Förderkürzungen in Deutschland Solarworld setzt aufs Ausland

Der Heimatmarkt macht dem Sonnenkraftkonzern Solarworld wenig Freude - die Bonner setzen deshalb auf ferne Länder. Vor allem in USA will das Unternehmen wachsen. Im Zusammenhang mit der Atomdebatte friff Firmenchef Frank Asbeck die Energiekonzerne scharf an.
Auf Expansionskurs: Solarworld-Chef Frank Asbeck will die Produktion steigern und seine Anlagen verstärkt im Ausland verkaufen

Auf Expansionskurs: Solarworld-Chef Frank Asbeck will die Produktion steigern und seine Anlagen verstärkt im Ausland verkaufen

Foto: AXEL SCHMIDT/ AFP

Bonn - Auch wenn die Katastrophen in Japan hierzulande die Stimmung für Erneuerbare Energie verbessert: Das Photovoltaik-Unternehmen Solarworld setzt auf sein Auslandsgeschäft, weil angesichts bevorstehender Förderkürzungen dem deutschen Solarmarkt eine Abkühlung bevor steht.

Bis 2013 will das Bonner Unternehmen bis zu 75 Prozent seines Absatzes im Ausland erzielen, bisher sind es knapp 60 Prozent. Der größte Absatzmarkt von Solarworld soll bis dahin die USA sein. Die im TecDax notierte Papiere verloren gegen den freundlichen Trend gut 2 Prozent. Die Solarworld-Aktien hatten in den vergangenen Wochen aber auch kräftig zugelegt.

In der durch Japan neu entfachten Atomdebatte bezeichnet Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck sein Unternehmen als eine Lösung des Problems. "Umdenken und ein konsequentes Handeln muss und wird jetzt beginnen, weltweit", sagte Firmenchef Asbeck. Es müsse nun alles dafür getan werden, schrittweise die Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien zu erreichen.

Den Atomkonzernen wie RWE und Eon warf der Solarworld-Chef vor, in Berlin zuvor eine "orchestrierte Attacke gegen die erneuerbaren Energien" geführt zu haben. Sie hätten die alternativen Energien als zu teuer verunglimpft. Einen geregelten Netzzugang und den politisch gewollten Vorrang der Erneuerbaren Energien vorausgesetzt, könnte die Solarenergie aber bis 2020 bis zu 20 Prozent am Energiemix in Deutschland beisteuern.

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Nach den Geschehnissen in Japan gebe es bei Solarworld mehr Anfragen nach deren Produkten. Es sei aber noch nicht sicher, ob diese auch zu konkreten Käufen führten. "Generell gehe ich schon von einer Belebung der Nachfrage aus", sagte Asbeck. Eine Änderung der für den Sommer beschlossenen Absenkung der Solarförderung um bis zu 15 Prozent stehe indes nicht zur Debatte. "Das wollten wir als Branche ja so, daran ändern wir nichts", sagte der Vorstandschef.

Das Bonner Unternehmen erwartet nach einem Rekordumsatz im vergangenen Jahr auch 2011 und 2012 weiteres Erlöswachstum. Eine Gewinnprognose wollte Asbeck nicht abgeben. Zu unsicher sei die Preisentwicklung in der Branche. Die Preise seien 2011 tendenziell geringer als im vergangenen Jahr.

Asbeck: "Preise halbieren sich in den nächsten zehn Jahren"

Das zeige das erste Quartal, in dem die Absatzmengen stärker gestiegen seien als der Umsatz. In den kommenden zehn Jahren rechnet der Solarpionier gar mit einer Halbierung der Preise. Daher will Solarworld die Kosten weiter drücken, etwa durch technische Verbesserungen.

Die Absatzmenge in Megawatt gerechnet will Solarworld in diesem Jahr um 30 Prozent steigern. Größter Absatzmarkt werde künftig die USA sein, dort hat das Unternehmen zwei Produktionsstandorte. Schon 2011 soll der Absatz in den USA verdoppelt werden.

Gemessen am Umsatz macht das US-Geschäft aktuell 12 Prozent aus. Auf dem deutschen Markt will Solarworld seinen Marktanteil trotz einer insgesamt rückläufigen Entwicklung steigern. Im restlichen Europa peilt Solarworld ein Absatzplus von mehr als 30 Prozent an.

Im vergangenen Jahr hatte das Bonner Unternehmen - wie schon auf Basis vorläufiger Zahlen berichtet - seinen Umsatz um 28,8 Prozent gesteigert und mit 1,3 Milliarden Euro auf Rekordniveau gebracht. Der Überschuss legte nach einem Einbruch im Vorjahr wieder um 50 Prozent auf 89 Millionen Euro zu. Die Dividende soll von 16 auf 19 Cent steigen.

nis/dpa-afx/rtr

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