Sonntag, 26. Januar 2020

Kraftwerke Bündnis zwischen RWE und Gazprom geplatzt

Verhandlungen in Moskau beendet: RWE-Chef Jürgen Großmann

RWE-Chef Jürgen Großmann hat es nicht geschafft, sich mit dem russischen Gasriesen Gazprom einen starken Partner für Investitionen ins Boot zu holen. Nach monatelangen Verhandlungen erklärten beide Unternehmen die Gespräche über eine Kooperation beim Bau neuer Kraftwerke für beendet.

Moskau - Der scheidende RWE-Chef wollte den unter Druck geratenen Energiekonzern durch eine Partnerschaft mit Gazprom wieder auf einen stabilen Kurs bringen. Denn nach dem Atomausstieg muss RWE in den Bau von neuen Gas- und Kohlekraftwerken investieren - zwölf Milliarden Euro sind für die Anlagen mit einer Leistung von mehr als 12.000 Megawatt vorgesehen. Bis Ende 2014 sollen sie ans Netz gehen.

Mit Gazprom Börsen-Chart zeigen verhandelte Großmann darüber, wie bestehende oder neu zu errichtende Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht und so die Kosten geteilt werden könnten. "Wir haben sehr konstruktive Gespräche geführt. Bedauerlicherweise konnten wir uns dennoch nicht auf einen für beide Seiten tragfähigen Rahmen für eine Zusammenarbeit einigen", erklärte Großmann.

Die beiden Konzerne hatten im Juli exklusive Gespräche vereinbart. Die zunächst auf drei Monate angesetzten Verhandlungen wurden im Oktober bis zum Jahresende verlängert.

Mit dem Atomausstieg gehen RWE die bisherigen Gewinnbringer verloren. Der Versorger stellt sich auf sinkende Gewinne ein, der Aktienkurs schmilzt dahin und es drohen weitere Herabstufungen durch Ratingagenturen. Unter dem Druck der Schulden in Höhe von rund 30 Milliarden Euro treibt Großmann den Verkauf von Unternehmensteilen im Volumen von bis zu elf Milliarden Euro voran.

RWE schließt Kapitalerhöhung ab: Aktie legt deutlich zu

An der Börse griffen Aktionäre dennoch bei der Aktie von RWE Börsen-Chart zeigen zu. Das Papier war am Donnerstag mit einem Aufschlag von knapp 5 Prozent Spitzenreiter im Dax.

Als Kurstreiber wirkte die Nachricht, dass RWE seine Anfang des Monats beschlossene Kapitalerhöhung abgeschlossen hat. Damit hat das Unternehmen wie schon erwartet 2,1 Milliarden Euro eingesammelt, ursprünglich war RWE einmal von einem Betrag von etwa 2,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Alle 80,4 Millionen Aktien wurden zum Preis von 26 Euro je Stück platziert, wie der Konzern am Donnerstag in Essen mitteilte. RWE braucht das Geld, um die Energiewende zu stemmen.

la/reuters

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