Expansion Eon steigt bei brasilianischem Versorger ein

Nach dem gescheiterten Versuch in Portugal ist Eons Chef Johannes Teyssen in Brasilien fündig geworden. Eon hat den Einstieg bei MPX angekündigt. Um größter privater Energieversorger Brasiliens zu werden, schließt Eon ein Bündnis mit dem reichsten Mann Brasiliens, dem Unternehmer Eike Batista.
Expansion: Eon-Chef Teyssen schaut sich angesichts der gesättigten europäischen Märkte in den Schwellenländern um

Expansion: Eon-Chef Teyssen schaut sich angesichts der gesättigten europäischen Märkte in den Schwellenländern um

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Düsseldorf - Der vom Atomausstieg gebeutelte Energiekonzern Eon will zum größten privaten Energieversorger Brasiliens aufsteigen. Dazu schließt der Konzern ein Bündnis mit dem Unternehmer Eike Batista: Gemeinsam mit dessen Energieunternehmen MPX will der Düsseldorfer Energieriese in Südamerika Kraftwerksprojekte mit einer Gesamtkapazität von rund 20.000 Megawatt entwickeln und sich einen Anteil von 20 Prozent am Erzeugungsmarkt des wachstumsstarken Schwellenlandes sichern. Dies kündigten beide Seiten am Mittwoch an.

E.on-Chef Johannes Teyssen betonte, die Investition in den brasilianischen Markt sei der erste Meilenstein bei der Umsetzung der angekündigten strategischen Expansion des Konzerns in ausgewählte, wachstumsstarke Märkte außerhalb Europas. Weitere Engagements in Indien und der Türkei könnten folgen.

Welche Bedeutung der brasilianische Markt künftig für Deutschlands größten Energieversorger haben könnte, macht eine einzige Zahl deutlich. Die angestrebte Gesamtkapazität von 20.000 Megawatt - das ist immerhin die Leistung von fast 20 Atomkraftwerken - entspreche über den Daumen gepeilt einem Investitionsvolumen von 40 Milliarden Dollar (31,5 Milliarden Euro), sagte Batista.

Der Einstieg in Brasilien kommt Eon  allerdings zunächst längst nicht so teuer. Zur Bekräftigung der Partnerschaft wird sich das Unternehmen zunächst mit 10 Prozent an Batistas Energieunternehmen MPX beteiligen und dafür rund 350 Millionen Euro zahlen. Die Entwicklung der Kraftwerksprojekte soll dann in einem Gemeinschaftsunternehmen erfolgen, an dem beide Unternehmen mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Dort werde Schritt für Schritt über die Projekte entschieden, sagte Teyssen.

Großes Portfolio bereits genehmigter Energieprojekte

MPX ist nach Einschätzung von E.on ein idealer Partner für die Eroberung des brasilianischen Marktes. Das Unternehmen verfügt über das größte Portfolio bereits genehmigter Energieprojekte in Südamerika - insgesamt 14.000 Megawatt. Mehr als drei Viertel davon sollen künftig gemeinsam entwickelt werden. Außerdem besitzt Batista eigene Kohleminen und Gasvorkommen, die die Versorgung der Kraftwerke sicherstellen können.

Geplant ist aber nicht nur der Bau von Kohle- und Gaskraftwerken für den energiehungrigen brasilianischen Markt, sondern auch die Errichtung von Wind- und Solaranlagen.

Auch der brasilianische Milliardär betonte: "Für uns ist es eine Traumhochzeit." Man habe großen Respekt vor dem technologischen Know-how des deutschen Partners. Der Unternehmer, der in Aachen Ingenieurwissenschaften studierte, gilt als reichster Mann Brasiliens. Das US-Magazin "Forbes" schätzt Batistas Vermögen auf 30 Milliarden Dollar (23,5 Milliarden Euro).

Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft allerdings noch nicht. Mit dem Vollzug der Transaktion rechnen die Konzerne im zweiten Quartal dieses Jahres. Für Teyssen ist das Bündnis dennoch ein wichtiger Etappensieg. Noch kurz vor Weihnachten war er im Bieterkampf um eine Beteiligung an dem portugiesischen Versorger EDP einem chinesischen Konkurrenten unterlegen.

Mit dem Engagement in Brasilien zeigt Eon, dass es einen Zugang zu den für künftiges Wachsum wichtigen Schwellenländern finden kann. Mit einem Umsatz von rund 93 Milliarden Euro (2010) ist Eon zudem ein gewichtiger weltweiter Spieler. EU-Kommissar Günther Oettinger hatte den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE erst am Vortag zu einer Fusion geraten, um aus der "dritten Liga" herauszukommen.

Da die Wachstumschancen in Europa begrenzt sind, ist Teyssen seit über einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Auslandsmarkt. Neben Brasilien hat er auch Indien und die Türkei ins Visier genommen. Ende 2012 war Eon allerdings im Rennen um den Einstieg beim portugiesischen Stromunternehmen EDP an einem chinesischen Konkurrenten gescheitert. EDP verfügt ebenfalls über ein starkes Standbein in Brasilien.

mg/rtr/dapd

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