Streit um Garantien Das Dilemma von Solarworld, Q-Cells und Co.

Nachdem sie für alte Solarmodule der Marke Shell keine Garantie übernehmen wollte, steht die Solarworld AG in der Kritik. Es wird wohl bei einem Imagekratzer bleiben. Der Vorfall schärft aber den Blick für ein größeres Problem: Wer steht für die Langzeitgarantien von Modulen ein, wenn die Hersteller Pleite gehen?
Von Kristian Klooß und Moritz Seidel
Langzeitinvestition: Garantien für Solarparks gelten bis zu 25 Jahre lang

Langzeitinvestition: Garantien für Solarparks gelten bis zu 25 Jahre lang

Foto: Wolfgang Thieme/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Solarworld-Chef Frank Asbeck galt lange als notorischer Optimist und Strahlemann der Branche. Doch das Lächeln ist ihm in den vergangenen Wochen vergangen. Preisverfall, Margendruck und Werksschließungen sind die Themen, mit denen sich der CEO von Deutschlands bekanntestem Solarunternehmen derzeit herumschlagen muss.

Und seit kurzem kommt noch ein weiteres Problem dazu. Als "sehr, sehr unkooperativ bei der Garantieabwicklung" beschreibt Franz Meyer die Solarworld AG. Der Grund: Als Installateur hatte er seinen Kunden zuvor neun reklamierte Module ersetzen müssen. Die Kosten: 50.000 Euro. Solarworld wollte die Aufwendungen für Demontage und Transport der defekten Module zunächst nicht zahlen. Erst als das ZDF -Magazin WiSo auf den Fall aufmerksam wurde, meldete sich das Unternehmen wieder: Aus Kulanz wolle man Meyer alles ersetzen.

Von den Problemen bei Solarworld sind vor allem Kunden betroffen, die vor Jahren Module der Firma Shell Solar gekauft haben. 2006 übernahm Solarworld das Unternehmen. Jetzt sind die alten Shell-Kunden nur noch "Kunden zweiter Klasse", sagt die Verbraucherzentrale NRW. Im Unterschied zu anderen Solarworld-Kunden blieben sie auf den Kosten für Demontage und Transport defekter Module sitzen. Dies sei unzulässig.

Solarworld lässt über einen Sprecher mitteilen: "Gerade in diesem Jahr haben wir die Garantiebedingungen und Leistungsnachweise weiter verbessert, um unsere Kunden zu überzeugen, mit dem Kauf einer Solarworld Anlage ein sicheres Investment zu tätigen."

95 Prozent der Module sind nicht älter als fünf Jahre

Doch wie sicher sind Investitionen in Solaranlagen mit Garantien, wenn die Firmen, die für sie einstehen sollten, gleichzeitig um ihr Überleben kämpfen?

Bis vor kurzem waren Garantien in der Branche eher ein Randthema. "Das liegt auch daran, dass die Hälfte der weltweit installierten Module erst im vergangenen Jahr installiert worden sind", sagt Sam Wilkinson, Solar-Analyst beim amerikanischen Beratungsunternehmen IMS Research. 95 Prozent der Module seien in den vergangenen fünf Jahren installiert worden. Wie anfällig die Module sind, dafür fehlten daher meist noch die Erfahrungswerte. Darüber hinaus seien die meisten Garantien auf Zeiträume zwischen 10 und 25 Jahren ausgelegt. Letzteres, glaubt der Analyst, könnte allerdings gerade im Zuge der Konsolidierung bedeutsam sein.

Solarworld ist zwar weit davon entfernt, als Pleitekandidat zu gelten. Doch auch die Deutschen müssen dem Margendruck Tribut zollen, den vor allem die chinesischen Konzerne ausüben. Erst vor wenigen Tagen verkündete Asbeck die Schließung eines Produktionsstandorts im kalifornischen Camarillo, um Kosten zu sparen. Die US-amerikanischen Anbieter Evergreen Solar und Solyndra haben dem Preisverfall indes in den vergangenen Wochen nichts mehr entgegensetzen können. Sie gingen in die Insolvenz.

