Solarzellenhersteller 355 Millionen Euro Verlust bei Q-Cells

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells kämpft ums Überleben. Vorstandschef Nedim Cen wird nach Informationen von manager magazin Online einen Verlust für das zweite Quartal in Höhe von rund 355 Millionen Euro nach Zinsen und Steuern melden. Im Vorstand soll es Veränderungen geben.
Q-Cells: Das Unternehmen verbrennt in hohem Tempo seine Barreserven

Q-Cells: Das Unternehmen verbrennt in hohem Tempo seine Barreserven

Hamburg - Einst war Q-Cells der größte Solarzellenhersteller der Welt. Jetzt kämpft das Unternehmen aus dem ostdeutschen Bitterfeld um die nackte Existenz. Die Aktie, die Ende 2007 über 80 Euro wert war, notiert mittlerweile unter einem Euro, und sie dürfte - unabhängig vom allgemeinen Börsencrash - noch weiter unter Druck geraten.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, wird der Vorstandsvorsitzende Nedim Cen (45) am Freitag einen Verlust für das erste Halbjahr von rund 350 Millionen Euro nach Zinsen und Steuern verkünden. Der Umsatz im ersten Quartal betrug 316 Millionen Euro. Hält das verheerende Tempo an, mit dem Q-Cells sein Cash verbrennt, werden die Lieferanten vermutlich nur noch gegen Vorkasse liefern. Dann droht binnen Monaten die Zahlungsunfähigkeit.

Besonders brisant: Im Februar 2012 muss Q-Cells die restlichen rund 230 Millionen Euro aus einer Wandelschuldverschreibung zurückzahlen. Nun sollen ein neues Vorstandsmitglied und ein verschärftes Sanierungsprogramm eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abwenden. Langfristig kann dem einstigen Solarwunder allerdings nur noch ein Investor helfen. Schon vor etwa zwei Jahren waren Verhandlungen mit dem französischen Energiekonzern Total weit gediehen, um dann doch zu scheitern. Zuletzt führten Sondierungsgespräche mit einem Staatsfonds aus Oman nicht zum gewünschten Ergebnis.

Potenzieller Investor aus China stellt Bedingungen

Jetzt verhandelt Q-Cells mit einem chinesischen Investor. Doch der stellt eine wichtige Bedingung: Bevor die Chinesen in ernsthafte Verhandlungen einsteigen, muss sich Q-Cells erst einmal stabilisieren. Es sind überwiegend externe Faktoren, die Q-Cells zu schaffen machen: In wichtigen Märkten wie Deutschland, Frankreich und Italien stockt der Verkauf, weil die staatlichen Förderungen für Solarstrom reduziert wurden. Gleichzeitig überschwemmen chinesische und andere asiatische Firmen den Weltmarkt mit Solarzellen. Mithin fallen die Preise in zweistelligen Raten.

Gleichzeitig stauen sich bei Q-Cells die Lagerbestände. Die Kapazitäten sind nur zwischen 30 und 50 Prozent ausgelastet, in den Hallen liegen Teile im Wert von rund 350 Millionen Euro. Vormann Cen steuert jetzt hart gegen: Nach einer Belegschaftsreduzierung von 500 sollen demnächst weitere 200 bis 300 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, hauptsächlich in der deutschen Fertigung. Gleichzeitig will man über Kurzarbeit verhandeln. Außerdem soll der Vertrieb reorganisiert werden, um den Verkauf anzukurbeln.

Wechsel im Vorstand geplant

Doch der bisherige Marketing- und Vertriebsvorstand Hans-Gerd Füchtenkort (61) wird das neue Konzept nicht mehr umsetzen. Er hat sich - nicht zuletzt wegen der rapide sinkenden Verkaufszahlen - mit Vorstandschef Cen überworfen. In der Aufsichtsratssitzung am 11. August wird das Ausscheiden von Füchtenkort besiegelt. Einen Nachfolger gibt es nicht, seine Aufgaben soll Cen übernehmen.

Zudem steht eine weitere Toppersonalie an - der Ersatz für Produktionsvorstand Gerhard Rauter (53), der das Haus vor drei Monaten verließ. Bei der Suche nach einem Nachfolger stieß Q-Cells- Aufsichsratschef Karlheinz Hornung (60) auf Andreas von Zitzewitz (51). Der Manager genießt einen hervorragenden Ruf als Produktionsfachmann.

Gleichwohl zögerte Hornung mit seiner Berufung, denn Zitzewitz' Karriere ist von zwei Tiefschlägen gekennzeichnet: 2005 schied er aufgrund einer Bestechungsaffäre beim Chipfabrikanten Infineon aus; er wurde wegen Vorteilsnahme zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Eine zweite Chance bekam von Zitzewitz beim Q-Cells-Konkurrenten Conergy, dort sollte er im Herbst 2010 zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigen. Sein zerrüttetes Verhältnis zum damaligen Vorstandschef Dieter Ammer (61) endete aber kurz vor Vertragsunterzeichnung im Eklat. Von Zitzewitz musste gehen. Schließlich entschied sich Hornung doch für Zitzewitz - angesichts der finanziellen Situation von Q-Cells hatte er wohl keine große Auswahl an Kandidaten.

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