Sonntag, 21. Juli 2019

Streit um Utz Claassen Solar-Millennium-Gründer schmeißt hin

Erfolge der Vergangenheit: Das solarthermische Parabolrinnen-Kraftwerk Andasol 1 im südspanischen Andalusien wurde von Solar Millennium zwischen 2006 und 2008 errichtet
Solar Millennium
Erfolge der Vergangenheit: Das solarthermische Parabolrinnen-Kraftwerk Andasol 1 im südspanischen Andalusien wurde von Solar Millennium zwischen 2006 und 2008 errichtet

Hannes Kuhn, Gründer des Kaftwerkbauers Solar Millennium, nimmt seinen Hut. Zwar wurde ein Verfahren wegen möglicher Bilanzmanipulation gegen ihn eingestellt. Offen sind jedoch noch zwei Verfahren wegen des Verdachts auf Untreue und Insiderhandel, die im Zusammenhang mit Ex-Chef Utz Claassen stehen.

Erlangen - Beim Erlanger Kraftwerkshersteller Solar Millennium hat Firmengründer Hannes Kuhn sein Mandat als Aufsichtsratsmitglied mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Kuhn habe seine Entscheidung dem Vorstand in der vergangenen Nacht mitgeteilt, erklärte das Unternehmen. In einer schriftlichen Mitteilung argumentierte Kuhn, er wolle mit seinem Rücktritt die "mediale Hetzjagd" gegen seine Person beenden, die inzwischen auch seine Familie und seine Privatsphäre erfasst habe.

Nach verschiedenen Strafanzeigen laufen bei der Staatsanwaltschaft in Nürnberg Vorermittlungen gegen Kuhn wegen des Verdachts auf Untreue und Insiderhandel. Beide Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit der Verpflichtung von Kurzzeitmanager Utz Claassen. Dieser hatte nach 74 Tagen seinen Hut als Vorstandschef bei dem Unternehmen genommen, jedoch seine Antrittsprämie von neun Millionen Euro behalten.

Claassen beansprucht neben der Antrittsprämie auch eine Abfindung von 4,16 Millionen Euro zuzüglich 2,96 Millionen Euro anstelle ihm zugesagter Aktienpakete. Derzeit läuft deswegen ein Zivilverfahren von Claassen gegen Solar Millennium vor dem Landgericht Nürnberg.

Ein weiteres Vorermittlungsverfahren gegen Kuhn wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation wurde eingestellt, wie die Nürnberger Staatsanwaltschaft mitteilte.

Vorwürfe "haltlos und unbegründet"

In seiner Stellungnahme erklärte Kuhn weiter, die gegen ihn in den vergangenen Monaten erhobenen Vorwürfe in Form von "zahllosen, systematisch und vorwiegend anonymen" Strafanzeigen seien haltlos und unbegründet. Er forderte die Medien auf, zu einem "fairen und sachlich ausgewogenen Umgang" mit der Solar Millennium Börsen-Chart zeigen AG zurückzukehren. Das Unternehmen brauche für die Phase der Neuausrichtung Ruhe, um sich an veränderte Marktgegebenheiten anpassen zu können.

Die Neuausrichtung des Unternehmens war mit einer Entscheidung von Ende August nötig geworden. Damals hatte das Solarunternehmen das offizielle Aus für ein ambitioniertes in den USA verkündet. Schon eingeplante Einnahmen sollten später fließen, hieß es. Woraufhin die Aktie von Solar Millennium einbrach. Recherchen von manager magazin Online ergaben, dass auch drei weitere Projekte auf der Kippe stehen.

Der Vorstand erklärte, er erwarte, dass die persönliche Entscheidung Kuhns dazu beitrage, die für das Unternehmen, seine Belegschaft und Kuhn selbst sehr belastende öffentliche Auseinandersetzung um seine Person zu beenden. Über einen Nachfolger werde zu "gegebener Zeit" informiert.

krk/dapd

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