Conergy Zwei Strohmänner ringen um die Macht im Aufsichtsrat

Das Solarunternehmen Conergy kommt nicht zur Ruhe. Die Großaktionäre Deutsche Bank und der US-Hedgefonds York Capital streiten vor der Hauptversammlung am Freitag um die Vorherrschaft im Kontrollgremium. Über die Zukunft der Hamburger scheint es hingegen keine zwei Meinungen zu geben.
Von Ursula Schwarzer, Thomas Werres und Kristian Klooß
Machtkampf: Die Großaktionäre Deutsche Bank und York Capital ringen um die Kontrolle bei Conergy

Machtkampf: Die Großaktionäre Deutsche Bank und York Capital ringen um die Kontrolle bei Conergy

Foto: ddp

Hamburg - Der Vorgang ist von bestechender Originalität. Und selbst für ein Unternehmen wie Conergy, das in der jüngsten Vergangenheit allerlei Arten von Auffälligkeiten offenbart hat, ist die Prozedur einigermaßen überraschend: Bei der Hauptversammlung der Solarfirma am 26. August soll ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden - und gleich zwei Bewerber kandidieren für den Vorsitz in dem Kontrollgremium.

Höchstwahrscheinlich kommt es zu einer Kampfabstimmung zwischen zwei Investoren, der Deutschen Bank  und York Capital. Die beiden Finanzhäuser rangeln schon seit einiger Zeit um die Vorherrschaft bei Conergy .

Der amerikanische Hedgefonds York hatte sich offenkundig zum Ziel gesetzt, eine Sperrminorität bei dem in Hamburg ansässigen Solarzellenhersteller zu erringen. Erreicht werden sollte dieses Ziel im Wesentlichen durch den billigen Aufkauf von Conergy-Schuldentiteln, die in diesem Sommer im Rahmen einer Rekapitalisierung nach einem Teilverzicht in Eigenkapital umgewandelt wurden. Die gleiche Strategie verfolgte die Deutsche Bank. Ihr Londoner Zweig erwarb Schritt für Schritt Conergy-Schulden und tauschte sie ebenfalls gegen Eigenkapital.

Mithin halten die Deutschbanker mittlerweile 13,07 Prozent der Conergy-Anteile. York muss sich - weil kaum mehr Schulden zum preisgünstigen Aufkauf zur Verfügung standen - mit einem Paket von 20,15 Prozent zufriedengeben.

Außergewöhnliche Abwanderungstendenzen in der Branche

Bei der Wahl des neuen Kontrollgremiums will York als größter Einzelaktionär mehrere Vertreter in den sechsköpfigen Aufsichtsrat entsenden: unter ihnen Ex-Conergy-Vorstand Pepyn Dinandt, der allerdings den Aufsichtsratsvorsitz nicht übernehmen wird, weil er durch andere Aufgaben gebunden ist. Und Jeremy Blank, dem als Ausländer kaum Chancen für die Leitung des Kontrollgremiums eingeräumt werden. Als Oberaufseher schickt York daher einen Außenseiter ins Rennen: Andreas Pleßke, Geschäftsführer der Prym-Gruppe aus Stolberg (knapp 80 Kilometer südwestlich von Düsseldorf gelegen), die aus dem gleichnamigen Reißverschlusshersteller hervorgegangen ist.

Das Taktieren von York hielt die Deutsche Bank nicht davon ab, einen eigenen Kandidaten zu nominieren: Philip Comberg. Er ist allerdings - wie sein Kombattant Pleßke - nur ein Mittelsmann. Comberg arbeitet für One Square Advisors, ein Finanzinvestor, der unter anderem treuhänderisch für Banken agiert. Zwischen 2000 und 2003 war Comberg als Investmentprofi für die Deutsche Bank tätig.

Branchenkenner sind über die Personalrochaden bei Conergy verwundert. "Der Umfang der Personalwechsel bei Conergy, aber auch bei anderen Fotovoltaikfirmen, ist außergewöhnlich", sagt Peter Trück, Personalberater bei Rochus Mummert & Partner. Zumal das Unternehmen seit mehr als einem Jahr ohne CEO dastehe.

Über die Verkaufspläne herrscht wohl Einigkeit

Dabei sei es gerade im Falle Conergys wichtig, über den CEO operative Erfahrung in das Unternehmen einzubringen, sagt Trück. "Es müsste jemand sein, der aus der Branche kommt, der das Geschäft kennt, die Richtung vorgibt und dem Management Vertrauen schenkt." Nur so seien die langfristig im Markt benötigten Effizienzsteigerungen um mindestens 15 Prozent pro Jahr möglich.

Gleiches gilt nach Ansicht des Personalberaters auch für die Aufsichtsräte. "Dort sollten nicht nur die einstigen Gründer sitzen, sondern Persönlichkeiten aus Industriezweigen, die schon den einen oder anderen Sturm durchlebt haben", sagt Trück. Man laufe sonst Gefahr, den bevorstehenden Ereignissen nicht gewappnet zu sein. Dies gelte erstens für die aktuelle Konsolidierung und zweitens für den möglichen Einstieg strategischer Investoren aus Fernost.

Inzwischen deutet indes einiges darauf hin, dass sowohl Deutsche Bank als auch York Capital auf eben jene Investoren aus Fernost setzen. So herrscht unter den neuen Conergy-Herren wohl zumindest Einigkeit darüber, schnell einen Partner für das verlustreiche Unternehmen finden zu müssen. Schließlich könnte die Liquidität der Solarfirma binnen Monaten aufgebraucht sein.

Der neue CEO von Conergy soll aus Süddeutschland kommen

Auf der Suche nach strategischen Investoren schweift der Blick derzeit zuerst nach Asien. Dort residieren mittlerweile die Größen der Branche, ausgestattet mit reichlich Geld. So stießen die Conergy-Eigner auch auf das koreanisch-chinesische Unternehmen Hanwha Solar One. Treiber der Gespräche ist offenbar Comberg. Er besitzt gute Verbindungen, bis zum vergangenen Jahr gehörte er dem Board der Hanwha-Vorläufergesellschaft von Solar One an.

Egal, wie der Machtkampf auch ausgeht - die Mitglieder des alten Aufsichtsrats, der bei der Hauptversammlung am kommenden Freitag geschlossen zurücktreten wird, haben zumindest eines der vielen Conergy-Probleme für ihre Nachfolger gelöst: Ein neuer Mann für den seit mehr als einem Jahr vakanten Posten des Vorstandsvorsitzenden von Conergy ist gefunden.

Der neue Mann, so heißt es in Unternehmenskreisen, ist ein weitgehend unbekannter Manager, der von einer in Süddeutschland angesiedelten Solarfirma kommt. Der noch amtierende Conergy-Aufsichtsratschef Norbert Schmelzle hat schon seit Längerem mit ihm verhandelt, konnte ihn aber nicht aus seinem alten Vertrag lösen. Jetzt soll es bald so weit sein.

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