Montag, 18. November 2019

Gewinnmaschinen Ölmultis ignorieren die Krise

Boom geht weiter: Ölplattform in der Nordsee
REUTERS/ Shell
Boom geht weiter: Ölplattform in der Nordsee

Während an den Finanzmärkten Milliarden ausradiert werden, investieren Ölmultis Milliardensummen in neue Projekte: Trotz trüber Konjunkturaussichten rechnen sie mit weiter steigenden Ölpreisen. Krisenszenarien perlen an Energiemultis wie Exxon, BP oder Shell ab.

Hamburg - Aus Sicht der Ratingagentur Standard & Poor's bieten Anleihen des Öl- und Gaskonzerns Exxon Börsen-Chart zeigen für Investoren inzwischen mehr Sicherheit als Bonds der USA. Während die Supermacht ihre Topbonität eingebüßt hat, zählt der Energiegigant weiterhin zum exklusiven Club der Firmen mit dem großen Dreifach-A.

Öl schlägt Staat, Öl schlägt aber auch den Rest der Wirtschaft. Während die Aktienmärkte sich erst langsam von den Turbulenzen der vergangenen Wochen erholen, manövrierten große Ölkonzerne wie Exxon Börsen-Chart zeigen, Shell Börsen-Chart zeigen, BP oder Chevron Börsen-Chart zeigen gelassen durch die Krise.

Die Regel, dass angesichts drohender globaler Rezession das Geschäft mit dem Öl als Erstes infrage gestellt wird, gilt offenbar nicht mehr. Vielmehr gleichen sich im Ölpreis - dem entscheidenden Faktor für hohe Gewinne der Energiekonzerne - negative und positive Erwartungen aus. Die hohe Nachfrage in den Schwellenländern hat die Krisenszenarien in den USA aufgewogen.

Auf mehr als 112 Dollar ist die Notierung für Brent-Öl gestiegen - das sind nur sieben Dollar oder 6 Prozent unter dem Niveau von Anfang August. Dagegen dümpelt beispielsweise der EuroStoxx Börsen-Chart zeigen, in dem die 50 wichtigsten europäischen Aktiengesellschaften versammelt sind, etwa 16 Prozent unter dem Stand von vor vier Wochen.

Um die Gewinne der industriellen Großkonzerne machen sich Investoren also durchaus noch Sorgen - um die guten Geschäfte der Ölkonzerne deutlich weniger.

Profite in der Krise, die sich andere in der Hochkonjunktur wünschen

"Es ist immer wieder zu beobachten, dass die Öl- und Gaskonzerne in Krisenzeiten wesentlich besser abschneiden als der Durchschnitt", sagt Analyst Sven Diermeier vor Independent Research. Es habe kaum Fälle gegeben, in denen die Multis in die roten Zahlen gerutscht sind.

Zudem haben Exxon und Chevron auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009 sogar die Dividenden erhöht. Anleger überzeugt zudem, dass die Konzerne über milliardenschwere Sachwerte und Lizenzen verfügen.

"Selbst bei einem Ölpreis unter 90 Dollar sind die Auswirkungen gering", sagt Branchenexperte Steffen Bukold vom Hamburger Branchenfachdienst Energycomment. So gering seien die Förderkosten auf zahlreichen Feldern, dass die fetten Gewinne schlimmstenfalls etwas geringer ausfallen würden.

Gerade in einem volatilen Umfeld könnten sich Dickschiffe wie Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen hervorragend behaupten, erwarten auch die Analysten von Goldman Sachs. Selbst wenn der Ölpreis doch stark fällt und die Konzerne deshalb weniger investieren, profitieren sie später vom verknappten Angebot über steigende Preise. Grund genug für Exxon, nun gemeinsam mit dem russischen Konzern Rosneft rund 500 Milliarden Dollar in der Arktis zu investieren.

Anders als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers fürchten Anleger bisher noch nicht einmal den totalen Crash. Im Jahr 2009 war die Notierung für Öl auf um die 40 Dollar gefallen - nach einem Allzeithoch von über 140 Dollar im Sommer 2008. Dennoch schrieben Exxon und Co. schwarze Zahlen. "Auch in Krisenzeiten erzielen die Öl- und Gaskonzerne Profite, die sich andere in der Hochkonjunktur wünschen", sagt Diermeier.

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