Samstag, 20. Juli 2019

Ein Jahr nach Deepwater Horizon Die drei 40-Milliarden-Dollar-Probleme von BP

Eine Bohrinsel von British Petroleum (BP) im Golf von Mexiko. Ab Juli darf BP wieder bohren

2. Teil: Alte Partner: Transocean wollte Chefs "Sicherheits"-Boni zahlen

Ebenso von der Klage betroffen sind andere am Unfall beteiligte Konzerne, allen voran Transocean als Eigner der Bohrinsel sowie Halliburton als Lieferant und Betreiber der Bohrausrüstung an Bord der Deepwater Horizon. Dass die Regierung Sie ebenso wie BP zu den Schuldigen der Ölpest zählt, stellte die von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Untersuchungskommission in ihrem Ende Januar veröffentlichten Abschlussbericht fest.

Im Gegensatz zu BP schwappte die von den Medien vorangetriebene Protestwelle allerdings an Halliburton und Transocean vorbei. Für das erste Quartal meldete Halliburton zuletzt, dass sich der Gewinn mehr als verdoppelt hat. Als Grund gab das in Texas ansässige Unternehmen die deutlich höheren Umsätze an - eine Folge verstärkter Bohraktivitäten in Nordamerika.

Transocean indes hatte fast pünktlich zum Jahrestag der Explosion seiner Bohrinsel Deepwater Horizon einen Grund zu feiern: Die Plattform "Dhirubhai Deepwater KG2" bohrte vor der Küste Indiens 3107 Meter tief unter den Meeresspiegel - ein Weltrekord. Darüber hinaus hatte der Konzern mit Sitz im Schweizer Kanton Zug eigentlich geplant, seinem Konzernchef Steven Newman und vier weiteren Mitgliedern der Geschäftsleitung aufgrund der "besten Sicherheitsperformance in der Firmengeschichte" für das Jahr 2010 einen Sonderbonus zu zahlen. Erst nachdem es Proteste hagelte, entschieden sich die Manager, die rund 250.000 Dollar für einen Deepwater Horizon Memorial Fund zu spenden.

BP hat indes weiterhin großes Interesse daran, auch die ebenfalls an der Katastrophe beteiligten Plattformbetreiber, Ausrüster und Dienstleister für die entstandenen Kosten aufkommen zu lassen. So klagen die Briten jetzt, genau ein Jahr nach Beginn der Ölpest, gegenüber dem einstigen Partner Transocean eben jene Summe ein, die BP selbst als Unglückskosten beziffert - 40 Milliarden Dollar, also rund 27,5 Milliarden Euro. Eine weitere Klage reichte BP gegen das texanische Unternehmen Cameron International ein. Das Unternehmen hatte den so genannten "Blowout Preventer" hergestellt, der in Notsituation eigentlich den Ölfluss aus der Quelle hätte stoppen sollen.

Ein Blechdosenproduzent brachte dem Unternehmen 465 Millionen Euro ein

Schon im vergangenen Jahr hatte BP darüber hinaus eine Rechnung an das japanische Handelshaus Mitsui versendet. Nach Ansicht der Briten muss Mitsui einen Milliardenbeitrag zu den Kosten der Ölpest beitragen, da es einen Anteil von rund zehn Prozent an der Ölquelle hält. Die entsprechende Rechnung beträgt laut Berichten japanischer Medien knapp zwei Milliarden Euro.

Um die geschätzten 27,5 Milliarden Euro (40 Milliarden Dollar) Folgekosten der Katastrophe zu finanzieren, hat BP überdies inzwischen zahlreiche Beteiligungen verkauft. Dreiviertel des Betrags will der Konzern auf diese Weise aufbringen. Verkauft haben die Briten daher unter anderem die Mehrheit an der argentinischen Konzerntochter Pan America Energy für 4,8 Milliarden Euro an den Energiekonzern Bridas. In Alaska und Ägypten trennte sich BP für 4,8 Milliarden Euro von Projekten, die vom US-Explorationsunternehmen Apache übernommen wurden. In Kolumbien brachten Verkäufe von Ölfeldbeteiligungen an Wettbewerber rund 1,4 Milliarden Euro ein. Denselben Gesamtpreis erzielten Verkäufe in Vietnam und Venezuela. In Namibia, Botswana und Sambia veräußerte BP seine Benzin-Vermarktungstöchter an den Rivalen Puma Energy.

Und erst Anfang dieser Woche verkündete der Konzern den Verkauf seiner Tochter Arco Aluminium. Das Unternehmen mit Sitz in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky produziert Mantelbleche für Getränkedosen. Die Verkäufer, ein Konsortium japanischer Konzerne, zahlen nach Angaben von BP rund 465 Millionen Euro in bar.

Mehr als 15 Milliarden Euro hat BP inzwischen durch Beteiligungsverkäufe eingenommen. Und auch im operativen Geschäft sieht sich der Ölkonzern, der nach der Katastrophe zeitweise als Pleitekandidat und Übernahmeziel galt, inzwischen wieder auf einem guten Weg. Zwar war der Unfall ein Debakel, der das Image ramponierte und den Börsenwert halbierte. Der dem Unternehmen zudem den ersten Verlust seit 1992 einbrachte - rund 5 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro). Doch schon im dritten Quartal 2010 schrieb BP wieder Gewinne. Im März dieses Jahres hat das Unternehmen rückwirkend für das letzte Quartal 2010 sogar schon wieder eine Dividende ausbezahlt. Sieben Cent gab es pro Aktie.

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