Eröffnung Russisches Gas fließt durch Ostsee-Pipeline

Das Jahrhundertprojekt ist fast vollendet: Erstmals strömt russisches Erdgas durch die Ostseepipeline Nord Stream nach Deutschland - unter Umgehung aller Transitländer. Russlands Premier Wladimir Putin feiert den Akt als Triumph.
Gazprom-CEO Alexei Miller, Russlands Premier Wladimir Putin: Pipeline in Betrieb genommen

Gazprom-CEO Alexei Miller, Russlands Premier Wladimir Putin: Pipeline in Betrieb genommen

Foto: Dmitry Lovetsky/ AP

Moskau/Lubmin - Zwei Freunde feiern ihren Erfolg: Sechs Jahre nachdem sie die Pläne für eine Ostsee-Pipeline verabschiedet hatten, weihten Russlands Premier Wladimir Putin und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ihr gemeinsames Projekt in Portowaja an der russisch-finnischen Grenze ein.

Erstmals pumpt Russland unter Umgehung aller Transitländer Erdgas in die Ostsee-Pipeline Nord Stream nach Deutschland. Damit ende die exklusive Stellung der Ukraine als Transitland für russisches Gas nach Westeuropa, sagte der russische Regierungschef nach Angaben der Agentur Interfax.

Nach anderthalb Jahren Bauzeit hat Russland den ersten von zwei Strängen in Betrieb genommen. Durch ihn sollen künftig 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr strömen. Putin inszenierte das Aufdrehen des Gashahnes als Triumph. Zur Feier war auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder an die finnische Grenze gekommen. Beide brachten 2005 das Jahrhundertvorhaben auf den Weg, Putin damals noch als Kremlchef. Schröder ist inzwischen Vorsitzender des Aktionärsausschusses der russisch-dominierten Nord Stream AG.

Gas wird ab Herbst nutzbar sein

Bis das Erdgas in Deutschland ankommt, wird es aber noch ein wenig dauern. Zunächst strömt "technisches Gas" in die 1224 Kilometer lange Pipeline nach Lubmin bei Greifswald, um den nötigen Druck aufzubauen. Das erste nutzbare Gas wird laut Putin im Herbst in Deutschland ankommen - pünktlich zur Heizperiode. Kremlchef Dmitrij Medwedew würde im November in Deutschland an der offiziellen Zeremonie teilnehmen, hieß es. An diesem Freitag soll aber schon beim Endpunkt von Nord Stream in Lubmin erstmals Erdgas messbar sein.

Das Gas stammt von dem russischen Energieriesen Gazprom. Bei der Nord Stream AG ist Gazprom  Mehrheitseigner. Teilhaber sind auch die europäischen Energieriesen Eon, BASF/Wintershall  und aus den Niederlanden Gasunie sowie die französische GDF Suez.

Die Gesamtkapazität beider Leitungsstränge beträgt 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr und soll 2012 erreicht werden. Damit könnten rechnerisch 26 Millionen Haushalte mit Gas versorgt werden.

Deutschland und die EU versprechen sich von der 8,8 Milliarden Euro teuren Leitung durch die Ostsee mehr Energiesicherheit. Mit dem Direkttransport peilt Russland vor allem eine größere Unabhängigkeit von den Transitländern Ukraine und Weißrussland an. Die Ukraine ist bisher das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU. Russland und die Ukraine hatten aber in der Vergangenheit immer wieder über Gaspreise gestritten. Russland will am wachsenden Energiehunger der EU kräftig verdienen, besonders nach dem von der Bundesregierung beschlossenen Aus für die Atomkraft.

dis/dpa/rtr
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