Mittwoch, 20. November 2019

US-Sonnenkraftwerke Solar Millennium legt weitere Projekte auf Eis

Parabolrinnenkraftwerk in Kalifornien: Seine Kernkompetenz kann Solar Millennium derzeit nicht ausspielen
Solar Millennium
Parabolrinnenkraftwerk in Kalifornien: Seine Kernkompetenz kann Solar Millennium derzeit nicht ausspielen

Das ersehnte Geschäft mit dem Bau von Parabolrinnenkraftwerken in den USA rückt für Solar Millennium in immer fernere Zukunft. Außer dem Vorzeigeprojekt Blythe stehen drei weitere Anlagen mit einer geplanten Leistung von 1250 Megawatt auf der Kippe.

Hamburg - Der Sonnenkraftwerksbauer Solar Millennium ist für Kapriolen jedweder Art bekannt, doch selten hat er das Nervenkostüm seiner Anteilseigner so auf die Probe gestellt wie zurzeit. Erst stürzte die Aktie in der vergangenen Woche um 30 Prozent, dann um weitere 60, weil das Erlanger Unternehmen sein 1000-Megawatt-Vorzeigekraftwerk in Kalifornien nicht in geplanter Form bauen will.

Inzwischen hat sich die Aktie Börsen-Chart zeigen wieder erholt. Investoren haben sich damit arrangiert, dass das Kraftwerk nun eben als vergleichsweise anspruchslose, aber wohl rentable Fotovoltaikanlage gebaut werden soll und das Unternehmen seine Kernkompetenz - den Bau von grundlastfähigen Parabolrinnenkraftwerken - nicht ausspielen kann. Beruhigend wirkte auch die Nachricht, dass die Firma fristgerecht eine 20-Millionen-Euro-Anleihe zurückgezahlt hat.

Doch der angekündigte Strategiewechsel wird für Solar Millennium ein heißer Ritt mit unbekanntem Ziel. Bisher hat das Unternehmen nach eigenen Angaben keine einzige der auf die mittägliche Spitzenlast ausgerichteten Fotovoltaikanlagen ans Netz gebracht, nun soll auf einmal alles ganz schnell gehen.

Sorge um Eichhörnchen kippt Vorhaben in Ridgecrest

In den USA fällt der Schwenk sogar noch etwas radikaler aus als vom Unternehmen bisher kommuniziert. Nicht nur die Prestigeanlage in Blythe ist betroffen. "Für alle weiteren Projekte prüfen wir ebenfalls die Umstellung auf Fotovoltaik", sagte eine Solar-Millennium-Sprecherin gegenüber manager magazin. Gleichzeitig hoffe das Unternehmen jedoch darauf, dass der Markt für Parabolrinnenkraftwerke wieder in Schwung kommt.

Mit anderen Worten: Die Projekte Ridgecrest, Palen (beide Kalifornien) und im Amargosa-Tal (nahe Las Vegas, Nevada) liegen derzeit auf Eis. "Wir haben noch keinen Zeitplan für diese Vorhaben", sagte die Firmensprecherin. Ein solcher solle in den kommenden Monaten erarbeitet werden. In Palen und Nevada waren jeweils Kraftwerke mit Leistungen von 500 Megawatt geplant, in Ridgecrest sollte eine Anlage mit 250 Megawatt ans Netz gehen. Die Priorität legt Solar Millennium nach eigenen Angaben jedenfalls auf Blythe.

In Ridgecrest hat Solar Millennium den Schwenk in Richtung Fotovoltaik bereits vor ein paar Monaten vollzogen - nach offizieller Begründung wegen verschärfter Proteste aus der Bevölkerung gegen ein Parabolrinnenkraftwerk. Anwohner sorgten sich unter anderem um die Wanderpfade von Eichhörnchen und das Grundwasser.

Solar Millennium kämpft in Ridgecrest bereits in zähen Auseinandersetzungen darum, mit möglichst wenig Aufwand bestehende Genehmigungen zu erhalten und stellt dabei fest, dass dies ist offenbar kein Selbstgänger ist. Dies gilt auch für das 1000-Megawatt-Vorzeigeprojekt in Blythe.

"Es zu früh zu sagen, was der Schwenk beim Blythe-Projekt bedeutet", sagte eine Sprecherin der kalifornischen Energiebehörde gegenüber manager magazin. Nach einem in Kürze anberaumten Treffen mit Vertretern der US-Tochter von Solar Millennium sei möglicherweise klarer, "wie sich der Wechsel auf die bereits erteilte Genehmigung auswirkt".

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