Freitag, 20. September 2019

Milliardeninvestitionen Stromnetzfirmen planen neue Leitungen

Deutsches Hochspannungsnetz: Betreiberfirmen vor Milliardenoinvestitionen
Getty Images
Deutsches Hochspannungsnetz: Betreiberfirmen vor Milliardenoinvestitionen

Folgekosten der Energiewende: Weil künftig große Windstrommengen quer durch die Republik zu den Verbrauchern transportiert werden müssen, planen die Netzbetreiber den Ausbau der Stromtrassen. Und das im großen Stil. Die ersten Leitungen sollen nach Medienberichten in acht Jahren stehen.

Hamburg - Deutschland Stromnetzbetreiber wollen kräftig in den Bau neuer Stromtrassen investieren. Die Netzbetreiber Tennet, 50 Herz, Amprion und die Transportsparte von EnBW planen neue Hochspannungsleitungen quer durch Deutschland, wie die "Fincancial Times Deutschland" unter Berufung auf Sprecher der Unternehmen berichtete. Es handelt sich fast durchgängig um ehemalige Sparten der großen Energieversorger wie Eon, RWE oder Vattenfall, von denen sich die Versorger aufgrund der Regulierung des Strommarktes trennen mussten.

Durch den Trassenausbau soll sichergestellt werden, dass etwa der größtenteils in Nord- und Ostdeutschland produzierte Strom aus Windkraft auch zu den großen Verbrauchern im Westen und Süden transportiert werden kann. Denn in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg wohnen nicht nur mit Abstand die meisten Bürger der Republik. Es sind auch die Gebiete, in denen industriell der meiste Strom verbraucht wird. Schließlich sind diese Regionen die Wirtschaftszentren Deutschlands: Alleine in Nordrhein-Westfalen und in Bayern haben beispielsweise je rund ein Drittel aller Dax-Konzerne ihren Sitz, die bedeutendsten hiesigen börsennotierten Unternehmen.

Die ehemalige Vattenfall-Tochter 50 Herz will rund eine Milliarde Euro für eine 600 Kilometer lange Leitung aus dem Raum Magdeburg ins Rhein-Main-Gebiet investieren. Eine erste Genehmigung bei der Bundesnetzagentur habe 50 Herz bereits beantragt, bis alle Genehmigungen vorlägen und die Leitung gebaut werden könne, dauere es allerdings noch gut acht Jahre, sagte ein Firmensprecher der Zeitung.

Die Ex-Eon-Tochter Tennet plant den Angaben zufolge eine 900 Kilometer lange Trasse von Nord- nach Süddeutschland, die mehrere Milliarden Euro kosten soll. Im Frühjahr 2012 würden genauere Pläne veröffentlicht, sagt eine Sprecherin dem Blatt. Die frühere RWE -Tochter Amprion und EnBW wollen eine Leitung aus dem Rheinland in den Raum Stuttgart verlegen. Die Technik und die genaue Trassenführung seien jedoch noch offen, erklärte ein Amprion-Sprecher.

Laut "FTD" soll bei den Trassen die sogenannte Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) genutzt werden, mit der große Strommengen unter sehr geringen Spannungsverlusten über weite Strecken befördert werden können. Die neuen Leitungen sollten teilweise auf bestehenden Masten montiert werden, um Kosten sparen und keine Bürgerproteste gegen Neubauten hervorzurufen.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung