Donnerstag, 14. November 2019

21-Milliarden-Deal Neuer Pipeline-Riese in den USA entsteht

Lange Leitung: Pipeline quer durch Alaska

Eine Megaübernahme verteilt die Rollen auf dem US-Energiemarkt neu: Der Pipeline-Betreiber Kinder Morgan schluckt für rund 21 Milliarden Dollar den Rivalen El Paso. Der von einem Ex-Enron-Manager geführte neue Großtransporteur setzt auf das wachsende Gasgeschäft.

Houston - Der Kaufpreis von umgerechnet rund 15 Milliarden Euro wird in bar und eigenen Wertpapieren gezahlt. Dadurch entsteht der größte Pipeline-Betreiber in den Vereinigten Staaten und der nach eigenen Angaben viertgrößte US-Energiekonzern überhaupt.

"Die Gaspipeline-Netze der beiden Unternehmen ergänzen sich hervorragend", sagte Kinder-Morgan-Chef Richard Kinder bei der überraschenden Ankündigung des Zukaufs am Sonntag. Es gibt nach seinen Worten kaum Überschneidungen, die Röhren von Kinder Morgen verlaufen vor allem im Zentrum des Kontinents zwischen Rocky Mountains, Mittlerem Westen und Texas; die von El Paso reichen von der Golfküste nordostwärts bis Neuengland und westwärts nach Kalifornien. Das gemeinsame Netz ist 80.000 Meilen (128.800 Kilometer) lang. Das Management will durch den Zusammenschluss der Netze rund 350 Millionen Dollar pro Jahr einsparen.

Die Übernahme soll bis zum zweiten Quartal 2012 über die Bühne gehen. Der Verwaltungsrat von El Paso hat dem Deal bereits zugestimmt, doch es müssen auch die Aktionäre und die Wettbewerbshüter mitspielen. "Diese einmalige Transaktion ist für beide Unternehmen ein Gewinn", versicherte der ehemalige Enron-Manager. "Wir glauben, dass Erdgas in Nordamerika eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird."

Zusammen mit den Schulden von El Paso, die Kinder Morgan mit übernimmt, hat die Übernahme einen Wert von 38 Milliarden Dollar. Um das Geschäft besser stemmen zu können, will der Käufer gleich einen Teil von El Paso wieder abstoßen, nämlich das Geschäft mit der Förderung von Öl und Gas. Das wollte El Paso ohnehin loswerden.

Die Pipelinebetreiber konnten ihre Gebühren in den vergangenen Jahren konstant halten, während der Preis für Erdgas in den USA in drei Jahren um zwei Drittel gefallen ist. Dafür sorgten vor allem die zahlreichen neu erschlossenen Quellen in dichtem Gestein wie Tonschiefer, die dank der neuen Technik mit Horizontalbohrungen und Fracking wirtschaftlich zu fördern sind. Dank des zusätzlichen Angebots sind die USA seit 2009 zum weltgrößten Gasförderer vor Russland aufgestiegen und nicht mehr auf Importe angewiesen. Wegen der günstigen Preise steigen auch Kraftwerksbetreiber zunehmend von Kohle auf Gas um.

Die Transportkapazitäten sind jedoch knapp, ebenso wie für in jüngerer Zeit ebenfalls aus unkonventionellen Quellen gewonnenes Erdöl, unter anderem aus dichtem Gestein im Norden der USA oder aus kanadischen Ölsanden.

ak/dpa-afx/ap

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung