Solarausrüster Wo die Sonne in Deutschland noch lacht

Die deutschen Solarzellenbauer kämpfen gegen Billigkonkurrenz aus China. Trotz hoher Subventionen und einer möglichen Energiewende räumen Fachleute ihr weltweit wenig Chancen ein. Ganz anders das Bild bei der Solarzulieferindustrie. Ökotechnologie made in Germany boomt.
Vorn dabei: Centrotherm-Aufsichtsratschefin Brigitte Zürn kontrolliert einen Weltmarktführer

Vorn dabei: Centrotherm-Aufsichtsratschefin Brigitte Zürn kontrolliert einen Weltmarktführer

Foto: DPA

Hamburg - Dem Sonnenkonzern Solarworld ist gerade ein kleines Wunder gelungen. Auf der Zielgeraden hat das Bonner Unternehmen seinem ärgsten Konkurrenten - dem chinesischen Weltmarktführer Suntech  - einen Großauftrag von Siemens weggeschnappt. Und das, obwohl Branchenkenner den Asiaten gerade bei Megadeals aufgrund geringer Kosten klare Vorteile attestieren.

Analysten nickten anerkennend, dennoch handelt es sich bei dem Geschäft aus Sicht von Branchenkennern eher um eine Eintagsfliege, die zudem keine hohe Marge verspricht. "Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zell- und Modulhersteller gegenüber chinesischen Anbietern nimmt weiter ab", sagt Unternehmensberater Hans Kühn, Geschäftsführer bei PRTM Management Consultants, gegenüber manager magazin.

Doch das deutsche Sonnenmärchen muss deshalb nicht in Gänze ein schlechtes Ende nehmen. Während Branchenkenner Firmen wie Solarworld  , Q-Cells oder Conergy  künftig ein Nischendasein als Hoflieferant für deutsche Hausbauer prophezeien, sieht die Lage für einen artverwandten Wirtschaftszweig ganz anders aus.

Zahlreiche Anlagenbauer, mit deren Maschinen Zellen und Module gefertigt werden, stehen weltweit deutlich besser da. Deutsche Ingenieurskunst, stetig weitentwickelt, funktioniert in diesem Segment als Schutzschild gegen Billigheimer aus Asien.

Innovation als Schutzschild gegen Billigheimer

"Der Wettbewerbsdruck ist noch nicht so hoch", sagt Analyst Erkan Aycicek von der Landesbank Baden-Württemberg mit Blick auf die Branche. Davon profitieren Firmen wie Centrotherm , Roth & Rau, SMA Solar  und andere. Sie sind zum Teil aus dem Umfeld von Universitäten entstanden, und haben ihre Spitzenstellung mit immer neuen Innovationen und Effizienzsteigerungen erkämpft.

Dagegen konkurrieren die Anbieter von Modulen und Zellen mit beinahe identischen Produkten gegeneinander. Nicht zuletzt, weil sie mit denselben Fertigungsanlagen aus deutscher Produktion arbeiten. Den Unterschied macht vor allem der Preis.

"Die Spitzenstellung Deutschlands im Anlagen- und Maschinenbau zahlt sich in diesem Segment aus", sagt Unternehmensberater Kühn. "Der Vorsprung ist nicht schnell aufzuholen."

DDR-Know-how fließt mit ein

Auch Investoren halten das Geschäftsmodell der Anlagenbauer offenbar für vergleichsweise solide. Sie blieben nach dem Boomjahr 2008 allesamt von Kursabstürzen in einer Größenordnung verschont, wie sie Solarworld, Q-Cells und Conergy erlitten, legten angesichts der Atomkatastrophe in Japan aber allesamt klar zu.

Viele Staaten beeilten sich zwar angesichts der Bilder vom GAU, ein erneutes Bekenntnis zur Atomkraft abzugeben. Dennoch erwarten manche Analysten, dass die Renaissance der Nukleartechnologie nicht so einfach wird, wie vor Fukushima erwartet. So haben Staaten wie Deutschland, China, Frankreich, die Schweiz, Italien und die USA Moratorien oder neue Sicherheitsüberprüfungen angekündigt, die Kosten für Kernkraftwerke in die Höhe treiben könnten.

Gleichzeitig hieß es beispielsweise aus Deutschland, China und dem US-Bundesstaat Kalifornien, dass erneuerbare Energien deutlich ausgebaut werden sollen. "Das Thema scheint an Bedeutung zu gewinnen", sagt LBBW-Analyst Aycicek; auch wenn eine flächendeckende Energiewende noch nicht in Sicht sei.

Langer Atem zahlt sich aus

Schon vor der Reaktorkatastrophe stimmte das Umfeld für die deutschen Anlagenbauer. Roth und Rau, noch zu DDR-Zeiten an der TU Chemnitz gegründet, steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 36 Prozent. Das Unternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit Beschichtungsanlagen für kristalline Silizium-Solarzellen. Zuletzt machten der Firma allerdings Zahlungsprobleme von Kunden zu schaffen.

Centrotherm zahlt nach dem besten Geschäftsjahr seiner Geschichte Anlegern sogar erstmals eine Dividende. Den Umsatz hatte das Unternehmen um etwa ein Fünftel auf 624 Millionen Euro gesteigert, der Gewinn lag bei gut 50 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll es weiter aufwärts gehen.

Nun zahlt sich langer Atem aus. Schon seit den 70er-Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit Solarzellen und arbeitete dabei eng mit Forschungsinstituten und deutschen Branchenneulingen zusammen. In China war die massenhafte Zell- und Modulfertigung damals noch kein Thema.

Keine Angst vor Förderkürzung

Die Auslandsmärkte sind für die Firmen inzwischen entscheidend. Centrotherm beziffert die Exportquote auf 95 Prozent. Ein Wert, der laut Unternehmensberater Kühn annähernd für die gesamte Branche gilt. Obwohl auch in China und den USA langsam Konkurrenz aufkommt, ist der Vertrauensvorsprung der Deutschen weiterhin enorm. "Das Risiko eines Produktionsausfalls ist vielen Herstellern zu groß", sagt Kühn.

Zudem haben die Anlagenbauer zuletzt immer wieder mit verbesserter Technologie aufgewartet, so dass das Kopieren bestehender Maschinen kaum Markterfolg verspricht. Centrotherm rühmt sich, den Wirkungsgrad von Solarzellen mit seiner Fertigung jüngst auf 19,1 Prozent gesteigert zu haben. Lange Zeit galten 16 Prozent als Standard. Gerade der enorme Preisdrucks auf Seiten der Zell- und Modulhersteller treibt die Nachfrage nach effizienten Produktionsanlagen.

Dass die Solarförderung in Deutschland immer weiter gekürzt wird, macht Centrotherm-Chef Robert Hartung wenig Sorgen. "Im Gegenteil", sagte er jüngst in einem Interview. "Das beschleunigt unser Geschäft."

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