Donnerstag, 18. Juli 2019

Rückzieher bei US-Kraftwerk Solar Millennium schockt Anleger erneut

Große Hoffnungen: Parabolrinnenkraftwerk von Solar Millennium in Spanien. Das weltgrößte derartige Projekt in den USA ist gestoppt
Solar Millennium
Große Hoffnungen: Parabolrinnenkraftwerk von Solar Millennium in Spanien. Das weltgrößte derartige Projekt in den USA ist gestoppt

Solar Millennium hat einfach keinen Lauf. Der Erlanger Projektierer von Sonnenkraftwerken verzichtet auf den Bau einer 1000-Megawatt-Parabolrinnenanlage in den USA. Stattdessen sollen dort Fotovoltaikmodule Strom erzeugen. Anleger ergreifen die Flucht.

Hamburg - Gute Nachrichten aus der Unternehmenszentrale von Solar Millennium sind derzeit Mangelware. Noch immer streitet sich der Sonnenkraftwerksprojektierer mit Kurzzeitchef Utz Claassen über eine Abfindung. Zudem ermittelt die Bafin wegen des Vedachts auf Insiderhandel, und der Wechsel des Finanzchefs vor wenigen Tagen war ebenfalls kaum geeignet, Anleger mit dem Erlanger Unternehmen wieder zu versöhnen.

Und nun das: Ausgerechnet das größte Vorzeigeprojekt von Solar Millennium Börsen-Chart zeigen ist in seiner bisher geplanten Form geplatzt. Im kalifornischen Blythe wird das projektierte 1000-Megawatt-Parabolrinnenkraftwerk - das weltgrößte seiner Art - nicht gebaut. Anstelle der komplizierten Technik, die Grundlaststrom mit Hilfe der Sonne erzeugt, sollen nun Fotovoltaikmodule zum Einsatz kommen, die nur Mittags auf Hochtouren arbeiten. Zunächst soll die installierte Leistung bei 500 Megawatt liegen.

Die Erlanger legen damit einen überraschenden Schwenk in ihrem Geschäftsmodell hin. Bisher sind sie auf Parabolrinnenkraftwerke (auch solarthermische Kraftwerke genannt) spezialisiert, und haben beispielsweise in Spanien und Ägypten einige Anlagen ans Netz gebracht.

Preise für Fotovoltaikanlagen im Keller

"Die Marktbedingungen in den USA haben sich geändert", sagt eine Unternehmensprecherin nun gegenüber manager magazin. Inzwischen lohne die Vermarktung von Strom aus Fotovoltaikmodulen in den USA mehr, als anfangs kalkuliert. Banken und andere Kapitalgeber seien mit diesen Anlagen ohnehin besser vertraut und gewährten leichter Kredit, so dass sich das Management kurzfristig zu dem Schritt entschlossen habe, durch den dem Unternehmen staatliche Kreditgarantien in Höhe von 2,1 Milliarden Euro entgehen.

Tatsächlich hat sich der Preis für Fotovoltaikmodule seit Anfang des Jahres deutlich verbilligt - zum Nachteil der ursprünglichen Pläne von Solar Millennium. Inzwischen kosten sie zum Teil weniger als eine Million Euro pro Megawatt Spitzenleistung - ein Minus von gut 30 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn. Auf dem deutlich kleineren und intransparenteren Markt für Parabolrinnenkraftwerke hat es eine solche Entwicklung nicht in dem Umfang gegeben.

Stromversorger sind nach Angaben von Solar Millennium zudem offenbar bereit relativ hohe Preise für Spitzenlaststrom im Sommer zu zahlen - die Rede ist von 80 bis 100 Dollar (55 bis 70 Euro) pro Megawattstunde. Zum Vergleich: An der Leipziger Strombörse kostet eine Megawattstunde Strom etwa 60 Euro.

Die hohen Preise lassen sich vor allem aufgrund des massiv gestiegenen Einsatzes von Klimaanlagen erzielen. Dieser hat in den USA inzwischen zu einer Debatte über die Sicherheit der Energieversorgung im Sommer geführt. Unterm Strich sei der Verkauf von Strom aus Fotovoltaikanlagen in den USA inzwischen ohne Subventionen möglich und wirtschaftlich, heißt es bei Solar Millennium.

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