Mittwoch, 16. Oktober 2019

Solon-Insolvenz Die Geschichte eines angekündigten Untergangs

Solon-Solaranlage in der fränkischen Gemeinde Arnstein: Einst Weltspitze, heute insolvent

3. Teil: Dritte Pleite in Deutschland nach Signet und Arise

Im Hinterkopf hatte Obama dabei wohl auch die jüngsten Insolvenzen von US-amerikanischen Solarunternehmen wie Evergreen Solar, Solyndra, Beacon Power oder Spectra Watt. Dass sich der Liste der Konsolidierungsopfer bald auch der erste deutsche Konzern eintragen würde, war da nur eine Frage der Zeit.

Zumal Solon nicht einmal das erste in Deutschland tätige Solarunternehmen ist, das in die Pleite schlitterte. So traf es bereits im Oktober 2010 die sächsische Signet Solar GmbH. Signet gehörte zum gleichnamigen US-Konzern. Bei dessen Deutschlandtochter waren bis zur Insolvenz zuletzt noch 129 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Oktober 2011 traf es dann die ebenfalls in Sachsen ansässige Arise Technologies Deutschland GmbH, deren Mutterkonzern aus dem kanadischen Waterloo stammt. Arise beschäftigt hierzulande bislang knapp 100 Mitarbeiter.

Mehr als 500 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen

Solon Börsen-Chart zeigen indes stellt die Insolvenzen der beiden genannten Hersteller in den Schatten. Nicht nur deshalb, weil erstmals ein in Deutschland gegründetes Solarunternehmen in die Pleite getrieben wurde. Sondern auch deshalb, weil die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die bisherigen Insolvenzen um ein vielfaches übersteigt.

Für die Töchter Solon Photovoltaik in Berlin, Solon Nord in Greifswald und Solon Investments in Freiburg nannte die Unternehmensgruppe für Ende 2010 noch mehr als 800 Beschäftigte. Deutschlandweit sind es aktuell nach Angaben des Unternehmens noch 530, fast alle am Standort Berlin. Die Chancen, dass die Beschäftigten nach den drei kommenden Monaten, wenn das staatliche Insolvenzgeld ausläuft, noch eine Beschäftigung haben, ist angesichts der Marktsituation in der Fotovoltaik indes gering.

Und so wird die Solon SE am Ende ihrem großen Namenspatron doch nicht mehr ganz gerecht. Denn der Weise wurde der Legende nach unter anderem deshalb berühmt, weil er einst einen Schuldenschnitt und die Streichung von Hypotheken durchsetzte, was den Athener Kleinbauern ihre Selbständigkeit sicherte. Etwas ähnliches ist dem Solon-Management um CEO Stefan Säuberlich nicht mehr möglich.

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