Montag, 6. April 2020

Offshore Investoren trauen Offshore-Windparks noch nicht

Offshore-Windpark Baltic 1: Finanzinvestoren sind die Risiken bei Bau und Betrieb der Windfarmen im Meer noch zu hoch
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Offshore-Windpark Baltic 1: Finanzinvestoren sind die Risiken bei Bau und Betrieb der Windfarmen im Meer noch zu hoch

Projektfinanzierer für große Windkraftanlagen an Land können sich derzeit vor Anfragen kaum retten. Doch bei einer der großen Zukunftshoffnungen der Energieerzeugung, den Offshore-Windparks, geben sich Banken und Investoren noch vorsichtig. Dafür gibt es gute Gründe.

Hamburg - Die von Bundeskanzlerin Merkel ausgerufene Energiewende zwingt die Energieerzeuger zum Umdenken - und beschert manchen Bankern schöne Wachstumsaussichten. Geldhäuser wie die Commerzbank oder die HSH Nordbank haben in den vergangenen Jahren Geschäftsbereiche für die Finanzierung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien aufgebaut. Nun stehen Geldgeber Schlange bei den Banken, um in Windkraftanlagen an Land und Solarkraftwerke zu investieren.

"Es ist jetzt eine ganze Menge Hoffnung in der Branche," sagt Jan-Philipp Gillmann, Leiter des Geschäftsbereichs erneuerbare Energien bei der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Über drei Milliarden Euro hat die Commerzbank in den vergangenen Jahren als Projektfinanzierer an Krediten in diesem Bereich vergeben. Damit verfügt sie laut Eigenangaben über eines der größten Portfolios für erneuerbare Energien.

Wenn Deutschlands 17 Kernkraftwerke abgeschaltet werden, fallen rund 20 Prozent der deutschen Stromerzeugung weg. Als Ersatz kommen laut Gillmann im Bereich der erneuerbaren Energien kurzfristig drei Formen der Stromerzeugung infrage: Windturbinen an Land, im Meer und die Erzeugung von Strom durch Fotovoltaikanlagen.

Bei Windparks an Land und Solaranlagen ist das Risiko laut Gillmann gering, da die Strompreise durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) vorgegeben seien. Zwischen sieben und elf Prozent Rendite können Geldgeber erwarten - je nach Land und Technologie. Das sei in Niedrigzins-Zeiten auch für große institutionelle Investoren attraktiv. "Wir sehen viel mehr Kapital am Markt, als wir letztlich Anlagen sehen", erklärt der Banker.

Doch vor dem großen Hoffnungsträger der Bundesregierung, den Offshore-Windparks, scheuen Finanzinvestoren und institutionelle Anleger noch zurück. Der Bau von Offshore-Windanlagen fängt gerade im großen Stil an. Zwar sei der Aufbau und Betrieb von Offshore-Windparks relativ teuer, doch diese Art der Stromerzeugung habe einen großen politischen Vorteil: "Deutsche Unternehmen bauen die Fundamente, legen die Unterseekabel und stellen die Turbinen her", sagt Gillmann. Zudem müssen die Turbinen regelmäßig gewartet werden, was auf Jahre für Arbeitsplätze sorge.

Windparks an Land sind für Investoren sicherer

Nun will die Bundesregierung den Preis für die Kilowattstunde Strom aus den Windparks im Meer von 13 auf 15 Cent anheben, um den Bau der Anlagen attraktiver zu machen. Doch für Geldgeber gibt es bei Projekten abseits der Küsten noch einige Hürden. Der Vorlauf solcher Vorhaben ist lang. Bei Offshore-Projekten vergehen von der Idee bis zur Realisierung gut zehn Jahre, die Bauphase dauert dann nochmals zweieinhalb Jahre.

Noch gibt es kaum Erfahrungswerte, wie hoch der Wartungsaufwand der Anlagen ist - und das bauliche Risiko auf hoher See ist deutlich höher als bei Anlagen an Land. Es werde, meint Gillmann, noch einige Zeit brauchen, bis sich der Umbruch in der Energiepolitik in konkreten Finanzierungsanfragen niederschlägt - und die Investoren tatsächlich in großem Umfang Geld für Windparks auf dem Meer zur Verfügung stellen.

Die HSH Nordbank verzeichnet ebenfalls einen Zustrom von potenziellen Geldgebern, die in Projekte mit erneuerbaren Energien investieren wollen. Bislang hat die Landesbank ein Kreditvolumen von rund drei Milliarden Euro für 160 Projekte im Bereich erneuerbare Energien vergeben.

Patrick Miljes, Leiter des HSH-Bereichs Energy und Infrastructure, sieht die Offshore-Windparks aber noch nicht im Aufwind. "Das Interesse ist gestiegen, es ist aber noch immer viel geringer als im Onshore-Bereich", sagt Miljes. Zwar prüft die HSH derzeit vier Projekte im Bereich Offshore-Windparks, vor einem Jahr war es nur ein Projekt. Doch Investoren aus dem Private-Equity-Bereich verharren in Wartestellung, weil die Erfolgsaussichten noch nicht ganz klar sind, erklärt Miljes.

Windparks an Land sind für Investoren derzeit die sicherere Variante. "Da ist das Baurisiko und das Betriebsrisiko überschaubar", erklärt Miljes. Fortschritte sieht er bei Offshore-Windparks vor allem im Bereich Wartung. Werften haben etwa Schiffe entwickelt, die Offshore-Anlagen auch bei hohem Wellengang warten können. Solche Innovationen verringern das Betriebsrisiko, sagt Miljes, und machen die Stromerzeugung vor der Küste auch für Investoren interessanter. Der große Ansturm der Geldgeber auf die Offshore-Windparks rückt dadurch näher. Einige Jahre könnten aber noch ins Land ziehen, bevor die Investoren ihre Geldbeutel weit öffnen.

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