Donnerstag, 14. November 2019

Rückzieher bei US-Kraftwerk Solar Millennium schockt Anleger erneut

Große Hoffnungen: Parabolrinnenkraftwerk von Solar Millennium in Spanien. Das weltgrößte derartige Projekt in den USA ist gestoppt
Solar Millennium
Große Hoffnungen: Parabolrinnenkraftwerk von Solar Millennium in Spanien. Das weltgrößte derartige Projekt in den USA ist gestoppt

2. Teil: Zeichner der üppig beworbenen 100-Millionen-Euro-Anleihe betroffen

Investoren zeigten sich trotz dieser zum Teil nachvollziehbaren Erklärungen schockiert. Die Aktie verlor am Mittag zwischenzeitlich 25 Prozent ihres Werts. Schließlich ist Solar Millennium auf den Bau von Parabolrinnenkraftwerken spezialisiert, Fotovoltaikanlagen können auch andere Anbieter wie Centrosolar errichten.

Die Frage ist nun, ob Solar Millennium grundsätzlich aufs falsche Pferd gesetzt hat. Das Unternehmen weist das zurück. Kerngeschäft und Fokus von Solar Millennium bleibe Parabolrinnentechnologie (englisch CSP abgekürzt) für den Einsatz in solarthermischen Kraftwerken.

"In Nord- und Südafrika, im Nahen Osten, Indien und China, wo Solar Millennium ebenfalls aktiv ist, überwiegt die Nachfrage nach CSP", sagt Vorstandschef Christoph Wolff. Auch in Spanien biete die gesetzliche Einspeisevergütung weiterhin optimale Voraussetzung für Parabolrinnenkraftwerke.

"Wir reagieren schnell und pragmatisch auf den Markt, der in Kalifornien momentan Fotovoltaik begünstigt", erklärt Wolff die überraschende Wende in den USA. "Mit diesem Schritt erhöhen wir den Wert des Projekts und handeln so im Interesse des Unternehmens und der Aktionäre."

Kurzfristig mag das zutreffen. Sollte der Trend jedoch weltweit zu Fotovoltaikkraftwerken gehen, sähe Solar Millennium alt aus. Angesichts fallender Preise könnten auch Regierungen die Anreize zugunsten der Spitzenlastanlagen ändern.

Unternehmen erwartet keine Auswirkungen auf Desertec-Projekt

Insbesondere das Desertec-Vorhaben in Nordafrika sieht einen hohen Anteil von Parabolrinnenkraftwerken vor. Solar Millennium sieht indes "keine Auswirkung" auf Desertec. Das Unternehmen ist unter anderem in Ägypten engagiert.

Die hinter dem Projekt stehende Initiative Dii gibt sich angesichts der schlechten Nachrichten aus Erlangen zurückhaltend: "Ganz allgemein werden sich langfristig die Technologien durchsetzen, die das beste Kosten-Nutzen-Risikoverhältnis bieten", sagte eine Projektsprecherin.

Anlegerschützer sehen das weniger nüchtern. "Wir sind irritiert", sagt das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Lars Labryga, gegenüber manager magazin. "Damit ändert sich das Geschäftsmodell von Solar Millennium ein Stück weit in Richtung anderer Anbieter."

Der Schwenk konterkariert auch frühere Aussagen von Solar Millennium. "Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit von Solar Millennium ist die Entwicklung, die Finanzierung und der Bau von solarthermischen Kraftwerken", hieß es am Donnerstag noch auf der Website des Unternehmens. "Sie sind der effizienteste Weg, Solarenergie zu nutzen." Photovoltaik habe ihre Stärken dagegen in dezentralen Systemen im unteren Leistungsbereich.

Wann Strom fließt, ist noch unklar

Betroffen von dem Schwenk beim Blythe-Projekt sind auch die Zeichner einer aufwändig beworbenen 100-Millionen-Euro-Anleihe. Auf die Geldgeber übte die Parabolrinnentechnik einen besonderen Reiz aus, beinhaltet sie doch das Versprechen, Grundlaststrom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Mit dem Geld wollte Solar Millennium unter anderem das Kraftwerk in Blythe finanzieren, und erläutert Technik und Projekt in Kalifornien in den Prospekten ausführlich.

Etwa 50 Millionen Euro sind bereits zusammengekommen. Nach Auskunft von Solar Millennium haben Zeichner jedoch keine Möglichkeit, ihr Geld vorzeitig zurückzufordern. "Wir haben den Prospekt damals auf Grundlage der verfügbaren Marktinformationen gestaltet", sagt eine Firmensprecherin. "Bestimmte technische Änderungen sind in den Risikohinweisen berücksichtigt."

Auch der Ablauf des Projekts verändert sich in Kalifornien. "Wir werden einen neuen Zeitplan aufsetzen", heißt es bei Solar Millennium. So muss das Unternehmen neue Lieferanten suchen und erneut Baugenehmigungen einholen. Die nun geplante, weniger komplexe Anlage könne aber schneller errichtet werden als als ein Parabolrinnenkraftwerk. Wann Blythe den ersten Strom ins Netz einspeise, sei aber noch nicht absehbar.

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