Preisrally Rohstoffriesen jubeln über gigantische Gewinne

Steigende Energiepreise spülen Öl- und Gaskonzernen üppige Gewinne in die Kasse. Exxon hat in einem Quartal zehn Milliarden Dollar verdient, Shell sieben Milliarden und Gazprom im gesamten Vorjahr 36 Milliarden. Topmanager aus der Branche sind sicher: Der Rausch geht weiter.
Im Gewinnrausch: Exxon Mobile verdient am besten

Im Gewinnrausch: Exxon Mobile verdient am besten

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa

Houston - Während Unternehmen und Verbraucher weltweit unter steigenden Energiepreisen ächzen, feiern Öl- und Gaskonzerne eine große Party. Der Hunger nach Brennstoffen lässt ihre Gewinne rasant in die Höhe schießen. In diesen Tagen legen sie Zahlen auf den Tisch - und die sprechen eine eindeutige Sprache.

Beispiel Exxon Mobil : Dank des hohen Ölpreises stieg das Nettoergebnis des US-Energieriesen im ersten Quartal um 69 Prozent auf 10,65 Milliarden Dollar, wie das weltweit größte börsennotierte Öl-Unternehmen am Donnerstag bekanntgab. Der Umsatz kletterte um 26 Prozent auf 114 Milliarden Dollar.

Damit übertraf der Konzern aus Irving im Bundesstaat Texas die Erwartungen der Analysten, die Exxon einen Gewinnsprung von 59 Prozent zugetraut hatten. Dennoch gab der Aktienkurs vorbörslich leicht nach. Für Exxon war es das beste Quartal seit dem dritten Quartal 2008, als das Unternehmen in drei Monaten den Rekordprofit von 14,83 Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro) machte.

Neue Förderstätten treiben Shells Gewinn

Der hohe Ölpreis hat auch dem Konkurrenten Royal Dutch Shell  einen Gewinnsprung beschert. Im ersten Quartal 2011 stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar (6 Milliarden Euro), teilte Europas größter Ölkonzern am Donnerstag mit. Zu Wiederbeschaffungskosten - ein Maß, das die Schwankung der Ölpreise berücksichtigt - steigerte das niederländisch-britische Unternehmen seinen Gewinn um zwei Milliarden Dollar auf 6,9 Milliarden Dollar.

Einen 3-prozentigen Produktionsrückgang infolge von Anteilsverkäufen konnte Shell mehr als wettmachen - der Umsatzes legte auf 109,9 Milliarden Dollar zu von 86 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Außer der vorteilhaften Marktsituation verdanke Shell das Ergebnis auch umfangreichen Maßnahmen zur Effektivierung der Produktion, erklärte Konzernchef Peter Voser in Den Haag. Die Kostenreduzierung solle fortgesetzt werden.

Zudem werde die Öl- und Gasproduktion nach der Inbetriebnahme neuer Förderstätten im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Dazu gehört die wieder erschlossene Lagerstätte im niederländischen Schoonebek unmittelbar an der deutschen Grenze. Shell zahlt eine Quartalsdividende von 0,42 Dollar je Aktie, genau wie im Vorjahr.

Gazprom peilt neue Rekordpreise für Lieferverträge an

Einzig Ölmulti BP konnte im abgelaufenen Quartal nicht so stark profitieren. Dem Konzern verhageln die Folgekosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auch weiterhin die Bilanz.

Beim Gaskonzern Gazprom  knallen dagegen ebenfalls die Korken. Der russische Monopolist hat 2010 einen gigantischen Gewinn von fast 1.000 Milliarden Rubel eingefahren - das sind umgerechnet 24,5 Milliarden Euro oder 36 Milliarden Dollar.

Der weltgrößte Erdgaslieferant erzielte damit um gut ein Viertel mehr Gewinn als im Vorjahr, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der Vorsteuergewinn kletterte um 29,7 Prozent auf 1,27 Billionen Rubel, der Umsatz um 20,1 Prozent auf 3,59 Billionen Rubel (rund 88 Milliarden Euro).

Gasgeschäft innerhalb der Ex-UdSSR läuft wie geschmiert

Den Gewinnschub führten Gazprom-Experten vor allem auf anhaltend hohe Gaspreise sowie auf den Verkauf von 9,4 Prozent der Anteile an Russlands zweitgrößtem Gasförderer Novatek an die Gazprombank zurück. Die genaue Verkaufssumme nannte der Konzern aber nicht.

Außerordentlich stark stieg das Gasgeschäft mit den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, das um 45 Prozent zulegte. Wegen kräftiger Preiserhöhungen wuchs auch das Inlandsgeschäft mit zweistelligen Raten (plus 27 Prozent).

Das Gasgeschäft mit Europa und außereuropäischen Staaten sank um ein Prozent. Hier machten sich 2010 nach Angaben aus dem Konzern die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bemerkbar, aber auch ein Rückgang der durchschnittlichen Preise auf Rubel-Basis um 3 Prozent.

In Deutschland schwächelt Gazprom

Die Europatochter GazpromGermania (Berlin) erwartet deshalb wie bereits angekündigt einen schrumpfenden Gewinn für 2010, wie am Donnerstag bekräftigt wurde. Die Zahlen werden im Jahresverlauf bekanntgegeben. Der Gazprom-Bilanz liegen nach Angaben des Konzerns internationale Rechnungslegungsstandards (IAS) zugrunde.

Gazprom-Chef Alexey Miller sieht das Ende des Rauschs noch nicht gekommen. "Der europäische Markt hebt ab", sagte er bereits Anfang der Woche. Im April exportiere sein Unternehmen mehr Gas als in manchen Wintermonaten. "Bis Dezember wird Gas in unseren langfristigen Lieferverträgen um die 500 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) kosten. Und das sind noch nicht die letzten Rekordzahlen in diesem Jahr."

nis/dapd/rtr/dpa
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