Samstag, 20. Juli 2019

Geplatzter Zukunftspakt BP-Chef muss Arktis-Bohrung absagen

BP-Chef Bob Dudley: Rossneft-Partnerschaft will nicht recht gedeihen

Peinliche Niederlage für BP-Chef Dudley: BP ist mit seinen Ambitionen gescheitert, die riesigen Ölvorkommen in der russischen Arktis zu erschließen. Der Staatskonzern Rosneft will nicht mehr mit BP zusammenarbeiten. Genau diese Kooperation hatte Dudley zuvor zum Zukunftssymbol für BP hochgejazzt.

London - Streitereien mit der eigenen Geschäftstochter haben den geplanten Einstieg des Ölmultis BP in der russischen Arktis vereitelt. Konzernchef Bob Dudley musste am Dienstag nach dramatischen Verhandlungen einräumen, dass die erhoffte Kooperation mit dem russischen Staatskonzern Rosneft gescheitert ist. Für Dudley ist dies ein herber Rückschlag: Er hatte die angestrebte Zusammenarbeit mit Rosneft als Beweis dafür verkauft, dass BP trotz der horrenden Folgekosten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu Wachstum fähig ist.

BP hätte durch eine Kooperation mit Rosneft den Zugriff auf große Gebiete in der südlichen Karasee erhalten, wo die Briten Milliarden Barrel an Erdöl und Gas vermuten. Grund für den Kollaps der Gespräche war der erbitterte Widerstand der vier russischen Oligarchen, die gemeinsam mit BP das russische Joint-Venture TNK-BP betreiben. Sie kämpfen seit Monaten erbittert gegen die Kooperation von BP mit Rosneft, weil sie sich dabei übergangen fühlen: Sie bestanden darauf, dass nicht BP selbst, sondern die russische Tochter TNK-BP mit Rosneft in der Arktis Öl fördert.

Für Dudley ist der Vorgang besonders peinlich, weil er selbst bis 2008 Chef von TNK-BP war. Schon damals stritt sich BP so heftig mit den Oligarchen über die Kontrolle des Joint Ventures, dass Dudley schließlich aus dem Land fliehen musste. Er übernahm im vergangenen Jahr die Aufsicht über die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko, bevor er selbst zum Chef des Konzerns aufstieg.

Nach den monatelangen Streitereien hatte Rosneft offenbar genug und blies die Kooperation mit BP ab, um sich nun nach neuen Partnern für die Ölförderung in der Arktis umzusehen, wie eine der Firma nahestehende Person der Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Rosneft habe hierzu bereits Gespräche mit den BP-Rivalen Exxon, Shell, Chevron sowie mit chinesischen Firmen aufgenommen.

Dramatische Verhandlungen

In der Nacht zu Dienstag lief für BP die entscheidende Frist ab, um den mit Rosneft vereinbarten Aktientausch im Volumen von umgerechnet elf Milliarden Euro unter Dach und Fach zu bringen. Dudley setzte kurz vor Toresschluss alle Hebel in Bewegung, um doch noch einen Abschluss zu erzielen: Er bot den Oligarchen offenbar gemeinsam mit Rosneft insgesamt 22 Milliarden Euro für ihren Anteil an TNK-BP.

Ein BP-Vertrauter berichtete gegenüber Nachrichtenagenturen, der Ölmulti hoffe noch immer, die streitbaren Oligarchen durch eine Auszahlung endlich aus TNK-BP loszuwerden - einen genauen Zeitplan hierfür gebe es jedoch nicht. BP will nach eigenen Angaben weitere Gespräche mit Rosneft führen. Dudley erklärte, BP bleibe Russland sowie seinen guten Beziehungen zu Rosneft verpflichtet und wolle außerdem mit den Oligarchen bei TNK-BP konstruktiv zusammenarbeiten. BP-Aktionäre waren offenbar eher erleichtert, dass den Briten das teure Wagnis in Russland erspart bleibt: BP-Aktien legten in London mehr als ein Prozent zu.

kst/rtr/dpa/apd

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