Investitionen in Altkraftwerke RWE will Durchschnitts-Verschmutzer werden

RWE tut sich mit der Energiewende schwer. Bis 2014 ersetzt der Energieriese mit Milliardeninvestitionen alte Kraftwerke, um seinen CO2-Ausstoß zu senken. Danach will RWE aber keine neuen fossilen Kraftwerke bauen, sondern Geld in erneuerbare Energien stecken.
Braunkohlekraftwerk von RWE: 12 Milliarden Euro steckt der Energieriese in die Modernisierung seiner Kohle- und Gaskraftwerke

Braunkohlekraftwerk von RWE: 12 Milliarden Euro steckt der Energieriese in die Modernisierung seiner Kohle- und Gaskraftwerke

Foto: Frank Augstein/ AP

Essen - Der Energiekonzern RWE will nach dem Beschluss zum Atomausstieg seine Projekte zum Bau von Kohle- und Gaskraftwerken noch abschließen. Nach 2014 seien in Westeuropa keine neuen Projekte mehr geplant, erklärte RWE am Dienstagabend in Essen.

Die laufenden oder kürzlich abgeschlossenen Projekte in Europa haben einen Umfang von 12 Milliarden Euro und 13.000 Megawatt Leistung. Drei Projekte zu Braunkohle, Steinkohle und Gas betreffen Deutschland. Mit der Fertigstellung sollen Altkraftwerke abgeschaltet werden, um den CO2-Ausstoß zu senken. RWE  will sich vom größten Verschmutzer zu einem Durchschnittskandidaten der Branche verbessern.

Investitionen in zusätzliche Gaskraftwerke, wie sie für die Versorgungssicherung nach Meinung von Experten nötig sind, erteilte der Konzern aus wirtschaftlichen Gründen in Westeuropa eine Absage. Die Kosten seien zu hoch. Bisherige Projekte hätten sich gerechnet, sagte Matthias Hartung, Vorstandschef von RWE Technology. Baukosten und Gasbezugstarife seien noch deutlich günstiger ausgefallen. Weitere Gaskraftwerke hätten auch den Nachteil, dass sie zugunsten der Einspeisung erneuerbarer Energien schlechter ausgelastet würden. Ein Neubau lohne sich vielleicht bei einer staatlichen Förderung von 15 Prozent, sagte Hartung.

Mehr Luft für erneuerbare Energien, stockende Verhandlungen mit Gazprom

Mit der Fertigstellung der fossilen Kraftwerke erwartet RWE Luft für verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien. Derzeit fließen jährlich mehr als eine Milliarde Euro in die Erzeugung von grünem Strom. RWE investiert vor allem in Windenergie. Ende des Jahres wollen die Essener mit dem Bau seines ersten deutschen Windparks, dem 295-Megawatt(MW)-Parks Nordsee Ost vor Helgoland anfangen. Nach Fertigstellung soll ein 1000-MW-Park vor Juist folgen, sagte Hans Bünting, Finanzchef von RWE Innogy. Für den Windanlagenbau auf See lässt RWE derzeit zwei Spezialschiffe bauen.

Mittel- und langfristig strebt RWE nach eigener Aussage an, zusätzliche Mittel in erneuerbare Energie zu investieren. Bis 2025 soll die Erzeugung zu 30 Prozent aus erneuerbarer Energie, inklusive Pumpspeicher, bestehen. Derzeit liegt der Anteil bei 5,6 Prozent. Wie der Anteil von rund 25 Prozent Atomkraft ersetzt werden soll, ist bislang offen.

In den Verhandlungen mit dem russischen Konzern Gazprom  kommt RWE unterdessen offenbar nicht entscheidend voran. Es geht um eine Überarbeitung der laufenden Gaspreisverträge und möglicherweise sogar um engere Geschäftsbeziehungen zu den Russen. RWE-Kommunikationschef Volker Heck erklärte, Gazprom habe betont, ölpreisabhängige Verträge seien nicht ihr Problem. Es gebe auch Zeiten, in denen es für die Abnehmer günstiger aussehe. RWE bemüht sich, die langfristigen Verträge mit Gazprom günstiger zu gestalten, da der Bezugspreis derzeit deutlich über den Marktpreisen liege.

Zu einem Einstieg von Gazprom bei RWE äußerte sich Heck nur vage. "Man versucht Möglichkeiten zu finden, was man anbieten kann." Der "Spiegel" hatte berichtet, RWE-Chef Jürgen Großmann erwäge eine weitreichende Verknüpfung seines Konzerns mit Gazprom. Sogar eine Rolle als "Ankeraktionäre" seien für Großmann denkbar. Das Magazin nannte dabei keine Quelle.

wed/dpa-afx/rtr
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