Georg Kofler "Die Vorwürfe sind ohne Grundlage"

Nach seinem Abgang als Premiere-Chef wollte Georg Kofler die Energiebranche revolutionieren. Doch jetzt ermitteln Staatsanwälte gegen ihn wegen angeblich geschönter Premiere-Abozahlen. Im Interview erklärt Kofler, wie er sich weder von Ermittlern noch von Verschwörungstheoretikern aufhalten lässt.
Unternehmer Georg Kofler: Vom TV- in das Energiegeschäft gewechselt

Unternehmer Georg Kofler: Vom TV- in das Energiegeschäft gewechselt

mm: Herr Kofler, vor knapp vier Jahren sind Sie nach einem Vierteljahrhundert in der Medienbranche aus dem Fernsehgeschäft ausgestiegen. Statt Fernsehprogrammen verkaufen Sie seither Energieeffizienzprogramme für Unternehmen. Warum eigentlich? Sie hätten sich doch mit den Millionen aus dem Verkauf der Premiere-Aktien zur Ruhe setzen können.

Kofler: Zur Ruhe setzen? Nein, nein, das klingt ja schon wie halbtot. Ich war auf der Suche nach einem neuen unternehmerischen Thema, das in den kommenden 20 Jahren so interessant sein könnte, wie es das Privatfernsehen in den vergangenen 20 Jahren war. Also nach einem Wachstumsmarkt mit Chancen für Pioniere, Experimente und viele neue Produkte.

mm: Und das ist heute der Energiemarkt?

Kofler: Ja, so sehe ich das. Es gibt in der Energiebranche erstaunliche Parallelen zu den Strukturen, die ich vor 20 Jahren bei meinem Einstieg in die Fernsehbranche vorgefunden habe. Damals gab es das arrogante, besserwisserische Oligopol der öffentlich-rechtlichen Sender. Dann kamen wir Privatsender und haben die Fernsehbranche mit neuen Angeboten und Ideen aufgemischt. Wir haben neue Märkte geschaffen und die Zuschauergewohnheiten verändert.

mm: Und eine ähnliche Pioniersituation gibt es jetzt Ihrer Meinung in der deutschen Energiewirtschaft?

Kofler: Ja, durch die Wende hin zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Denn neue, kleinere Anbieter haben jetzt die Chance, das Quasi-Oligopol der großen, zentralistischen Energiekonzerne mit innovativen Angeboten aufzubrechen. Und wir sind mit der Kofler Energies Gruppe im Bereich der Energieeffizienz vorne mit dabei.

mm: Ihr Energieeffizienzangebot ist das ProSieben für die Energiebranche?

Kofler: Vielleicht kann es das werden. Wir haben die Möglichkeit, die größte, bisher ungenutzte Energiequelle zu erschließen, nämlich das professionelle Energiesparen in Gebäuden. Dabei konzentrieren wir uns auf das ganzheitliche Energiemanagement für Unternehmen. Damit wir uns richtig verstehen: Ich rede nicht davon, irgendwo im Büro eine Glühbirne auszutauschen, sondern von professionellen Energieeffizienzprogrammen. Wir beschaffen den Unternehmen Energie zu günstigen Konditionen, planen, realisieren und betreiben Energiemanagementsysteme, die systematisch auf die Steigerung der Energieeffizienz ausgerichtet sind.

mm: Vergleichbare Dienstleistungen bieten aber doch bereits zahlreiche Ingenieurbüros an.

Kofler: Der Unterschied ist, dass wir energetische Sanierungen nicht nur planen, sondern auch realisieren und danach jahrelang betreiben - und für unsere Arbeit geradestehen. Wir schließen Fünf- oder Zehnjahresverträge mit den Firmenkunden. Wir investieren gemeinsam mit den Firmen in effiziente energetische Anlagen. Und teilen dann auch die Einsparerträge partnerschaftlich auf. So wie viele Firmen bereits IT-Dienstleistungen ausgelagert haben, können sie jetzt eben auch ihr Energiemanagement an Profis outsourcen.

mm: Und das Konzept funktioniert?

Kofler: Wir machen bereits zwischen 150 Millionen und 200 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Und wir sind kurz davor, die Gewinnschwelle zu erreichen. Das Interesse der Unternehmen an unseren Energiedienstleistungen wächst stetig, das Geschäft entwickelt sich vielversprechend.

"Vorverurteilung durch gezielte Indiskretionen"

mm: Ein vergleichbares Konzept für Privatkunden, den Kofler Energies Club, mussten Sie kürzlich allerdings nur wenige Monate nach dem Start wieder einstellen. Privathaushalte sollten für 75 Euro im Jahr Mitglied werden und dafür bis zu 500 Euro jährlich an Energiekosten sparen. Der Club sollte der "ADAC der Energiesparer" werden, Sie hatten von einer Million Mitgliedern in den ersten Jahren geträumt und von einer Energierevolution gesprochen. Woran ist das Konzept gescheitert?