"Die Konsolidierung wird dazu führen, dass Ruf und Marke eines Unternehmens immer bedeutsamer werden", sagt Wilkinson. Und hier spielten Garantien eine wichtige Rolle.

Q-Cells und Conergy gehen voran

Während das Thema Garantien für private Häuslebauer durch Fälle wie Solarworld langsam in den Mittelpunkt rückt, gehört bei Banken, Fonds und Solarparkbetreibern der Blick auf den so genannten "Track Record" der Modul- und Zellenlieferanten längst zum Standard. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welchen Weg ein Unternehmen in den vergangenen Jahren gegangen ist, sondern welchen es künftig gehen wird. "Natürlich geht es da inzwischen auch um die Frage, wer überleben wird", sagt ein Branchenkenner.

Um private, aber vor allem auch institutionelle Investoren zu beruhigen, denken deutsche Hersteller inzwischen auch über Versicherungen nach, die selbst im Falle einer Insolvenz die Garantieansprüche aufrecht erhält. Er sei zwar "fest überzeugt, dass wir die Garantiezeiten, die wir geben, auch überleben werden", sagte Q-Cells-Chef Nedim Cen jüngst der Financal Times Deutschland. Dennoch erwäge das Unternehmen "eine Versicherungslösung für unsere Module, durch die das Modul aber auch nicht zu teuer werden darf."

Konkurrent Conergy ist hier schon weiter. Mit seinen Fotovoltaikanlagen verkauft das Unternehmen schon jetzt eine Versicherung, die auch dann greift, wenn Conergy Insolvenz anmelden müsste. Dabei garantiert das Unternehmen seinen Kunden 90 Prozent des Ertrags, der sich mit der Nennleistung der Module erwirtschaften lässt. Sollte die Anlage zu wenig Strom liefern und dem Kunden somit Ausfälle entstehen, zahlt eine Versicherung die Differenz. Diese Versicherung schütze den Kunden fünf Jahre lang vor Ausfällen, bei Großanlagen für zehn Jahre.

Munich Re versichert weltweit Garantien von 15 Modulherstellern

Eine Solon-Sprecherin bezeichnete eine entsprechende Versicherung hingegen als falsches Signal gegenüber den Geschäftspartnern und Kunden. Zumal die Nachfrage im vergangenen Monat wie erwartet angezogen habe. "Die aktuellen Verhandlungen mit unseren Kredit gebenden Banken und Bürgen verlaufen im Rahmen des vereinbarten Zeitplans."

Vermeintlich gelassen gehen jene Unternehmen mit der Garantiefrage um, deren Schicksal eng mit einem größeren Konzern verbunden ist. So sehen Schott Solar und Bosch Solar nach eigenen Angaben keine Notwendigkeit für eine "Pleiteversicherung".

"Mit der Schott AG verfügt Schott Solar über einen starken, finanziell stabil aufgestellten Mutterkonzern", sagte eine Sprecherin gegenüber manager magazin Online. Ähnlich äußert sich ein Sprecher von Bosch Solar: "Wir glauben nicht, dass unsere Partner und Kunden an der Zuverlässigkeit und Langfristigkeit des nun 125 Jahre bestehenden Unternehmens Bosch auch im Bereich Solar Energy zweifeln."

Interessanter dürfte das Thema derweil für die Versicherer werden. So gehört die Munich Re zu jenen Konzernen, die dieses Feld bereits für sich erschlossen haben. Die Münchner versichern derzeit die Garantien von 15 Modulherstellern weltweit - darunter, laut Angaben eines Munich Re-Sprechers, auch ein deutsches Unternehmen. Bislang gilt allerdings: nach der Pleite besteht auch der Versicherungsschutz nicht mehr weiter. Daran, Risiken auch nach der Insolvenz abzusichern, so der Sprecher, arbeite man allerdings gerade.

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