Montag, 23. September 2019

Solar-Millennium-Pleite 30.000 Anleger bangen um ihr Geld

Solar-Millennium-Kraftwerksprojekt in Kalifornien: Pleite trifft 16.000 Kleinanleger
Solar Millennium
Solar-Millennium-Kraftwerksprojekt in Kalifornien: Pleite trifft 16.000 Kleinanleger

Kapitale Bauchlandung: Solar Millennium ist Pleite, 30.000 Anleger bangen um ihr Geld. Vor allem die 14.000 Aktionäre des Unternehmens müssen nach Angaben des Insolvenzverwalters jetzt um ihr Investment zittern. Ob das Unternehmen gerettet werden kann scheint unsicherer als zuvor.

Erlangen - Von der Pleite des Solarkraftwerkentwicklers Solar Millennium sind offenbar neben den Angestellten auch rund 30.000 Anleger betroffen. Darunter müssten vor allem die 14.000 Aktionäre des Unternehmens um ihr Geld bangen, deutete der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm heute ach einem Blick in die Bücher des Unternehmens an.

Die Ansprüche der Aktionäre rangieren laut Böhm hinter denen aller anderen Gläubiger. Erst wenn deren Forderungen zu 100 Prozent erfüllt seien, sähen die Anteilseigner des Unternehmens Geld. Zu den Gläubigern gehören auch mehrere große Firmen, die dem Solarkraftwerkshersteller noch kurz vor der Insolvenz Millionenbeträge geliehen hatten.

Der Essener Industriedienstleister Ferrostaal beispielsweise gab Solar Millennium noch 2011 ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von rund 40 Millionen Euro. Damit sollte ein Kraftwerkspark in Spanien vorfinanziert werden.

Darüber hinaus hat Solar Millennium Börsen-Chart zeigen 16.000 Privatanleger sogenannte Inhaberteilschuldverschreibungen verkauft. Diese Gläubiger, die der Erlanger Firma Geld für den Traum von der sauberen Energie geliehen hatten, teilen sich nun Forderungen in Höhe von fast 227 Millionen Euro; mit dem Geld hat Solar Millennium seine Kraftwerksprojekte finanziert. Nach Schätzungen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger haben die Kleinanleger durchschnittlich 12.000 Euro angelegt

Insolvenzverwalter Böhm: "Verkaufsprozess läuft an"

Viele Geldgeber müssten jetzt mit Verlusten rechnen, deren Höhe noch nicht absehbar sei, sagte Insolvenzverwalter Böhm. Allerdings seien viele Projekte noch in einer frühen Phase gewesen, was ihren Wert schmälert. Solar Millennium hatte kurz vor Weihnachten Insolvenz beantragt.

Insolvenzverwalter Böhm will nach eigenen Angaben von heute den Geschäftsbetrieb des insolventen Unternehmens aufrecht erhalten, "um eine Investorenlösung zu ermöglichen", also das Unternehmen meistbietend zu verkaufen. Böhms Ziel sei es, die Projektgesellschaften als Paket oder einzeln an einen oder mehrere Investoren loszuschlagen. Das gelte auch für die amerikanische Solar-Millennium-Tochter Solar Trust sowie die weiteren Unternehmensbeteiligungen.

Solar Millennium unterhält insgesamt rund 60 Projektgesellschaften und Beteiligungen an Unternehmen in zahlreichen Ländern weltweit, vor allem in Deutschland, den USA und Spanien, aber auch in Ländern wie Israel, Marokko, Türkei und Ägypten. Die Projekte befinden sich überwiegend in sehr frühen Entwicklungsstadien: Nur ein Kraftwerk ist bereits fertig gestellt; ein weiteres befindet sich in Bau.

kst/dpa/dapd

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