Kofler: Alle Marktstudien hatten uns ein großes Nachfragepotenzial für den Kofler Energies Club prophezeit. Aber in der Realität war das Angebot wohl noch zu kompliziert für Privatkunden. Wir dachten, wir hätten das Konzept genügend vereinfacht, aber das hat wohl nicht ausgereicht. Die Skepsis und Unsicherheit der Kunden angesichts einer so neuartigen Dienstleistung war einfach zu groß. Aber ich werde sicherlich früher oder später einen neuen Versuch wagen. Viele Beobachter haben gemeint, es war einfach noch zu früh für ein solches Angebot. Aber die Energiepreise werden weiter steigen, und damit auch das Interesse an professionellen Energiespardienstleistungen, davon bin ich überzeugt.

mm: Der Rückschlag hat Sie nicht entmutigt?

Kofler: Es war für alle Beteiligten natürlich eine große Enttäuschung. Aber wissen Sie, als Unternehmer muss man eben nicht nur den Mut haben, in ein Projekt einzusteigen, sondern auch rechtzeitig auszusteigen, wenn der Markt ein Produkt nicht annimmt. Diese Entscheidung habe ich getroffen und den Kofler Energies Club vorerst eingestellt. Aber an das Grundkonzept glaube ich immer noch.

mm: Unternehmerische Experimente aus Ihrer Zeit als Premiere-Chef haben Sie jetzt gerade wieder eingeholt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sie, weil Sie angeblich Abonnentenzahlen bewusst zu hoch ausgewiesen und so den Aktienkurs künstlich in die Höhe getrieben haben. Was ist dran an den Vorwürfen?

Kofler: Premiere war kein unternehmerisches Experiment, sondern der größte Turnaround der deutschen Medienindustrie. Immerhin hat das Unternehmen unter meiner Führung die mit Abstand höchsten Umsätze und vier Jahre in Folge operativ schwarze Zahlen geschrieben. Die besten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte hätten wir ja wohl kaum mit Karteileichen und gefälschten Abonnentenzahlen erreichen können. Wir haben lediglich mit teilweise sehr niedrigen Aboprämien versucht, Pay-TV als Massenprodukt zu etablieren. Das ist eine reine Marketingentscheidung, über die man unternehmerisch diskutieren kann. Das damalige neue Management von Sky unter dem CEO Mark Williams hat offensichtlich einen anderen Ansatz verfolgt. Das hat aber nichts mit Bilanzen zu tun. Ich habe da ein reines Gewissen: Wir haben jeden Euro, den Premiere ausgewiesen hat, auch erwirtschaftet. Ich bin schon etwas überrascht, dass die Staatsanwaltschaft dieses Thema jetzt noch einmal aufgreift. Die Vorwürfe sind ohne Grundlage, das haben zivilrechtliche Verfahren bereits mehrfach klargestellt.

mm: Wenn die Vorwürfe zivilrechtlich bereits ausgeräumt wurden, wieso ermittelt die Staatsanwaltschaft dann jetzt nach Jahren erneut gegen Sie?

Kofler: Ach, an den Verschwörungstheorien, die jetzt die Runde machen, dass mir jemand eins auswischen will, möchte ich mich gar nicht beteiligen. Das bringt ja nichts. Die Staatsanwaltschaft macht ihre rechtsstaatliche Arbeit, das akzeptiere ich. Was mich stört, ist dieses Klima der Vorverurteilung, das offenbar durch mehr oder weniger gezielte Indiskretionen geschaffen wird. Noch während die Hausdurchsuchung bei mir und anderen lief, gab der Bayerische Rundfunk dazu bereits eine Pressemitteilung heraus. Da wurden Vorwürfe in den öffentlichen Raum gestellt, ohne dass ich eine Möglichkeit gehabt hätte, vorher angehört zu werden. Aber ich bin ja nicht der Erste, dem so etwas passiert. Als Person mit einem gewissen Bekanntheitsgrad muss man sich wohl damit abfinden, dass solche Informationen den Medien zugespielt werden. Im Übrigen bin ich zuversichtlich, dass auch die Staatsanwaltschaft nach gründlicher Befassung mit der Thematik zu denselben Bewertungen kommt, wie die Zivilgerichte, denen ja auch alle Fakten vorlagen.

mm: Schaden diese Vorwürfe aus der Vergangenheit jetzt Ihnen und Ihrem neuen Unternehmen?

Kofler: Nein, das glaube ich nicht. Von unseren Kunden haben wir jedenfalls keine negativen Reaktionen bekommen. Die Mitarbeiter werden sicherlich mal darauf angesprochen, aber eher im Rahmen von Small Talk. Entscheidend ist für den Kunden ohnehin, ob sein neues Blockheizkraftwerk funktioniert und die geplanten Einsparungen auch tatsächlich erzielt werden.

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