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Ranking: Die Top 10 der Windkraftbranche

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Erneuerbare-Energien-Branche Wind schlägt Sonne

Deutsche Hersteller von Solaranlagen und Windrädern wittern satte Profite, denn angesichts der Nuklearkatastrophe in Japan überdenken Staaten weltweit ihre Energiepolitik. Doch während die Rotorenbauer durchstarten dürften, taugt die gehätschelte Fotovoltaikindustrie kaum für ein grünes Wirtschaftswunder.

Hamburg - Ungeduldig fiebern die Manager des Bonner Sonnenkraftkonzerns Solarworld derzeit der Eröffnung ihrer neuen Siliziumfabrik in Katar entgegen. Ab 2012 will das Unternehmen einen Großteil des Grundstoffs für Solarzellen aus Arabien beziehen. Solarworld will so 25 Prozent billiger produzieren. Möglich macht es Erdgas-Billigstrom, während in Deutschland ausgerechnet die Förderung der Solarenergie die Preise in die Höhe treibt.

Gerade jetzt, da die deutsche Solarindustrie angesichts der Nuklearkatastrophe in Japan weltweit gute Geschäfte wittert, kann es vielen gar nicht schnell genug gehen mit der Expansion ins Ausland. Zuletzt sind Solarworld , Q-Cells, Conergy  und Co. immer stärker gegenüber der chinesischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Hauptgrund sind die Kostennachteile am Standort Deutschland.

Nach den damit zuletzt verbundenen herben Rückschlägen hofft die gesamte Erneuerbare-Energien-Branche auf eine Energiewende als Konsequenz aus dem Atomdesaster. Die Solarbranche habe "eindeutig aufgezeigt, dass wir mit der Fotovoltaik bereits in wenigen Jahren einen signifikanten Anteil an der deutschen Stromversorgung erreichen können", sagte der Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft, Günther Cramer.

Merkels Energiewende wirkte an der Börse wie Zunder

Auch die Windkraftindustrie frohlockt. "Bereits 2020 kann jede zweite Kilowattstunde aus erneuerbarem Strom kommen", sagt der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, gegenüber manager magazin. "Die Windenergie allein könnte im Jahr 2020 etwa 30 Prozent der deutschen Stromversorgung ausmachen. Damit können wir die Kernenergie vollständig ersetzen." Nötig sei jetzt "Kontinuität" bei der Vergütung, also den Subventionen durch die Stromverbraucher.

Noch rosiger werden die Aussichten, wenn Regierungen jetzt weltweit tatsächlich umsteuern. Die jüngsten Nachrichten schüren Optimismus in der Branche. Das Paradebeispiel ist Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine energiepolitische 180-Grad-Wende hingelegt. Die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre legte sie auf Eis und ließ sieben ältere Meiler vom Netz nehmen.

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Ranking: Die Top 10 der Solarindustrie

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Eine Maßnahme, die an der Börse wie Zunder wirkte. Solarworld-Aktien schossen um mehr als 50 Prozent in die Höhe, die Konkurrenz von Q-Cells legte um ein Drittel zu. Ähnlich sah es im Windsektor aus. Nordex  verbesserte sich um 40 Prozent, Vestas  und Repower  legten ebenfalls klar zu. Betreiber und Hersteller von Atomkraftwerken wie RWE , Eon  oder Areva verloren.

"Das Thema Erneuerbare Energien scheint an Bedeutung zu gewinnen", sagt Analyst Erkan Aycicek von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Von einem bevorstehenden Boom zu sprechen, sei verfrüht, sagen er und andere Marktkenner, aber die Indizien für einen Kurswechsel in manchen Ländern mehren sich.

Die Konkurrenz aus China enteilt Solarfirmen immer schneller

So will China sein ambitioniertes Atomprogramm überprüfen und die Solarstromerzeugung in wenigen Jahren verfünffachen. In den USA zog ein Energiekonzern Milliardeninvestitionen in ein Kraftwerksprojekt zurück, weil er neue, teure Auflagen fürchtet. Dazu sinkt in Umfragen weltweit die Zustimmung zur Atomkraft.

Ob allerdings ausgerechnet die Deutschen von einem weltweiten Umdenken besonders stark profitieren, ist mehr als ungewiss - das gilt zumindest für die Solarbranche, deren Probleme sich möglicherweise nicht schnell genug lösen lassen.

"Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zell- und Modulhersteller gegenüber chinesischen Anbietern nimmt weiter ab", sagt Unternehmensberater Hans Kühn, Geschäftsführer bei PRTM Management Consultants, gegenüber manager magazin. Die Konkurrenz aus China sei in den vergangenen Jahren "schneller und konsequenter" gewachsen. Oft unterbieten sie die deutschen Hersteller beim Preis nun um bis zu 20 Prozent - bei gleicher Qualität des Grundprodukts, wie auch deutsche Fachleute einräumen.

