Freitag, 18. Oktober 2019

Solon-Insolvenz Die Geschichte eines angekündigten Untergangs

Solon-Solaranlage in der fränkischen Gemeinde Arnstein: Einst Weltspitze, heute insolvent

2. Teil: Solon gehört zu den größten Auftraggebern von Bosch Solar

Dass die Verhandlungen über "eine einvernehmliche Lösung" am Ende scheiterten, liegt nach Einschätzung von mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen wohl auch daran, dass es am Ende zu viele Banken waren, mit denen sich Solon hätte über die Kreditverlängerung hätte einigen müssen.

Allein für den Kredit, um den es zuletzt ging, waren acht Banken - unter Federführung der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen - verantwortlich. Daneben waren weitere sieben Banken mit den Schuldscheindarlehen des Unternehmens beschäftigt. Einen Konsens zu finden, sei da schwer gewesen, so ein Insider.

Abgesehen davon steckte das Unternehmensführung auch aus Sicht der potenziellen Investoren zuletzt auch strategisch in einer Sackgasse.

Der Kostendruck durch die asiatische Billigkonkurrenz zwang das Unternehmen in den vergangenen Jahren dazu, immer mehr eigene Kapazitäten in Deutschland stillzulegen. Beschafft wurden Wafer und Zellen stattdessen günstig im Ausland. So war Solon Stammkunde beim taiwanesischen Zellen- und Modulhersteller Tainergy.

Auch deutsche Wettbewerber gehören bis heute zu den Lieferanten der Berliner. So schloss der Solarzellenhersteller Ersol - inzwischen Teil des Bosch-Konzerns - 2008 einen drei Milliarden schweren Vertrag über die Lieferung von kristallinen Solarzellen mit Solon ab. Der Vertrag hätte bis 2019 laufen sollen.

Asbeck und Obama kritisieren die Billigimporte aus China

Um im Volumen mit asiatischen Anbietern mithalten zu können, war Solon zudem zuletzt längst nicht mehr internationalisiert genug. Und statt wie beispielsweise Bosch Solar und Q-Cells ihr Heil im Aufbau von Fertigungsstätten etwa in Malaysia suchen, machte Solon die Produktion in den USA dicht. Ein Grund: Investitionen in einen höheren Automatisierungsgrad und günstigere Produktionsprozesse wären finanziell für das klamme Unternehmen nicht mehr darstellbar gewesen.

Ein weiterer Grund liegt in den Billigimporten begründet, die auch den US-Markt aus Asien überschwemmen. Vor diesem Hintergrund warf Solarworld-Chef Asbeck den chinesischen Herstellern unter anderem Preisdumping, unzulässige Subventionierungen, Verletzung von Sozialstandards, Qualitätsstandards und Umweltstandards vor - und reichte eine Petition gegen die Billigimporte ein.

Und US-Präsident Barack Obama hatte kurz nach der Solarworld-Petition in einem Interview erklärt, er beobachte die Entwicklung der chinesischen Solarindustrie mit Sorge. Es gebe "eine Menge fragwürdiger Wettbewerbspraktiken von Seiten Chinas". Er betonte, die US-Handelsgesetze deutlich aggressiver durchzusetzen als vorherige Regierungen. Er wolle die Petition von Solarworld Börsen-Chart zeigen und anderen US-Solarfirmen genau prüfen und handeln, sollte gegen Regeln verstoßen worden sein.

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