Mittwoch, 20. November 2019

Neuer RWE-Chef Terium Nur nicht zu nett sein

Bald Chef: Peter Terium muss RWE wieder auf Trab bringen

Peter Terium muss RWE schneller umbauen als es vielen im Unternehmen lieb sein dürfte. Der Nachfolger von Noch-Chef Jürgen Großmann übernimmt einen Konzern, der ein Jahr nach Fukushima noch immer nach Orientierung sucht.

Hamburg - Diesen Satz wird Peter Terium so schnell wohl nicht wieder los. Vom derzeitigen RWE-Chef Jürgen Großmann unterscheiden ihn nur "23 Zentimeter und 70 Kilogramm", ließ der kommende Vorstandsvorsitzende seine Zuhörer kürzlich wissen. Einen Strategieschwenk werde es nicht geben, wenn er im Sommer das Zepter übernimmt.

Dabei legt das jüngste Zahlenwerk der Essener nahe, dass es so nicht weitergehen kann. Um ein Drittel ist der Nettogewinn eingebrochen, für die Aktionäre gibt es eine Dividende von nur noch zwei Euro. In den Vorjahren waren es 3,50 Euro gewesen. Und die Prognosen lassen eine durchgreifende Erholung nicht erwarten.

Die Bilanz für 2011 zeigt unmissverständlich: Das alte Geschäftsmodell von RWE trägt nicht mehr. Die Energiemärkte wandeln sich rasant, die Strukturen des Essener Energieriesen kommen da kaum mit. Terium wird sich also Feinde auch im eigenen Unternehmen machen müssen, will er die Gunst der Märkte für RWE Börsen-Chart zeigen zurückgewinnen.

Niedrige Strompreise schmälern Aussichten

"Die Herausforderungen, vor denen RWE steht, haben sich gewaschen", sagt Analyst Bernhard Jeggle von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Atomausstieg, niedrige Strompreise, schwache oder gar negative Margen im Gasgeschäft - die Liste der Probleme ist nicht neu, aber die Folgen werden zunehmend schmerzhaft.

• Ganz besonders hat der 2011 beschleunigte Atomausstieg RWE die Bilanz verhagelt. Jedes abgeschriebene Kraftwerk brachte dem Unternehmen täglich etwa eine Millionen Euro Gewinn, schätzen Analysten. Die schwarz-gelbe Regierung machte die bereits sicher geglaubte Laufzeitverlängerung unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima rückgängig. Keinesfalls strich sie jedoch die Brennelementesteuer. Diese war im Zusammenhang mit der Laufzeitverlängerung gerade erst eingeführt worden.

• Die Hoffnung auf steigende Strompreise infolge der Energiewende währte nur wenige Monate. Inzwischen haben sich die Preise wieder auf Vor-Fukushima-Niveau eingependelt - weil die Nachfrage schwächelt, der Winter überwiegend mild war und das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen rasant steigt.

• Das Gasgeschäft läuft nach wie vor schlecht. Mit wichtigen Lieferanten wie Gazprom hat RWE sich bisher nicht auf günstigere Preise einigen können. Die bestehenden Kontrakte sehen Konditionen vor, die weit über dem Weltmarktpreis liegen. Da der Ölpreis zuletzt kräftig gestiegen ist, dürfte der daran gekoppelte Gaslieferpreis bald nachziehen. Zudem hat sich eine Kooperation mit Gazprom zum Betrieb von Kraftwerken zerschlagen.

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