Russischer Partner Großmann prüft Gazprom-Beteiligung an RWE

Engere Verknüpfung, vielleicht sogar ein Einstieg: RWE-Chef Jürgen Großmann verhandelt nach Medieninformationen mit Russlands Staatskonzern Gazprom. Der russische Gasgigant ist sogar als Großinvestor bei Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger im Gespräch.
Jürgen Großmann: Der RWE-Chef verhandelt mit Russlands Energieriesen Gazprom

Jürgen Großmann: Der RWE-Chef verhandelt mit Russlands Energieriesen Gazprom

Foto: dapd

Hamburg - RWE-Chef Jürgen Großmann hat sich am Freitag in Paris zu Verhandlungen mit Gazprom-Chef Alexej Miller getroffen. Dabei ging es nach Informationen des "SPIEGEL" nicht nur um strittige Gaslieferverträge, sondern auch um eine weitreichende Verknüpfung der beiden Unternehmen. Nach dem erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie will Großmann den Energiekonzern neu positionieren.

Gazprom könnte dabei nicht nur als Gaslieferant eine wichtige Rolle spielen. Auch eine strategische Beteiligung des russischen Energiemultis an RWE  oder an Töchtern des Konzerns käme aus Sicht des RWE-Chefs in Frage. Selbst als Ankeraktionär, hat Großmann Vertraute wissen lassen, käme Gazprom  in Frage. Als sogenannte Ankeraktionäre gelten strategische Investoren, die einen großen Anteil an Unternehmen halten. Gazprom selbst hat einen mächtigen Mehrheitsaktionär: Der russische Staat hält 51 Prozent der Anteile.

Im Idealfall will Großmann dem RWE-Aufsichtsrat Ergebnisse seiner Verhandlungen bereits Anfang August präsentieren. Bereits am Donnerstag hatte Miller auch mit Eon-Chef Johannes Teyssen über mögliche Kooperationen gesprochen. Allerdings gilt das Verhältnis beider Manager wegen des anhaltenden Streits um hohe russische Gaspreise als unterkühlt.

Gazprom-Chef Miller hat bereits vor Wochen - wie auch schon vor Jahren - ein grundsätzliches Interesse an einer Expansion auf dem deutschen Markt bekundet, war daran bisher aber stets gescheitert. Nicht zuletzt bei den deutschen Kunden hatte das für Aufatmen gesorgt, die sich nicht in Abhängigkeit von Russlands Staatskonzern begeben wollen.

Deutsche Energieunternehmen mit Hunderttausenden Beschäftigten sind hierzulande unter Druck. Atomausstieg und Brennelementesteuer drücken die Profite, ab 2013 kommen auch noch Milliardenkosten für CO2-Zertifikate dazu. Jetzt versuchen die Konzerne feindliche Übernahmen zu vermeiden. RWE hat mit seinen kommunalen Aktionären vergleichsweise stabile Aktionärsbasis, Eon  allerdings ist trotz seiner Größte einer von nur ganz wenigen europäischen privaten Energieunternehmen - und muss sich deshalb selber schützen.

lis/kst
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