"Baltic 1" Erster Ostsee-Windpark geht ans Netz

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den ersten deutschen Offshore-Windpark in der Ostsee eingeweiht. Der Park "Baltic 1" des Energiekonzerns EnBW besteht aus 21 Windrädern, die jährlich genug Strom für 50.000 Haushalte liefern sollen. Bald folgt der Windpark "Baltic 2" - der sechsmal so groß werden soll.
Daumen hoch für die Windkraft: EnBW-Chef Villis, Kanzlerin Merkel und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Sellering (v.l.) bei der Einweihung von "Baltic 1" in Zingst

Daumen hoch für die Windkraft: EnBW-Chef Villis, Kanzlerin Merkel und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Sellering (v.l.) bei der Einweihung von "Baltic 1" in Zingst

Foto: Getty Images

Zingst - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab den Startschuss für die Anlage des Energieriesen EnBW am Montag in Zingst gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Der Windpark "Baltic 1" besteht aus 21 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 48,3 Megawatt, deren Rotoren einen Durchmesser von 93 Metern haben. Jährlich soll die Anlage bis zu 185 Gigawattstunden Strom produzieren - genug für 50.000 Haushalte. Der Strom wird über ein 60 Kilometer langes Seekabel an Land transportiert und dort ins deutsche Übertragungsnetz eingespeist.

Bei "Baltic 1" handelt es sich um den zweiten größeren Ofshore-Windpark in deutschen Gewässern. Daneben betreiben die Unternehmen EWE, Eon und Vattenfall in der Nordsee, etwa 45 Kilometer nördlich von Borkum den Park "Alpha Ventus", der aus zwölf Windräder besteht. "Alpha Ventus" wird vielfach als Testfeld bezeichnet, dient aber nach Angaben der Betreiber ebenfalls kommerziellen Zwecken.

Merkel, die den neuen Windpark "Baltic 1" zunächst im Hubschrauber überflog, sagte, mit der Inbetriebnahme werde ein neues Kapitel der Energiegewinnung in Deutschland aufgeschlagen. Für den beschleunigten Eintritt in das Zeitalter der erneuerbaren Energien müssten aber auch neue Hauptstromtrassen gebaut, bestehende Verteilernetze renoviert und neue Speichertechnologien geschaffen werden.

Merkel kündigt Milliardenprogramm für neue Energien an

Die Bundeskanzlerin kündigte zudem ein Sonderprogramm der staatlichen KfW-Bank in Höhe von fünf Milliarden Euro für neue Technologien im Energiebereich an. Der Staat sei bereit, beim Umbau der Energieversorgung zu helfen, sagte Merkel. Sie sehe gute Chancen, dass das Kreditprogramm zügig in Kraft treten könne. Merkel forderte die südlichen Bundesländer auf, den Anteil der Windenergie bei der Stromproduktion "leicht zu erhöhen", ohne dass dabei die Schönheiten der Landschaft völlig in den Hintergrund treten müssten. "Wir sind zwar froh, dass bei uns der Wind besonders gut hier oben im Norden weht, aber es soll auch im Süden ab und zu windig sein."

EnBW-Chef Hans Peter Villis erklärte, der Baltic 1 sei ein "Schlüsselprojekt": "Wir haben diese gewaltige technische und logistische Herausforderung angenommen und erfolgreich gemeistert." Der Chef des Netzbetreibers 50Hertz, Boris Schucht, nannte die Verbindung des Windparks mit dem Festland "echte Pionierarbeit". Das helfe dabei, das Stromnetz nun "im Sinne der Energiewende konsequent weiterzuentwickeln".

Folgen soll laut EnBW nun der Windpark "Baltic 2" - der sechsmal so groß werden soll. Windparks vor den Küsten sollen künftig einen großen Beitrag zur deutschen Stromproduktion leisten. Sie haben den Vorteil, dass dort fast immer Wind weht und die Anlagen quasi durchgehend Strom liefern können. Diese Windparks sind allerdings auch teuer, schwierig zu bauen und bergen Gefahren für die Meeresökologie. Zudem sind neue Stromleitungen notwendig, die den vor den deutschen Küsten produzierten Strom in die großen Verbrauchsgebiete im Westen und Süden des Landes transportieren.

cr/afp/dapd/dpa

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