AKW-Stilllegung Eon will weniger Atomabgaben zahlen

Die vorübergehende Stilllegung deutscher Atomkraftwerke will Eon-Chef Johannes Teyssen für neue Verhandlungen nutzen. Der Manager pocht auf eine geringere Brennelementesteuer. Der Konzern will auch in den Ökofonds der Bundesregierung weniger einzahlen.
Eon-Vorstandschef Teyssen will über die Brennelementesteuer neu verhandeln

Eon-Vorstandschef Teyssen will über die Brennelementesteuer neu verhandeln

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Düsseldorf - Die Atombranche hofft einen positiven Nebeneffekt des dreimonatigen Herunterfahrens von Kernkraftwerken: Der Energiekonzern Eon  will nun eine geringere Brennelementesteuer und weniger in den sogenannten Ökofonds zahlen. "Darüber müssen wir mit der Bundesregierung sprechen. Es ergibt in meinen Augen keinen Sinn, nur einen Teil des Paktes aufzuschnüren", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen der "Rheinischen Post" mit Blick auf die mit der Regierung vereinbarte Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken.

Der Chef des größten deutschen Energieversorgers steht damit keineswegs allein da. Auch ein Sprecher von Vattenfall hatte der "Süddeutschen Zeitung" bereits gesagt, der Konzern prüfe, "inwiefern sich die geänderten Umstände auf die Leistung der Förderbeiträge auswirken". Die Zeitung zitierte zudem einen führenden Mitarbeiter eines AKW-Betreibers mit den Worten: "Wir zahlen nur für Reaktoren, die laufen."

Die Brennelementesteuer hatte die Regierung im vergangenen Jahr im Gegenzug zur Laufzeitverlängerung eingeführt. Sie gilt sechs Jahre und ist pro installiertem Brennelement zu entrichten - unabhängig von der tatsächlichen Nutzung eines Atomkraftwerks. In den Ökofonds zum Ausbau Erneuerbarer Energien soll ein Teil der zusätzlichen Gewinne fließen, die die AKW-Betreiber durch die Verlängerung erwirtschaften. Diese Beiträge seien ohnehin an die Nutzung der Reaktoren gebunden, sagte Eon-Chef Teyssen.

In diesem Jahr sollen die vier deutschen Atomkonzerne im Gegenzug zur Laufzeitverlängerung eigentlich 300 Millionen Euro in diesen Ökofonds zahlen. Das Finanzministerium hatte am Montag deutlich gemacht, an der Zahlungsverpflichtung der AKW-Betreiber habe sich vorerst nichts geändert. Das Ministerium wies darauf hin, es gehe hier um eine Vorauszahlung mit Blick auf künftige Gewinne der Stromkonzerne aufgrund längerer AKW-Laufzeiten, die mit dem aktuellen Moratorium nichts zu tun habe.

Teyssen erklärte, sein Unternehmen wolle sich trotz der Katastrophe in Japan nicht von der Atomkraft verabschieden. Der Neubau von Kernkraftwerken, etwa in Großbritannien, sei nicht ausgeschlossen. "Wir haben auch Ideen für Finnland", sagte Teyssen. Zunächst aber müssten die Sicherheitsanforderungen an die bestehenden Anlagen geprüft werden.

rei/dapd/apd/reuters
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