresbilanz. Er wird den Versorger spätestens im Herbst verlassen.

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