Wegen Atomausstiegs EnBW rutscht in die roten Zahlen

Der staatlich verfügte Atomausstieg treibt den baden-württembergischen Stromversorger EnBW tief in die roten Zahlen. Im ersten Halbjahr dürfte der Konzern laut einer Ad-hoc-Mitteilung eine halbe Milliarde Euro verlieren. Das gefährdet die Finanzierung der Landesbeteiligung.
EnBW-Meiler Philippsburg: Block 1 musste wegen der Energiewende im März vom Netz

EnBW-Meiler Philippsburg: Block 1 musste wegen der Energiewende im März vom Netz

Foto: Uli Deck/ dpa

Karlsruhe - Wegen einer immensen Sonderabschreibung erwartet der Vorstand unter dem Strich einen Verlust von 590 Millionen Euro, wie der drittgrößte deutsche Stromversorger am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Im Vorjahr hatte der Konzern im gleichen Zeitraum noch einen Gewinn von 899 Millionen Euro erzielt. Zu EnBW gehören die Kernkraftwerke Neckarwestheim I und II sowie Philippsburg I und II. Die beiden Blöcke mit der Nummer I wurden im Zuge des von der Regierung verhängten Atommoratoriums stillgelegt.

Der frühere Rückbau der Atomkraftwerke habe eine außerordentliche Zuführung zu den Kernenergierückstellungen notwendig gemacht, hieß es. Hinzu kämen Abschreibungen auf die im Reaktor befindlichen Brennelemente. Doch nicht nur die Kosten der Energiewende belasten das Ergebnis. Hinzu kommen Wertberichtigungen in Höhe von 615 Millionen Euro auf die Beteiligungen des Konzerns am Oldenburger Versorger EWE und am österreichischen Versorger EVN. Der offizielle Halbjahresbericht soll am 29. Juli veröffentlicht werden.

EnBW  ist wie kein zweiter deutscher Energiekonzern abhängig von der Atomkraft. Bis zum Moratorium im März sorgten Neckarwestheim und Philippsburg für die Hälfte des von EnBW erzeugten Stroms und ein gutes Drittel der Arbeitsplätze. Als das Moratorium verkündet wurde, hatte EnBW bereits Kosten in dreistelliger Millionenhöhe angeführt und vor weiteren Einbußen gewarnt, sollte Philippsburg 1 dauerhaft abgeschaltet bleiben.

Der Konzern gehört zu jeweils gut 45 Prozent den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW), einem Bund kommunaler Versorger, und dem Land Baden-Württemberg. Die Landesbeteiligung ist besonders pikant für den Konzern, seit in Stuttgart eine grün-rote Koalition unter Führung des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann regiert, die sich besonders der ökologischen Energiewende verschrieben hat.

Den Rückkauf der Anteile des ehemaligen Großaktionärs Electricité de France  hatte noch die Vorgängerregierung unter CDU-Regierungschef Stefan Mappus Ende 2010 in einem spektakulären Deal für 4,7 Milliarden Euro bewerkstelligt. Dank einer zinsgünstig aufgenommenen Anleihe sollte die Finanzierung dem Land sogar einen Gewinn aus den Dividenden der EnBW bringen. Doch dieser Plan ist nun bedroht. Bemessungsgrundlage der Dividende sei der um Sondereffekte bereinigte Konzernüberschuss, teilte EnBW mit.

ak/dpa/dapd/rtr
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