Gewinneinbruch Zeitenwende bei RWE

Neuer Chef ab 2012, Kapitalerhöhung, Senkung der Gewinnprognose, Verkäufe und weniger Investitionen: Bei Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger RWE bleibt nichts so, wie es einmal war. Der Konzern rechnet für 2011 mit weniger Umsatz. Auch die Dividende dürfte fallen.
Gas- und Dampfkraftwerk von RWE in Lingen: Der Atomausstieg zwingt RWE dazu, sich neu zu erfinden

Gas- und Dampfkraftwerk von RWE in Lingen: Der Atomausstieg zwingt RWE dazu, sich neu zu erfinden

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Essen - Der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE hat im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs und Problemen im Gasgeschäft deutlich weniger verdient. So ging das um Absicherungsgeschäfte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis um 39 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte.

Auch niedrigere Stromerlöse sowie ein schwaches Handelsergebnis wirkten belastend. Bereits am Vortag hatte RWE mit Blick auf den Atomausstieg seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Bei einem weitgehend stagnierenden Umsatz von 27,46 Milliarden Euro ging das betriebliche Ergebnis um ein Drittel auf 3,34 Milliarden Euro zurück. Damit fielen die Zahlen des Konzerns noch etwas schlechter als von Analysten befürchtet aus. Zu den Belastungen aus dem Atomausstieg zählt das Unternehmen die Brennstoffsteuer, Gewinneinbußen durch das Aus der beiden RWE-Meiler Biblis A und B sowie Rückstellungen für den Rückbau der Anlagen. RWE  beziffert sie auf 900 Millionen Euro. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Rückgangs beim betrieblichen Ergebnis.

Umsatz dürfte sinken - Dividende von zuletzt 3,50 Euro kaum zu halten

Die Erlöse von RWE würden 2011 etwas niedriger ausfallen als die 53,3 Milliarden Euro im Jahr 2010, teilte der Versorger in seinem am Dienstag vorgelegten Halbjahresbericht mit. Hauptgrund sei, dass die Handelstocher niedrigere Preise beim Verkauf konzerneigenen Stroms erziele.

Zudem gehe RWE  davon aus, den geplanten Verkauf von 74,9 Prozent der Anteile seiner Stromnetztochter Amprion im dritten Quartal abzuschließen. Am Montag Abend hatte der Konzern bereits die Gewinnprognose gesenkt. An der Ausschüttungsquote für die Dividende von 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses hält der Versorger fest.

Da der nachhaltige Gewinn in diesem Jahr aber voraussichtlich um 35 Prozent fällt, wird wohl auch die Dividende geringer ausfallen als zuletzt. Für das Geschäftsjahr 2010 hatte das Unternehmen 3,50 Euro je Aktie gezahlt.

Die Nettoschulden beliefen sich Ende Juni auf 30,084 Milliarden Euro nach 27,5 Milliarden Euro Ende März. RWE will durch die Ausgabe neuer und eigener Aktien rund 2,5 Milliarden Euro in die Kasse spülen. Sollte dies noch in diesem Jahr gelingen, könne die Verschuldung 2011 unter dem Niveau von Ende 2010 in Höhe von 29 Milliarden Euro liegen, erklärte RWE.

Atomausstieg belastet auch andere Versorger

Auch die Versorger Vattenfall und EnBW hatten in den vergangenen Tagen schon erhebliche Belastungen durch den Atomausstieg für ihr Geschäft vermeldet. Die Baden-Württemberger rutschten im ersten Halbjahr sogar in die Verlustzone.

Auch für den größten deutschen Strom- und Gaskonzern Eon  erwarten Analysten bei der für diesen Mittwoch angekündigten Zahlenvorlage einen deutlichen Gewinnrückgang.

Die Investitionen steigerte RWE im ersten Halbjahr um 8 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Sie gingen in den Ausbau und die Modernisierung von Kohlekraftwerken, in neue Gaskraftwerke sowie in Windkraftprojekte auf hoher See.

RWE hatte am Vortag mit dem Niederländer Peter Terium einen neuen Vorstandschef ab Mitte kommenden Jahres berufen. Das Unternehmen kündigte zudem eine Kapitalerhöhung, eine Ausweitung des Verkaufsprogramms, Investitionskürzungen und mehr Einsparungen an. Die mittelfristige Prognose für 2013 hob RWE mit der Aussicht auf steigende Energiekosten an.

la/reuters/dpa-afx
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