Energiekonzern in Nöten Eon will hunderte deutsche Stellen streichen

Eon setzt der Atomausstieg und Preisverfall bei Erdgas zu. Nun erwägt der Energieriese einem Bericht zufolge die Schließung von drei deutschen Standorten. Hunderte Stellen könnten wegfallen - doch die Pläne sind vom Aufsichtsrat noch nicht abgesegnet.
Von der Schließung bedroht: Zentrale der Gashandelstochter Eon Ruhrgas in Essen

Von der Schließung bedroht: Zentrale der Gashandelstochter Eon Ruhrgas in Essen

Foto: Martin Meissner/ ASSOCIATED PRESS

Hamburg - Der Energieriese Eon  will nach Informationen des "Spiegel" drei große Standorte schließen und hunderte Arbeitsplätze streichen. Betroffen seien die Eon-Energiesparte in München, die Eon-Kraftwerkstochter in Hannover und das einstige Konzern-Juwel Eon Ruhrgas in Essen. Es gebe dazu bereits einen Vorstandsbeschluss, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Nun drohten Massenentlassungen.

"Wir kommentieren den Bericht nicht", sagte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Er bestätigte aber, dass Eon wegen der "erheblich veränderten Rahmenbedingungen" seine Strategie und die Aufstellung des Konzerns überprüfe. "Entscheidungen hierzu sind aber noch nicht gefallen."

Allerdings sollen nach Angaben des Magazins nicht alle Arbeitsplätze an den genannten Standorten wegfallen: Weiter benötigte Geschäftsbereiche der drei Töchter sollen in die Düsseldorfer Konzernzentrale verlegt werden, hieß es. Ähnliche Modelle seien auch für ausländische Eon-Unternehmen geplant. Mittelfristig wolle Eon-Chef Johannes Teyssen den Konzern zudem in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) mit weniger Gewerkschaftseinfluss umwandeln. Teyssen müsse seine Pläne aber noch durch den Aufsichtsrat bringen. Geplant sei dazu eine Klausursitzung in Hamburg.

Verdi will kämpfen, Verhandlungen mit Gazprom vor dem Scheitern

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigte am Sonntag Widerstand gegen die Pläne an. "Es ist schwer vorstellbar, dass ein solches Konzept eins zu eins den Aufsichtsrat passieren kann", sagte ein Verdi-Sprecher den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. Die Gastochter Eon Ruhrgas habe mit ihren 1800 Beschäftigten erst im vergangenen Jahr in Essen einen 200 Millionen Euro teuren Neubau bezogen.

Die monatelangen Verhandlungen mit dem russischen Gas-Riesen Gazprom über niedrigere Erdgaspreise stehen derweil vor dem Scheitern. Ein Eon-Sprecher bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Eon wollte von Gazprom Preisnachlässe. In den langfristigen Verträgen zwischen beiden Seiten orientiert sich der Gas- am Ölpreis. Derzeit drängt aber relativ billiges frei verfügbares Erdgas auf den Markt. Eon erwägt laut "Focus" nun, ein internationales Schiedsverfahren anzustreben.

Eon steht durch den geplanten Atomausstieg der schwarz-gelben Bundesregierung und den Preisverfall bei Erdgas unter Druck. Im einst profitablen Erdgasgeschäft soll in diesem Jahr sogar ein operativer Milliardenverlust drohen. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, Teile des Konzerns zu verkaufen.

wed/afp/dpa
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