Sonntag, 21. April 2019

Ein Jahr nach Deepwater Horizon Die drei 40-Milliarden-Dollar-Probleme von BP

Eine Bohrinsel von British Petroleum (BP) im Golf von Mexiko. Ab Juli darf BP wieder bohren

BP rechnet mit 40 Milliarden Dollar an Strafgeldern und Schadensersatz, hofft auf 40 Milliarden Dollar an  für sich selbst und feilscht um eine bis zu 40 Milliarden Dollar teure Erlaubnis, in der russischen Arktis nach Öl und Gas zu bohren. Ein Konzern zwischen Hoffen und Bangen.

Hamburg - Ein Jahr ist es her, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon eine Fontäne aus Schlamm, Gas und Öl aus einem anderthalb Kilometer tiefen Bohrloch schoss, sich zu einem Feuerball entzündete, explodierte. Elf Arbeiter starben. Noch in 40 Kilometern Entfernung sahen die Fischer an der US-Küste die 75 Meter hohe Flammensäule. Zwei Tage später, am 22. April 2010, versank die 121 Meter lange, 78 Meter breite und 41 Meter hohe Ölplattform in der Tiefsee. Ihr Betreiber, der britische Energiekonzern BP, brauchte drei Monate, um das lecke Bohrloch am Grund des Golfs von Mexiko zu schließen. Rund 780 Millionen Liter Erdöl waren da bereits ins Meer geflossen. Eine Menge mit der ein vier Meter tiefes Schwimmbad mit vier je 440 Meter langen Beckenrändern gefüllt werden könnte.

Ein Jahr später erinnert kaum noch etwas an die Katastrophe. Die Ölklumpen an den Küsten Louisianas, Mississippis und Alabama wurden eingesammelt. Floridas Strände strahlen in der Sonne. Vögel gleiten über die Wellen. Fischer werfen ihre Netze aus. Anfang April hat BP die Reinigungsarbeiten offiziell für beendet erklärt.

Doch der Schein trügt. Denn die Folgen der Katastrophe durchtränken und verkleben das Tagesgeschäft des Ölgiganten bis heute.

So wurden bislang Entschädigungsgelder in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro an rund 175.000 Ölpestopfer ausgezahlt. Sie stammen aus einem von BP selbst eingerichteten 13,7-Milliarden-Euro-Kompensationsfonds. Noch bis August 2013 sollen aus diesem Fonds Entschädigungen gezahlt werden. Bis heute haben Anwohner, Fischer, Reiseanbieter und andere Betroffene gut 850.000 Anträge eingereicht. Rund 300.000 Anträgen gab der von der US-Regierung verwaltete Fonds bislang statt. Der Regierungsbeauftragte Kenneth Feinberg erwartet, dass die Entschädigungen in Summe knapp sieben Milliarden Dollar betragen werden.

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Dabei hat BP durchaus ein Interesse daran, dass möglichst schnell möglichst viele Entschädigungsanträge abgearbeitet werden. Was daran liegt, dass die Einmalzahlungen mit einem anschließenden Klageverzicht der Entschädigten verknüpft sind. Der Deal: Jede Person, die sich auf den Verzicht einlässt, erhält pauschal gut 3400 Euro, jedes Unternehmen gut 17.000 Euro.

An die US-Regierung hat BP außerdem schon 480 Millionen Euro für die Bewältigung der Folgen der Ölpest überwiesen. 515 Millionen Euro zahlte der Konzern zusätzlich an mehrere US-Staaten, Landkreise und Gemeinden. Rund 7,5 Milliarden Euro kostete es BP darüber hinaus, das Bohrloch zu schließen und die sichtbaren Schäden zu beseitigen.

Ob diese Beträge ausreichen, um die entstandenen Schäden finanziell auszugleichen, ist allerdings fraglich. So hat beispielsweise das britische Wirtschaftsinstitut Oxford Economics allein den von der Ölpest verursachten Schaden für die Tourismusbranche im Süden der USA auf rund 15,8 Milliarden Euro taxiert.

Auf weitere Milliardenzahlungen haben sich die Briten daher längst eingestellt. Rund 40 Milliarden Dollar (27,5 Milliarden Euro) haben die Briten für die Gesamtkosten der Katastrophe zurückgelegt.

Denn bislang ist auch noch offen, wie hoch die Strafgelder sein werden, die die US-Regierung vom Konzern fordert. Experten schätzen die Strafkosten auf bis zu 15 Milliarden Euro. Klage hat die US-Regierung bereits im Dezember vergangenen Jahres eingereicht. Wie hoch die Strafe ausfällt, wird vor Gericht aber nicht vor 2012 entschieden. Dann nämlich beginnt frühestens der Prozess.

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