Dienstag, 12. November 2019

Kältewelle Warum der Stromausfall bisher ausfällt

Steigender Energieverbrauch: Wenn die Heizungen auf Hochtouren laufen, wächst die Nachfrage nach Strom, weil die Pumpen mehr leisten müssen

Kein Blackout trotz sibirischer Kälte - die Stromversorgung in Deutschland läuft auch ohne die acht im Frühjahr abgeschalteten Kernkraftwerke stabil. Wind und Sonne bringen sogar Überschüsse, die ausgerechnet ins Atomstromland Frankreich exportiert werden. Doch die Lage bleibt angespannt.

Hamburg - Der Blick aufs Thermometer löst bei den Mitarbeitern des Netzbetreibers Amprion derzeit gemischte Gefühle aus. "Bleibt es an mehreren Tagen bei zehn bis 15 Grad unter Null, wird die Lage im Rhein-Main-Gebiet kritisch", sagt ein Sprecher des größten deutschen Netzbetreibers gegenüber manager magazin.

Weil die beiden Atommeiler in Biblis seit März 2011 stillstehen, gehört die Frankfurter Region zu den am stärksten von einem Stromausfall bedrohten Gebieten. Amprion musste bisher jedoch keines seiner Reservekraftwerke anfahren oder Stromverbraucher vom Netz nehmen lassen, weil die Temperaturen noch über der kritischen Marke lagen.

Bundesweit geben die Netzbetreiber derzeit Entwarnung. Obwohl der Winter mit Macht gekommen ist und Plusgrade nicht in Sicht sind, drohe kein Blackout. "Wir erwarten keine kritische Situation, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht verschlechtern", sagt der Chef des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, mit Blick auf die kommenden Tage.

Konventionelle Kraftwerke laufen auf Hochtouren

Besonders für die frühen Abendstunden, wenn Heizungen, Fabriken und Beleuchtung auf Hochtouren laufen, hatten Experten vor Blackouts gewarnt. Hintergrund ist die Energiewende, die die Bundesregierung angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima im vergangenen Frühjahr beschlossen hatte. Acht Atomkraftwerke gingen damals binnen Tagen vom Netz.

Dass in Deutschland momentan dennoch nicht die Lichter ausgehen, hat vor allem drei Gründe:

• Die Kältewelle geht mit einem steten Wind einher, meist aus östlicher Richtung. Die Windkraftanlagen haben seit Beginn der Frostperiode daher relativ verlässlich Strom eingespeist - mit einigen Tausend Megawatt Leistung, was mit der Produktionskraft mehrerer konventioneller Großkraftwerke vergleichbar ist.

• Dank des sonnigen Wetters stützen mittags auch die Solaranlagen die Stromversorgung - mit einer für die Jahreszeit recht hohen Leistung von bis zu 10.000 Megawatt, wie die Leipziger Strombörse meldet. Saison- und Pumpspeicherkraftwerke können daher mittags gedrosselt werden und stattdessen mehr Strom am frühen Abend liefern.

• Praktisch alle konventionellen Kraftwerke stehen derzeit zur Verfügung. Auch der Frost beeinträchtigt die Stromproduktion in Braun- und Steinkohlekraftwerken bisher nicht. In früheren Jahren hatte es Probleme mit festgefrorener Braunkohle in Zwischenlagern gegeben. Auch zugefrorene Flüsse erhöhen die Engpass-Gefahr, weil Schiffe mit dem Brennstoff nicht mehr durchkommen.

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