Lichtblick Run auf Ökostromanbieter

Lichtblick und Greenpeace Energy erleben seit dem Atomunfall in Japan einen Kundenansturm. Allein der größte deutsche Ökostromanbieter Lichtblick hat nach eigenen Angaben zuletzt drei Mal so viele Verträge abgeschlossen, als noch vor der Reaktorkatastrophe in Japan.
Trend erneuerbare Energie: RWE und der Bergbaukonzern RAG wollen auf den verbliebenen wenigen Kohlehalden im Ruhrgebiet künftig alternative Energien speichern

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Foto: Patrick Pleul/ dpa

Hamburg - Die Ökostromanbieter Lichtblick und Greenpeace Energy erleben seit dem Atomunfall in Japan einen Kundenansturm. Bei Lichtblick, dem nach eigenen Angaben größten Ökostromanbieter in Deutschland, wurden in den vergangenen beiden Wochen rund 800 Neuverträge täglich abgeschlossen, wie Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth sagte. "Das ist etwa drei Mal so viel wie davor." Insgesamt habe Lichtblick derzeit rund 510.000 Kunden.

Greenpeace Energy berichtet von einer Verachtfachung der Kundenzahl seit Beginn der Nuklearkatastrophe. Sprecher Martin Schaefer will allerdings keine absoluten Zahlen nennen; Anfang 2011 habe die Zahl bei 96.000 gelegen. Ob es einen weiteren Anstieg geben werde, sei schwer vorherzusagen: "Aber die erste Erregungswelle ist langsam vorbei." Greenpeace Energy ist als Genossenschaft mit derzeit rund 20.000 Mitgliedern organisiert.

Lichtblick-Sprecher Kampwirth geht dagegen davon aus, dass der Wachstumstrend noch eine Zeit lang anhalten wird. "Ich glaube, das Thema Atomkraft wird die Menschen für längere Zeit bewegen. Das Restrisiko hat plötzlich leider eine ganz konkrete Bedeutung bekommen - das wird nicht so leicht aus dem Bewusstsein verschwinden." Die Lichtblick AG ist eine 100-prozentige Tochter der Turina Holding, die laut Kampwirth überwiegend im Besitz Hamburger Kaufleute ist.

Ökostrom sei heute nicht unbedingt teurer als konventioneller Strom, sagte Kampwirth. "Wenn eine Anlage erst gebaut ist, hat man Wind, Sonne und Wasser kostenlos - und ist nicht mehr abhängig von Rohstoffimporten." Die Kosten etwa für den Netzausbau würden die Kunden allerdings zunächst stärker belasten als heute. "Mittelfristig wird der Strompreis nicht mehr groß steigen. Und wenn der Umbau zu großen Teilen bewältigt ist, könnte er sogar fallen." Schaefer erwartet dagegen, dass die Preise für Ökostrom steigen werden - "aber wahrscheinlich nicht in sehr großem Ausmaß".

Als Kriterium für "echten Ökostrom" sehen beide Anbieter vor allem, dass mit dem Ökostromangebot auch der Ausbau von erneuerbaren Energien gefördert werden muss - etwa durch den Bau eigener Windparks oder Solaranlagen. So hat Greenpeace Energy eigene Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 53 Megawatt.

kst/dpa-afx
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