Neuer RWE-Chef Terium Nur nicht zu nett sein

Peter Terium muss RWE schneller umbauen als es vielen im Unternehmen lieb sein dürfte. Der Nachfolger von Noch-Chef Jürgen Großmann übernimmt einen Konzern, der ein Jahr nach Fukushima noch immer nach Orientierung sucht.
Bald Chef: Peter Terium muss RWE wieder auf Trab bringen

Bald Chef: Peter Terium muss RWE wieder auf Trab bringen

Hamburg - Diesen Satz wird Peter Terium so schnell wohl nicht wieder los. Vom derzeitigen RWE-Chef Jürgen Großmann unterscheiden ihn nur "23 Zentimeter und 70 Kilogramm", ließ der kommende Vorstandsvorsitzende seine Zuhörer kürzlich wissen. Einen Strategieschwenk werde es nicht geben, wenn er im Sommer das Zepter übernimmt.

Dabei legt das jüngste Zahlenwerk der Essener nahe, dass es so nicht weitergehen kann. Um ein Drittel ist der Nettogewinn eingebrochen, für die Aktionäre gibt es eine Dividende von nur noch zwei Euro. In den Vorjahren waren es 3,50 Euro gewesen. Und die Prognosen lassen eine durchgreifende Erholung nicht erwarten.

Die Bilanz für 2011 zeigt unmissverständlich: Das alte Geschäftsmodell von RWE trägt nicht mehr. Die Energiemärkte wandeln sich rasant, die Strukturen des Essener Energieriesen kommen da kaum mit. Terium wird sich also Feinde auch im eigenen Unternehmen machen müssen, will er die Gunst der Märkte für RWE  zurückgewinnen.

Niedrige Strompreise schmälern Aussichten

"Die Herausforderungen, vor denen RWE steht, haben sich gewaschen", sagt Analyst Bernhard Jeggle von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Atomausstieg, niedrige Strompreise, schwache oder gar negative Margen im Gasgeschäft - die Liste der Probleme ist nicht neu, aber die Folgen werden zunehmend schmerzhaft.

• Ganz besonders hat der 2011 beschleunigte Atomausstieg RWE die Bilanz verhagelt. Jedes abgeschriebene Kraftwerk brachte dem Unternehmen täglich etwa eine Millionen Euro Gewinn, schätzen Analysten. Die schwarz-gelbe Regierung machte die bereits sicher geglaubte Laufzeitverlängerung unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima rückgängig. Keinesfalls strich sie jedoch die Brennelementesteuer. Diese war im Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung gerade erst eingeführt worden.

• Die Hoffnung auf steigende Strompreise infolge der Energiewende währte nur wenige Monate. Inzwischen haben sich die Preise wieder auf Vor-Fukushima-Niveau eingependelt - weil die Nachfrage schwächelt, der Winter überwiegend mild war und das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen rasant steigt.

• Das Gasgeschäft läuft nach wie vor schlecht. Mit wichtigen Lieferanten wie Gazprom hat RWE sich bisher nicht auf günstigere Preise einigen können. Die bestehenden Kontrakte sehen Konditionen vor, die weit über dem Weltmarktpreis liegen. Da der Ölpreis zuletzt kräftig gestiegen ist, dürfte der daran gekoppelte Gaslieferpreis bald nachziehen. Zudem hat sich eine Kooperation mit Gazprom zum Betrieb von Kraftwerken zerschlagen.

"Was jetzt kommt, tut richtig weh"

Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass Terium sich gegen den Abwärtsstrudel stemmen will. Investoren und Analysten beeindruckt vor allem das verschärfte Sparprogramm, mit dem der künftige Chef eine zusätzliche Milliarde Euro einsparen will. "Positive Effekte" verspricht sich WestLB-Analyst Peter Wirtz. Endlich hole RWE Maßnahmen nach, die der Chef des Konkurrenten Eon , Johannes Teyssen, schon länger angekündigt hatte.

Die geplanten Restrukturierungen, so die Hoffnung vieler Geldgeber, könnten das massive Desinvestitionsprogramm zum Teil überflüssig machen. Tatsächlich kündigte RWE am Dienstag bereits an, nur noch sieben statt elf Milliarden Euro durch den Verkauf von Unternehmensanteilen erlösen zu wollen. Die Sorge der Investoren vor dem Verlust gewinnbringender Sparten wie RWE Dea ist damit gedämpft.

"Nun besteht die Möglichkeit, dass RWE weniger verkaufen muss", sagt LBBW-Analyst Jeggle. Auch die herbstliche, erfolgreiche Kapitalerhöhung hat den Druck gemindert. An der Börse legten RWE-Papiere seit Herbst fast 50 Prozent zu. Manche Investoren wittern ein Comeback des Essener Konzerns.

Mehr Worte als Taten

Bisher sind es jedoch vor allem Ankündigungen, aus denen sich RWEs neue Vitalität speist. Zusätzlich 3500 Arbeitsplätze will Terium in den kommenden Jahren abbauen, bisher galt die Zahl von 8000 Jobs.

Doch einfache Mittel wie Altersteilzeit und Frühverrentung dürften weitgehend ausgereizt sein. "Was jetzt kommt, tut richtig weh", sagt Jeggle. Mit anderen Worten: Entweder RWE zahlt üppige Abfindungen oder Widerstand aus den Reihen der Mitarbeiter verzögert die Maßnahmen.

Wieviel vom eingesparten Geld danach als Gewinn übrig bleibt, ist ohnehin ungewiss. Zu rasant verändert sich das operative Geschäft auf dem Energiemarkt. Obwohl die Konjunktur in Teilen Europas besser läuft als erwartet, bleiben die Margen klein. "Es wird nicht besser laufen, sondern schlechter", sagt WestLB-Analyst Wirtz. "Es lassen sich keine fundamentale Entwicklungen finden, die das Gegenteil nahelegen."

Kein Wunder, dass viele Investoren von Terium mehr als Sparprogramme und Beteiligungsverkäufe verlangen: Ein Geschäftsmodell, mit dem RWE langfristig an alte Erfolge anknüpfen kann.

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