Offerte für EDP-Anteil Eon liebäugelt mit Portugals Stromriesen

Eon will zwar kräftig sparen. Günstige Gelegenheiten lässt sich der Energiekonzern deshalb dennoch nicht entgehen: Einem Bericht zufolge will Eon einen Anteil am portugiesischen Stromriesen EDP erwerben. Doch die Deutschen haben in Portugal einen mächtigen Gegenspieler.
Zentrale von Eon Ruhrgas in Essen: In Deutschland wird gespart, in Portugal will der Energiekonzern zukaufen

Zentrale von Eon Ruhrgas in Essen: In Deutschland wird gespart, in Portugal will der Energiekonzern zukaufen

Foto: dapd

Düsseldorf/Hamburg - Einem Zeitungsbericht zufolge hat Eon  ein milliardenschweres Angebot für eine Beteiligung am portugiesischen Stromriesen EDP abgegeben. Bei der Offerte gehe es um denjenigen Teil des Versorgers, den der portugiesische Staat verkaufen wolle, berichtete das "Handelsblatt". Ein Sprecher von Eon in Düsseldorf wollte den Bericht auf Anfrage am Dienstagabend nicht kommentieren.

Wie das "Handelsblatt" berichtete, handelt es sich bei der Offerte um ein Fünftel von EDP. Weil das Unternehmen an der Börse mit 8,5 Milliarden Euro bewertet werde, liege das Angebot vermutlich bei mehr als zwei Milliarden Euro.

Bereits Anfang September war bekanntgeworden, dass Eon an einem Einstieg bei EDP interessiert sei. Portugal will ein Privatisierungsprogramm beschleunigen, um das Haushaltsdefizit des Landes zu senken. EDP ist einer der größten Energieversorger Europas. Mit rund 12.000 Mitarbeitern machte er im vergangenen einen Umsatz von 14,17 Milliarden Euro bei einem Nettogewinn von 1,234 Milliarden Euro.

Insgesamt setzt Eon aber in nächster Zeit auf einen harten Sparkurs - unter anderem wegen der Folgen des Atomausstiegs. Konzernchef Johannes Teyssen will weltweit 11 000 Stellen abbauen, allein in Deutschland könnten bis zu 6500 Jobs wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen hat das Unternehmen dabei nicht ausgeschlossen. Als Grund nannte der Konzern unter anderem die Folgen des Atomausstiegs. Wie gestern bekannt wurde, will Eon etwa die Zahl der Mitarbeiter in der Düsseldorfer Konzernzentrale um die Hälfte auf rund 400 Stellen reduzieren. Die Standorte Düsseldorf und Essen bleiben Zeitungsberichten zufolge allerdings auf jeden Fall erhalten.

Brasiliens Energiekonzerne auf Schnäppchenjagd in Portugal

Doch Eon ist nicht der einzige Energiekonzern, der ein Auge auf Portugal geworfen hat. Auch brasilianische Energiekonzerne gehen auf Schnäppchenjagd in dem Land, das unter der europäischen Wirtschaftskrise leidet. Anfang des Jahres scheiterte der brasilianische Energieriese Petrobras nur knapp daran, den portugiesischen Energiekonzern Galp zu übernehmen. Eine Neuauflage des Duells, berichtete manager-magazin-Korrespondent Stefan Biskamp vor kurzem, ist nur eine Frage der Zeit.

Der hochverschuldete portugiesische Staat stellt neben dem Anteil an EDP auch weitere Staatsbeteiligungen zum Verkauf. So suchen die Portugiesen etwa auch Käufer für ihre Anteile am Stromnetzbetreiber REN und an der Fluglinie TAP.

Das Eon-Angebot für EDP dürfte aber auch einen anderen Effekt haben: Es könnte den Preis für das Aktienpaket in die Höhe treiben. Denn auch der größte Stromkonzern Südamerikas, die brasilianische Eletrobras, hat an EDP offenbar großes Interesse. Eon muss sich also auf einigen Widerstand einstellen.

mit Agenturmeldungen von afp/dpa-afx
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