Freitag, 23. August 2019

Ein Jahr nach Deepwater Horizon Die drei 40-Milliarden-Dollar-Probleme von BP

Eine Bohrinsel von British Petroleum (BP) im Golf von Mexiko. Ab Juli darf BP wieder bohren

3. Teil: Neue Märkte: BP setzt auf Indien, Brasilien und Russland

Die lockere Geldpolitik der Amerikaner, die boomende Weltwirtschaft und die Revolten im Nahen Osten haben die Ölpreise in die Höhe getrieben. Und BP - in den Krisenregionen Nordafrikas wenig engagiert - profitiert davon. Weltweit liefert der Konzern dabei vor allem technisches Know-how, um Öl und Gas aus schwer zu erschließenden, meist von staatlichen Gesellschaften kontrollierten Ölfeldern an die Oberfläche zu pumpen.

Der seit Oktober amtierende BP-Chef Bob Dudley - er löste den glücklosen Tony Hayward ab - schlug inzwischen auch schon einige neue Wachstumspfade ein. So investierte Dudley knapp fünf Milliarden Euro in ein Joint-Venture mit dem indischen Petrokonzerns Reliance Industries. Gemeinsam wollen BP und Reliance vor Indien nach Öl und Gas bohren. Im März verkündete BP überdies den Kauf der Mehrheit am brasilianischen Biotreibstoffproduzenten CNAA für knapp 500 Millionen Euro.

Allem voran wollte Dudley seinem Konzern indes in Russland einen neuen Wachstumspfad erschließen. So verkündete er im Januar einen geplanten Aktientausch mit dem staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft. Die Idee: Rosneft sollte 5 Prozent der BP-Anteile übernehmen, BP dafür 9,5 Prozent der Rosneft-Anteile. Im Gegenzug bekämen die Briten Zugriff auf die Öl- und Gasvorkommen, die in der russischen Arktis verborgen liegen. Experten schätzen die Größe der Ölvorkommen auf rund ein Fünftel der weltweiten Reserven.

Das Problem: Dudley überging bei dem Deal die eigene russische Konzerntochter TNK-BP, deren Chef er selbst einst war. Die mit 50 Prozent an TNK-BP beteiligte und von vier russischen Oligarchen kontrollierte Investorengruppe Alfa-Access-Renova (AAR) sprach sich prompt gegen den Deal aus. Der Grund: Die AAR-Eigner werfen Dudley vor, er habe gegen die Aktionärsvereinbarung verstoßen, der zufolge BP neue Öl- und Gasprojekte in Russland nur über das Joint-Venture TNK-BP verfolgen dürfe. Ein russisches Gericht gab AAR Ende März Recht.

Ab Juli darf wieder gebohrt werden

Zwar haben die russischen Investoren inzwischen laut Medienberichten signalisiert, das Gemeinschaftsprojekt von BP und Rosneft durchzuwinken; allerdings nur, wenn die Briten eine Ausgleichssumme zahlen. Die mögliche Summe, die von russischen Zeitungen bereits kolportiert wurde, dürfte aber wohl vor allem symbolischen Charakter haben - 40 Milliarden Dollar (27,5 Milliarden Euro).

Wie der Streit zwischen BP und den Oligarchen ausgeht wird sich voraussichtlich im Mai entscheiden. Dann läuft die mit Rosneft vereinbarte Frist für den Aktientausch aus. Kommt das Geschäft nicht zustande, wäre das wohl wichtigste künftige Wachstumsfeld für den Ölkonzern verbaut. Während die Trümmer im angestammten Nordamerikageschäft noch nicht beseitigt sind. Zwar hat der Konzern von den US-Behörden inzwischen wieder die Erlaubnis erhalten, von Juli an im Golf von Mexiko nach Öl zu bohren. In der Tiefsee nach neuen Quellen zu suchen, bleibt für die Briten bis auf Weiteres aber tabu.

Dass das BP-Management trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nie eine Einstellung von Tiefseebohrungen in Erwägung gezogen habe, betonte in dieser Woche im Übrigen der Verwaltungsratsvorsitzende des Konzern, Carl-Henric Svanberg. In einem Interview mit der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" verglich er den Konzern mit einer Fluglinie. "Wenn man einmal einen Unfall hatte, darf man sich keinen weiteren mehr leisten, sondern muss sich fortan auf strenge Sicherheitsvorkehrungen konzentrieren", sagte er.

Wie BP bis heute mit der Sicherheit hält, erfuhren jüngst 13.000 Personen, die den Konzern nach der Öl-Katastrophe verklagt hatten. Der Konzern teilte ihnen schriftlich mit, dass einer seiner Mitarbeiter einen Laptop mit ihren Namen, Adressen, Telefonnummern und Sozialversicherungsnummern verloren hatte. Von einem Missbrauch der Daten wisse der Konzern indes nichts, teilte BP mit. Die Daten seien ja auch durch ein Zugangspasswort geschützt gewesen.

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