Deutsche Solaranlagenbauer können kaum Rabatte geben

Angesichts eines möglichen weltweiten Solarbooms sind die Aussichten für die mit Milliarden gepäppelte deutsche Ex-Vorzeigebranche daher wenig rosig. "In den Vereinigten Staaten sind vor allem große Projekte zu erwarten", sagt LBBW-Analyst Aycicek. "Die Betreiber verlangen hohe Rabatte, dann sind Hersteller aus den USA und China im Vorteil."

In China ist die Lage unübersichtlicher. Bisher produzieren die Hersteller wie Weltmarktführer Suntech Power  oder Yingli vor allem für den Export. Fördert die chinesische Regierung den Heimatmarkt, dürften die heimischen Firmen klar im Vorteil sein. "Es steht zu befürchten, dass die Regierung dann eine Einspeisevergütung gewährt, mit der deutsche Hersteller nicht wirtschaftlich arbeiten können", sagt Aycicek.

Bleibt also die Flucht mit den Produktionsstätten ins Ausland. "Die deutschen Hersteller müssen global expandieren, Kosten senken und Wirkungsgrade schneller steigern als ihre Wettbewerber", sagt Berater Kühn. So engagiert sich Solarworld schon länger in den USA, Q-Cells baut eine Fertigung in Malaysia auf. Ob der Exodus die gewünschten Früchte trägt oder nicht - die europäischen Hersteller werden in einem möglichen Boom bestenfalls unterproportional wachsen, weil sie bereits stark in Rückstand geraten sind.

Zudem wird der Solarstandort Deutschland abgehängt. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat errechnet, dass der Anteil von Solarmodulen aus deutscher Produktion außerhalb Europas von derzeit 20 auf 7 Prozent sinken wird. Noch stärker als bisher müssen die deutschen Hersteller auf den Heimatmarkt setzen. "Der deutsche Endkunde steckt nicht so sehr in der Materie drin", sagt Aycicek. "Er zahlt eher einen höheren Preis, wenn er ein Rundum-sorglos-Paket bekommt."

Deutsche Windindustrie könnte Vorsprung ausbauen

Deutlich besser sieht die Lage für Unternehmen aus der Windkraftindustrie aus. Den Firmen kommt zugute, dass die chinesische Konkurrenz ihre tonnenschweren Produkte nicht so einfach wie Solarzellen über die Windmeere schippern kann. Weil die Vergütungssätze für Strom aus Anlagen an Land bereits deutlich unter zehn Cent liegen, lohnt es nicht.

"Entscheidend ist, dass die Hersteller mit ihren Produktionsanlagen nah am Markt sind", sagt Analyst Holger Fechner von der NordLB. Somit haben die europäischen Platzhirsche wie Vestas, Enercon, Siemens  oder Nordex noch Vorteile, denn die Chinesen scheuen Auslandsinvestitionen.

Prescht nun beispielsweise Deutschland mit neuen Flächenausweisungen an Land oder einer höheren Einspeisevergütung für Anlagen auf See vor, profitieren westliche und deutsche Firmen stark. "Die Chinesen werden ihre Anlagen verstärkt exportieren, aber die deutschen Hersteller haben noch einen großen Vorsprung", sagt Analyst Mario Kristl von der DZBank. "In den nächsten zwei bis drei Jahren haben die Europäer wenig zu befürchten."

Vielversprechende Aussichten vor allem im Offshore-Bereich

Vor allem bei Offshore-Anlagen sind deutsche Hersteller voraus. "Siemens und Repower haben sich eine Führungsposition erarbeitet", sagt Kristl. Als drittstärkste Kraft bei Offshore sehen Experten die Dänen von Vestas, allerdings noch mit einigem Abstand.

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Ranking: Die Top 10 der Windkraftbranche

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Siemens arbeitet bereits hartnäckig daran, seine Rolle als Weltmarktführer auszubauen. "Wir werden in zwei bis drei Jahren 13 Fertigungsstätten in acht Ländern haben", heißt es in der internen Planung. Heute sind es demnach bereits sieben Werke in drei Ländern. Weitere Fertigungen sind in Kanada, Großbritannien, Indien, Russland, Brasilien, Kanada und Großbritannien vorgesehen. Schon heute beläuft sich der Auftragsbestand auf zehn Milliarden Euro.

Für Firmen wie Siemens wäre eine Wende zur Windenergie besonders lukrativ. In Berlin kämpfen Branchenvertreter bereits für eine höhere Einspeisevergütung für Offshore-Windräder. Sie soll von 15 auf 18 Cent pro Kilowattstunde steigen. Das hätte den Charme, dass für vergleichsweise kleines Geld europäische Firmen profitieren und Arbeitsplätze entstehen.

Milliarden würde indes auch dieses Vorhaben kosten. Schon nach den alten Fördersätzen betragen die Nettokosten für die deutschen Stromverbraucher 18,6 Milliarden Euro, wie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für manager magazin errechnet hat. Alle Verpflichtungen gegenüber den Solaranlagenbesitzern belaufen sich dagegen auf 100 Milliarden Euro, wie RWI-Forscher Manuel Frondel errechnet hat. Mit dem zusätzlichen feinen Unterschied, dass die Solaranlagen wesentlich weniger Strom produzieren, als Rotoren auf See.

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