Montag, 23. September 2019

Solon-Insolvenz Die Geschichte eines angekündigten Untergangs

Solon-Solaranlage in der fränkischen Gemeinde Arnstein: Einst Weltspitze, heute insolvent

Der Preiskampf in der Solarindustrie hat Solon als ersten deutschen Solarmodulhersteller in die Pleite gerissen. Dass es ausgerechnet die Berliner traf, überrascht nicht. Denn sie waren zuletzt weder Herren über ihre Finanzen noch über ihre Strategie.

Hamburg - Der Solarzellenhersteller Solon ist zahlungsunfähig. Eine Überraschung ist das nicht. Denn der Niedergang des Berliner Unternehmens, das 1998 als erstes deutsches Solarunternehmen an der Börse notiert war, lief ebenso rasant wie sein einstiger Aufstieg.

1996 gegründet, benannten es seine Gründer nach einem der sieben Weisen Griechenlands - dem Dichter und Politiker Solon. Dem guten Namen machte das Unternehmen dann auch durchaus Ehre. So setzte die Bundesregierung beim Umzug nach Berlin bei den Solaranlagen auf den Dächern der neuen Bundesbauten vor allem auf eine Marke - Solon Börsen-Chart zeigen.

So wuchs das Unternehmen rasant. Von 2005 bis 2008 vervierfachten sich die Umsätze von 201 Millionen Euro auf 815 Millionen Euro. An der Börse stieg Solon im Jahr 2006 gar in den TecDax Börsen-Chart zeigen auf - zu Spitzenzeiten war das Unternehmen an der Börse rund 1,5 Milliarden Euro wert.

Um weiter zu wachsen, begann das Management schließlich damit, sich weltweit nach Übernahmekandidaten umzusehen - darunter auch die im Dezember 2007 übernommene Blue Chip Energy GmbH aus Österreich. In den USA, in Spanien, in Italien, überall mischte Solon mit. Und bis 2008 liefen die Geschäfte auf den wichtigsten Auslandsmärkten gut. Doch dann kam die Wirtschaftskrise.

Die Folge: Spanien strich die Solarsubventionen zusammen. Und Solon stürzte ab. Der Umsatz fiel von 815 Millionen Euro in 2008 auf 353 Millionen Euro in 2009. Seither hat sich das Unternehmen kaum mehr von diesem Schock erholt. Zumal nicht nur die staatliche geförderte Nachfrage einbrach. Auch auf der Angebotsseite erwuchs den Berlinern - allen voran durch die Chinesen - immer mehr neue und vor allem billigere Konkurrenz.

Auch Notoperationen reichten nicht

Im vergangenen halben Jahr ging es dann schnell. Im Juli stellte das Management der Blue Chip Energy GmbH einen Antrag auf Insolvenz. Zu diesem Zeitpunkt hielt Solon noch 18,28 Prozent der Anteile an dem österreichischen Solarzellenhersteller.

Im August kündigte dann das Solon-Management an, die Produktionsstätten in Tucson, Arizona, dicht zu machen. Schon damals stand vor allem eines im Mittelpunkt: das Liquiditätsmanagement. Inzwischen unterhalten die Berliner nur noch ein Vertriebsbüro in den USA.

Dennoch reichten auch die Notoperationen nicht. Im November schockte Solon die Aktionäre mit seinen jüngsten Quartalsergebnissen. Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres hatte Solon einen Verlust auf Konzernebene in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro verbucht. Die Nettoverschuldung lag Ende September bei knapp 400 Millionen Euro.

Bei der Vermeldung der Zahlen hatte sich bereits eine Dauerverhandlungsrunde aus Bankern, Politikern und Solon-Managern gebildet. Deren Aufgabe: Die Verhandlung über die Verlängerung von Krediten in Höhe von 275 Millionen Euro.

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